22. Januar 2015 Autor: Rolf Grupp

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  • Leser helfen Lesern: Auffangwannen für Kältemittel - Leserantworten
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Leser helfen Lesern: Auffangwannen für Kältemittel - Leserantworten

Ein Leser wollte wissen, ob bei der Aufstellung von Kälteerzeugern eine Auffangwanne Pflicht ist. Hier die Antwort von Dipl.-Ing. Karl-Heinz Thielmann, Vorsitzender der Überwachungsgemeinschaft Kälte- und Klimatechnik, Bonn.

24281(Abb. © Beermedia/Fotolia.com) Der Leser fragte:
"Ich habe eine Frage, die uns im Anlagenbau immer wieder trifft: Ist für die Aufstellung von Kälteerzeugern eine Auffangwanne im Sinne der Vorschriften - Wasserhaushaltsgesetz - Pflicht, da die Anlagen mit Kältemittel (oftmals Wassergefährdungsklasse WGK1) und auch mit Kältemittelöl (Polyesteröl mit WGK 1) gefüllt sind. Einige Wannenhersteller am Markt behaupten, die Auffangwannen sind Pflicht, da das Öl nach Ingebrauchnahme nicht mehr WGK 1 ist.

Auzug eines Texts der AuRü | GS Gesellschaft für Umweltschutz mbH, Nordhorn:
>> Auffang- und Rückhaltesystem für Öl und Glykol
Auffang- und Rückhaltesystem für Kaltwasseranlagen und Rückkühler zur Einhaltung der Gesetzesanforderungen nach § 62g ff. des WHG (Wasserhaushaltsgesetz)
§ 3 der VAwS (Anlagenverordnung) § 3 USchadG (Umweltschadensgesetz) sowie Art. 4, Art. 11 § 3 der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EU WRRL) und ihrer EU Tochterrichtlinie „Grundwasserschutz“, bestehend aus:
· Edelstahl-Auffangwanne
· Gegenstromsystem (Öl-Abscheider)
· Gegenstromsystem-Laubschutzgitter
· Spezial-Kugelhahnventil
· elektronische Steuerung inkl. Mikroprozessor
· Druckmessumformer mit Schraderventil-Anschluss
· optional mit Glykol Sensor
· optional mit Hochleistungs-Heizeinsatz
· optional mit AuRü-GWL Geringe-Wasserstands-Lösung
gegen hohe Algen- und Legionellen Bildung (nur für Glykol)
Sollten sich im AuRü Glykolprotektor Auffang- und Rückhaltesystem Leichtflüssigkeiten, wie z.B. Estheröl befinden, werden diese gemäß den gesetzlichen Vorgaben durch das integrierte Gegenstromsystem abgeschieden und im System zurück gehalten. <<"

Leserantwort

"Meine Stellungnahme geschieht ausschließlich auf Basis der zu erwartenden neuen "Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen" (AwSV). Die Richtlinien, Gesetze und Verordnungen, die in der Frage zitiert werden, beziehen sich unter anderem auf die Muster-VAwS, die von der neuen AwSV ersetzt werden wird.

Es gilt grundsätzlich, die größtmögliche Sorgfalt im Umgang mit wassergefährdenden Stoffen walten zu lassen. Bereits im Strafgesetzbuch (§ 324 ff) wird Gewässerverunreinigung unter Strafe gestellt. Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie fordert EU-weit eine einheitliche Bewirtschaftung und Pflege der Gewässer, egal ob Grundwasser, Flüsse oder Seen. In nationales Recht wird diese europäische Richtlinie durch das WHG und die zu erwartende AwSV umgesetzt.

In einer Kälteanlage sind in aller Regel drei wassergefährdende Stoffe enthalten: das Kältemittel, das Kälteöl und ggf. Warm- und/oder Kaltsolen auf Ethylen- oder Propylenglykolbasis.

Es kommt jetzt wesentlich auf die Mengen an. Die Anlagen werden gemäß § 39 der AwSV in Gefährdungsstufen eingeteilt. Laut § 1 Anwendungsbereich Absatz (3) gilt diese Verordnung nicht für oberirdische Anlagen mit einem Volumen von nicht mehr als 0,22 m³ bei flüssigen oder mit einer Masse von nicht mehr als 0,2 Tonnen bei gasförmigen oder festen Stoffen, wenn sich diese Anlagen außerhalb von Schutzgebieten befinden.

Sofern wir über die synthetischen Kältemittel reden, sind diese, soweit ich recherchiert habe, alle WGK 1. Ammoniakanlagen wäre WGK2. Kältemittel wie Propan (R290) oder Propen (R1270), CO2 (R744) sind als nicht wassergefährdend eingestuft (Quelle VwVwS 2005)

Die Frage, welche Wassergefährdungsklasse für Öl anzusetzen ist, wird immer wieder streitig diskutiert. Solange sich das Öl im Verdichter bzw. Kältekreislauf befindet, ist es sicherlich WGK 1. Wird es aufgrund eines Ölwechsels abgesaugt und in die entsprechenden Gefahrstoffbehälter abgefüllt, ist es noch kein Altöl gemäß Altölverordnung und nicht notwendigerweise WGK 3, es sei denn das Öl ist säurehaltig. Die nicht rechtssicher geklärte Frage ist aber, welcher WGK ist Kältemaschinenöl zuzuordnen, wenn es ein Gewässer verunreinigt oder eine andere Schädigung bewirkt hat. Dann wäre es nach der Altölverordnung § 1a Absatz Abfall und damit Altöl. Altöl ist wiederum nach der VwVwS Wassergefährdungsklasse 3.

