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13. Dezember 2016 Autor: Rolf Grupp

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Thermische Desinfektion? Nein, danke!

In den Arbeitsblätter W556 „Hygienisch-mikrobielle Auffälligkeiten in Trinkwasser-Installationen; Methodik und Maßnahmen zu deren Behebung“ und W557 "Reinigung und Desinfektion von Trinkwasser-Installationen" des DVGW sind die zulässigen Desinfektionsmittel und Verfahren zur Beseitigung von Wasserkontaminationen genannt. Insbesondere eine darin getroffene Kernaussage ist seit Jahren überfällig: „Bei einer periodischen temporären Temperaturerhöhung im Trinkwassererwärmer inklusive Zirkulationssystem (z. B. „Legionellenschaltung“ oder „Legionellenschleuse“) handelt es sich um keine thermische Desinfektion. Eine solche Maßnahme ist daher nicht zielführend.“

Damit stellt die Legionellenschaltung keine allgemein anerkannte Regel der Technik mehr dar — und war es nach gesundem Menschenverstand auch vorher nicht. Wenn Legionellen und Co. regelmäßig einem Hitzestresstraining ausgesetzt werden, liegt, nach einer ausreichenden Trainingszeit, deren Thermoresistenz nachgewiesen bei 82 °C. Die thermische Desinfektion in Form einer „Legionellenschaltung“ verschlimmert das Übel also.

Laut W557 ist die thermische Desinfektion noch ein legitimes Mittel der Anlagendesinfektion. Die setzt gegenüber der Trinkwasserdesinfektion voraus, dass drei Bedingungen erfüllt sind: Es muss eine Kontamination nachgewiesen worden sein und die betriebstechnischen und bautechnischen Maßnahmen zur Beseitigung der Kontamination müssen versagt haben. Allerdings haben die Regelsetzer im W557 nicht den Mut gehabt, endlich die beiden Parameter, mittels derer die thermische Desinfektion versucht wird zu beschreiben, zu canceln. Nach wie vor werden die Parameter „3 Minuten“ und „70 °C“ angeführt. Nur das Wort „mindestens haben die Regelsetzer gegen „länger als“ ausgetauscht.
Wenn man heute aber schon Resistenzen von 82 °C nachweisen kann, ist es doch absurd, Legionellen mit 70 °C den Garaus machen zu wollen. Nichtsdestotrotz sind die genannten Bedingungen bemerkenswert, denn damit wird die thermische Desinfektion nicht nur auf das gleiche Niveau hinsichtlich des Problembewusstseins gehoben wie alle anderen Desinfektionsverfahren auch, sondern dadurch auch ähnlich selten angewendet werden können wie beispielsweise Ozon, Chlor, Chlordioxjd oder Natrium- und Kalziumhypochlorid. Aus den genannten Gründen muss jegliche Desinfektionshandlung die letzte Waffe im Kampf gegen eine Kontamination sein. Mit Ausnahme einiger weniger spezifischer Fälle muss sie auch eine temporäre sein.

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Artikelnummer: cci52519

Kommentare (1):

Seltsam wie wenig dieser Artikel an Bewertungen und Kommentaren bekommen hat! Wenn dies alles so stimmt, ist das für Millionen von Haushalten von Relevanz. Die bisherige 60°-Regel ist ein energetisches und hydraulisches Ärgernis!
Kann ich nun unter Berufung auf diesen Artikel in den Heizkeller gehen und die Brauchwassertemperatur für alle Mitbewohner auf vernünftige 50° einstellen?
Günther Koch 04.01.2017

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