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30. August 2017 Autor: Dr.-Ing. Manfred Stahl

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Was sollen wir eigentlich sparen? Primär-, End- oder Nutzenergie?

Um ein Ansteigen des Treibhauseffekts zu minimieren, werden wir täglich von Politikern und Medien zum Energiesparen ermahnt. Dabei ist aber mal von Primärenergie, mal von Nutzenergie oder auch von Endenergie die Rede. Aber welche Energie ist es denn, die wir sparen oder stärker nutzen sollen? Klar, regenerative Energien sind ökologisch und ein zentraler Schlüssel zur Energiewende - aber welche Rolle spielen diese heute im Energiemix? Ein Blick in die Welt der Energiearten - bezogen auf Deutschland - bringt Antworten.

Stufe 1: Primärenergie

Am Anfang jeder Energiebetrachtung steht die Primärenergie. Dies ist der Energieinhalt aller „Roh“-Energien, die entweder in Deutschland gewonnen oder nach Deutschland importiert werden. Also alle Mengen an Öl, Gas, Kohle, Uran, Biomasse, aber auch Wasserkraft, Wind- und Solarenergie sowie Geothermie, die entweder direkt (Verfeuern von Gas, Öl, Holz im Heizkessel, als Benzin für Pkw) oder indirekt (zum Beispiel zur Erzeugung von Strom) genutzt werden.
2016 wurde in Deutschland eine Primärenergiemenge von 13.427 PJ (13.427 x 1015 J) verbraucht. Umgerechnet sind das 3.732 Mio. MWh. Diese Energiemenge entspricht (theoretisch) etwa dem jährlichen Primärenergiebedarf von rund 300 Mio. Einfamilienhäuser. Die Primärenergiemenge verteilt sich zu 80,3 % auf fossile Brennstoffe (Öl, Gas, Kohle), zu 12,6 % auf regenerative Energien und zu 6,9 % auf Kernenergie.

Abbildung 1: Verteilung der Primärenergie im Jahr 2016 auf die verschiedenen Energiearten (Klammerangaben: Vergleich zum Vorjahr 2015) (Abb. AGEB)Abbildung 1: Verteilung der Primärenergie im Jahr 2016 auf die verschiedenen Energiearten (Klammerangaben: Vergleich zum Vorjahr 2015) (Abb. AGEB)
Danach teilt sich die Verwendung der Primärenergie auf. Ein Teil, zum Beispiel Öl und Gas, wird zur weiteren Verwendung aufbereitet, zum Beispiel zu Treibstoffen wie Benzin (aus Öl) oder zum Einsatz in Heizungsanlagen (Öl und Gas). Ein zweiter Teil (Uran, Kohle) wird in Kraftwerken zur Stromerzeugung eingesetzt. Geothermie (Wärmepumpen) und Biomasse erzeugen Heizwärme und in Blockheizkraftwerken auch Strom. Zur Primärenergie gehört auch der Strom aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Alle diese Prozesse haben aber Verluste.

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Artikelnummer: cci59236

Kommentare (3):

Dr. Manfred Stahl, der jetzige Herausgeber von cci Zeitung, hat sehr informativ die Unterschiede von Primär-, End- und Nutzenergie beschrieben.
Vor vielen Jahren hat der Gründer und erste Herausgeber von cci Zeitung, Günther Keller, einen ebenso interessanten Beitrag in cci Zeitung unter dem Titel veröffentlicht: "Was ist Primärenergie?" Dieser kurze Kommentar von G. Keller hat mir seinerzeit genau so gut gefallen wie der hier von Dr. Stahl veröffentlichte, ausführlichere Beitrag über diese drei Energieformen.

J. Reichelt, TWK, 31.08.2017
Johannes Reichelt 31.08.2017
Danke für den interessanten Beitrag! Ich denke, man hätte die Anteile der regenerativen Energien am Primärenergieverbrauch schon längst deutlich erhöhen können, wenn man es gewollt hätte. Die aktuellen Energiesparvorgaben sind wichtig und richtig und die LüKK profitiert sogar davon. Aber warum wird nicht konsequent beim größten Verbraucher Verkehr angesetzt und vorrangig nur der Energieeinsparzwang in Privathaushalten propagiert? Müssen wir 2x im Jahr in den Urlaub fliegen (weil die Endenergie Kerosin zu billig ist) oder müssen wir in bayerischen Supermärkten Eier aus Norddeutschland oder NL verkaufen und umgekehrt (weil der Transport mit der Endenergie Diesel und die Maut zu billig sind)? Niemand will und braucht das wirklich, aber trotzdem ist es so. Anstatt noch mehr Autobahnen zu bauen und neue Verkehrskonzepte für noch mehr Verkehr (autonom fahrende LKW) zu entwickeln, sollte man hier ansetzen und könnte sofort sehr viel Energie sparen und CO2 + NOX + Feinstaub vermeiden. Aber lieber versucht man den Menschen zu erklären, wie wichtig es ist, dass sie die Raumtemperaturen um 1-2 K reduzieren sollen, wenn sie zu Hause vor dem Fernseher sitzen.
Ralf Koller, Intemann GmbH, 31.08.2017
Ralf Koller 31.08.2017
Vielen Dank für den informativen Beitrag. Hier wird genannt, das das Sparen von energie und die Energieeffizienz wichtig sind. Dem stimme ich zu. Jedoch nimmt die Gesetztgebung andere Wege, wo werden heute viele produkte mit Effizienzlabel A oder besser angeboten, die Anschlussleistungen sind jedoch größer als bei Geräten mit gleichem Zweck die 10 Jahre alt sind. Dem Kunden wird Effizienz suggeriert, der Zähler dreht schneller. Nach meiner Meinung müssen die politischen Vorgaben zur Energiereduktion nicht nur Effizienzkriterein beinhalten, sondern die Effizienzkriterien müssen parallel eine Reduktion des Energiebedarfes zu der vorherigen Technik beinhalten.
Christian Zywicki 04.09.2017
Christian Zywicki 04.09.2017

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