Bei der Frage, ob es einer Rückhaltung bedarf oder nicht, kommt es wesentlich auf die Gefährdungsstufe der Anlage (§ 39 AwSV) an. Es ist zu prüfen, welcher Stoff verordnungsrelevant ist, und für diesen Stoff ist die Rückhaltung vorzusehen.
- Kältemittel, sofern Sie gemäß der AwSV § 2 Absatz 5 gasförmig sind, bedürfen keiner Rückhaltung, siehe hierzu § 38 AwSV und § 35 Absatz 4.
- Kälteöl: Welche Menge ist in der Anlage? Wird die Menge von der Verordnung geregelt? Oberirdische Anlagen in einem Wasserschutzgebiet sind ganz sicher mit einer Rückhalteeinrichtung auszustatten. Außerhalb von Schutzgebieten hängt es ausschließlich von der Menge ab.
Die Füllmenge (maßgebendes Volumen § 39 Absatz 2 AwSV) für Kalt- oder Warmsolen auf Ethylen- oder Propylenglykolbasis wird der wahrscheinlichste Fall für den Anlagenerrichter sein, der von der Verordnung geregelt wird und einer Maßnahme bedarf. Kälteanlagen im Freien müssen auf einer befestigten Fläche aufgestellt werden (§ 35 Absatz 3 (3) AwSV). Das Niederschlagswasser von Flächen, auf denen Kühlaggregate von Kälteanlagen mit Ethylen- oder Propylenglykol im Freien aufgestellt werden, ist in einen Schmutz- oder Mischwasserkanal einzuleiten (§ 19 Absatz 4 AwSV). Das lässt sich nur mit einer entsprechenden Wanne, Auffangraum, Auffangtasse oder einer Fläche, auf denen Stoffe zurückgehalten oder auf denen Stoffe abgeleitet werden können (§2 Absatz 15 AwSV), realisieren, die aber im Gegensatz zu einer Rückhalteeinrichtung (§ 18 Absatz 2 AwSV) einen Ablauf haben dürfen und zwar in einen Misch- oder Schmutzwasserkanal.

Für Kälteanlagen im Freien wird es eine Einrichtung geben müssen, die das ggf. kontaminierte Niederschlagswasser in einen Misch- oder Schmutzwasserkanal ableitet. Von dort aus gelangt es in eine Wasseraufbereitungsanlage die durch entsprechende Behandlung Schäden vermeidet.

Grundsätzlich gilt für Anlagen mit wassergefährdenden Stoffen, dass sie so geplant, errichtet, beschaffen und betrieben werden, dass:
1. Wassergefährdende Stoffe nicht austreten können
2. Undichtigkeiten aller Anlagenteile, schnell und zuverlässig erkennbar sind
3. Austretende wassergefährdende Stoffe schnell und zuverlässig erkannt und zurückgehalten sowie ordnungsgemäß entsorgt werden
4. Bei einer Störung des bestimmungsgemäßen Betriebs der Anlage anfallende Gemische die wassergefährdende Stoffe enthalten können, zurückgehalten und ordnungsgemäß als Abfall entsorgt oder als Abwasser beseitigt wird.

Anlagen müssen außerdem flüssigkeitsundurchlässig, standsicher und gegenüber den zu erwartenden mechanischen, thermischen und chemischen Einflüssen hinreichend widerstandsfähig sein.

Den Direktlink zur neuen AwSV finden Sie hier (Stand Februar 2014)

In der Hoffnung ausreichend verständlich und so verordnungsnah wie möglich, die Fragen beantwortet zu haben bedanke ich mich bei cci Branchenticker für die thematische Aufarbeitung des Themas.

Dipl.-Ing. Karl-Heinz Thielmann, von der Handwerkskammer Karlsruhe öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Kälteanlagenbauer Handwerk, Vorsitzender der Überwachungsgemeinschaft Kälte- und Klimatechnik, Bonn, und Geschäftsführer der GVS Kälte-Klima-Technik GmbH, Tiefenbronn. Kontakt: karl-heinz.thielmann@cci-dialog.de.

Anmerkung der Redaktion:
Zur neuen AwSV finden Leser von cci Zeitung zwei ausführliche Artikel von Karl-Heinz Thielmann in cci Zeitung Ausgaben 11/2014 und 01/2015.
 

© cci Dialog GmbH
Jede Art der Vervielfältigung, Verbreitung, öffentlichen Zugänglichmachung oder Bearbeitung, auch auszugsweise, ist nur mit gesonderter Genehmigung der cci Dialog GmbH gestattet.
 
Artikelnummer: cci32634
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Kommentare (1):

Diese Frage wurde bereits 2012 diskutiert: https://www.cci-dialog.de/cci/forum/fragen/52/Sind_Oelprotektoren_unter_Kuehl-_und_Klimageraeten_Pflichtx?page=4
Sven Koch 27.01.2015

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