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7. September 2015 Autor: Simone Hubenschmid und Sandra Horn
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Aspekte der Hygiene-Konformitätsprüfung nach VDI 2047 Blatt 2

Für viele Planer und Hersteller sind derartige hygienische Aspekte im Rahmen ihrer Tätigkeiten Neuland, denn bislang hatten sie mit Mikrobiologie und Hygiene nur wenig Berührungspunkte. Aus diesem Grund beauftragte die E.W. Gohl GmbH das Hygiene-Institut des Ruhrgebiets mit der einer Hygienekonformitätsprüfung, die für die Verdunstungskühlanlangen vom Typ DT, VK, HK und Topaz die Anforderungen der VDI 2047 Blatt 2 dem Aufbau dieser Kühlsysteme gegenübergestellt und aus hygienischer Sicht bewertet und zertifiziert.
Grundsätzlich teilt sich eine Hygiene-Konformitätsprüfung in zwei Bereiche auf:
1. Prüfung der konstruktiven Anforderungen, das bedeutet Inspektion einer neuen und noch unbenutzten Anlage sowie die einer Anlage, die sich bereits längere Zeit im Betrieb befindet
2. Prüfung der eingesetzten Materialien hinsichtlich der Einhaltung der Anforderungen, die in der VDI 2047 Blatt 2 formuliert werden und des konstruktiven Aufbaus der Verdunstungkühlanlage mit der entsprechenden Bedienungsanleitung für den Betreiber.

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Artikelnummer: cci40351

Kommentare (6):

Wir freuen uns über die positive Wahrnehmung der Richtlinie VDI 2047 Blatt 2, möchten zum Inhalt des Beitrags jedoch wie folgt Stellung beziehen:
Die Richtlinie VDI 2047 Blatt 2 behandelt den hygienegerechten Betrieb von Verdunstungskühlanlagen. Konstruktive Merkmale einer solchen Anlage bilden jedoch nur einen Baustein für einen hygienisch einwandfreien Betrieb. Mindestens ebenso wichtig sind Betriebsweise, Überwachung und Instandhaltung der Anlage. Eine Erklärung, dass eine Anlage mit der Richtlinie VDI 2047 Blatt 2 konform sei, ist aus Sicht der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik nicht sinnvoll und nicht wünschenswert. Sie wird eher als kontraproduktiv angesehen, da sie dem Betreiber den falschen Eindruck vermitteln könnte, seine Anlage sei konstruktionsbedingt sicher. Eine solche Anlage gibt es unter den im Anwendungsbereich der VDI 2047 Blatt 2 enthaltenen Anlagen jedoch nicht. Wichtig ist daher, dass Verdunstungskühlanlagen durch geeignetes qualifiziertes Personal betreut werden, z. B. von erfolgreichen Absolventen von Schulungen nach VDI 2047 Blatt 2. Bitte veröffentlichen Sie diese Stellungnahme im Kontext Ihrer o. g. Meldung, gerne mit einem Link auf unsere Seite www.vdi.de/2047 und/oder auf die Termine unserer Partnerschulungen, d. h. https://www.vdi.de/technik/fachthemen/bauen-und-gebaeudetechnik/fachbereiche/technische-gebaeudeausruestung/veranstaltungen/schulung-nach-vdi-2047-rueckkuehlwerke-sicherstellung-des-hygienegerechten-betriebs-von-verdunstungskuehlanlagen/termine-schulungen-vdi-2047-rueckkuehlwerke-sicherstellung-des-hygienegerechten-betriebs-von-verdunstungskuehlanlagen/.

Dipl.-Phys. Thomas Wollstein, Technik und Wissenschaft, Verein Deutscher Ingenieure (VDI), Düsseldorf
29.10.2015
Wie in dem Kommentar von Dipl.-Phys. Thomas Wollstein richtig erwähnt, stellen konstruktive Merkmale von Verdunstungskühlanlagen nur einen Baustein für den hygienegerechten Betrieb von Verdunstungskühlanlagen dar. Weiterhin wird festgestellt, dass dies ebenso wichtig ist wie Betriebsweise, Überwachung und Instandhaltung der Anlage. Warum darf sich dann ein Hersteller von Verdunstungskühlanlagen wie die E.W. Gohl aus Singen nicht um diese Thematik kümmern, sich damit beschäftigen und diese Bemühungen auch Zertifizieren lassen? Der Betreiber ist weiterhin in der Verantwortung den Ausstoß von Krankheitserregern zu verhindern. Da kann es doch nur positiv sein, auf Partner zu setzen, die sich mit diesem Thema ausführlich beschäftigt haben. Aus meiner Sicht kann die Wasserbehandlung noch so effizient sein, die Wartung noch so vollständig, wenn es Geräte gibt, die das mikrobielle Wachstum aus Konstruktiver oder Materialtechnischer Sicht her fördern.
Fabian Rüthing M. Sc. , Antech-Gütling Wassertechnologie GmbH
29.10.2015
Es freut mich, dass meine Stellungnahme von Fabian Rüthing hinterfragt wird. Die Frage, die Herr Rüthing stellt, wird zwar in meinem Beitrag schon angesprochen, doch vertiefe ich sie gerne: Zusätzlich zur grundlegenden Skepsis gegenüber der Sinnfälligkeit einer Zertifizierung aus den beschriebenen Gründen muss ganz klar gesagt werden, dass die Richtlinie VDI 2047 Blatt 2 nach meinem Verständnis keine Basis für eine Zertifizierung bietet. Wenn also derzeit – wie zu beobachten ist – sogenannte „Zertifikate nach VDI 2047 Blatt 2“ auf dem Markt auftauchen, so wird ganz sicher nicht nach einem Zertifizierungsprogramm geprüft, das in einem konsensbasierten Regelsetzungsprozess entstanden ist, wie er der Erarbeitung anerkannter Regeln der Technik zugrunde liegt. Ganz platt gesprochen: Nach VDI 2047 Blatt 2 zu „zertifizieren“ entspricht der Benutzung einer Zange als Hammer. Damit ist die Aussagekraft eines solchen Zertifikats kaum einzuschätzen und Zertifikate von verschiedenen Labors sind nicht vergleichbar. Der VDI wird, wo ihm solche Zertifikate bekannt werden, sein Augenmerk darauf richten, ob ein derartiges Zertifikat überhaupt unmittelbar und sachlich-kausal aus einer in Bezug genommenen VDI-Richtlinie folgt. Wir werden in jedem Einzelfall rechtliche Schritte prüfen und gegebenenfalls einleiten.
Dipl.-Ing. Thomas Wollstein, Technik und Wissenschaft, Verein Deutscher Ingenieure (VDI), Düsseldorf
29.10.2015
Sehr geehrter Herr Wollstein,
dass im Bezug auf die VDI 2047 Blatt 2 Zertifikate kritisch betrachtet werden, ist prinzipiell sehr gut. Es darf nicht missbraucht werden, um ein falsches Bild von einem Produkt darzustellen.
Dass jedoch Produkte von unabhängigen Instituten geprüft werden, welche zudem im Gremium der VDI 2047 Blatt 2 mitgewirkt haben, ist positiv zu bewerten. Aus unserer Sicht ist die Basis dafür gegeben und könnte zudem ergänzt werden.
Die bedachte Konstruktion und auch Auswahl der Materialien bildet die Basis für ein hygienisches Gerät. Mit diesem ersten Schritt kann anschließend der Aufwand für den hygienischen Betrieb der Geräte gering gehalten werden. Genau das Gegenteil wird derzeit praktiziert. Es werden Produkte eingesetzt, welche gerade wegen der Konstruktion und Auswahl der Materialien ein Biofilm-Wachstum begünstigen, sodass der Betrieb nur unter Einsatz von Chemie möglich ist, welche lediglich gerade noch die Grenzwerte gewährleistet. Mit Einsatz von Chemie ist vieles möglich, jedoch ist es ebenfalls gesundheitsgefährdend!
Wir haben unser Rückkühlsystem ebenfalls zertifizieren lassen. Die Konstruktion wurde hierbei kritisch betrachtet und auch optimiert. So gesehen war es der richtige Schritt.
Wenn Sie der Meinung sind, dass hier eine Grundlage für die Zertifizierung geschaffen werden muss, dann würde ich das unterstützen. Wenn kein Hammer da ist, muss man sich eben mit der Zange behelfen.
Sehen Sie das bitte als Aufforderung an den VDI. Die Zertifizierung auf Grundlage der VDI 2047 Blatt 2 ist aus unserer Sicht in Ordnung. Es gibt derzeit keine bessere Basis! Ein Missbrauch muss selbstverständlich unterbunden werden.

Ercan Bilgilioglu-Michelbach, Michelbach Unternehmensgruppe
31.10.2015
Erwiderung auf den Leserbrief von Herrn Dipl.-Phys. Thomas Wollstein auf den Artikel „Mehr Sicherheit durch Hygiene-Konformitätsprüfungen von Verdunstungskühlanlagen nach VDI 2047 Blatt 2“

Entgegen der Meinung von Herrn Wollstein sind Werkstoffe durchaus integraler Bestandteil der Richtlinie VDI 2047 Blatt 2. Ihnen ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Das Hygiene-Institut des Ruhrgebiets ist seit vielen Jahrzehnten führend auf dem Gebiet der hygienischen Materialuntersuchungen tätig und hat hier eine wichtige Rolle in der Prävention bei der Minimierung der Ausbreitung von Krankheitserregern übernommen. Die DIN EN 846 und die Prüfung nach DVGW W 270 werden explizit in Kapitel 7.3 der VDI 2047 Blatt 2 genannt.
Die VDI 2047 Blatt 2 muss deshalb als einer von vielen Bausteinen in Hygieneprüfungen einfließen. Der VDI als gemeinnütziger Verein hat die Verpflichtung, Prüfungen nach seinen Richtlinien zu unterstützen und nicht etwa zu blockieren.
Auf wie viele Normen und Zertifizierungsprogramme möchte Herr Wollstein denn noch warten, bevor wir endlich mit dem vorbeugenden Gesundheitsschutz auch bei den zuletzt so stark in den Fokus gelangten Verdunstungskühlanlagen ernst machen dürfen?
Der VDI sollte sich baldmöglich erklären, ob er den Leserbrief von Herrn Wollstein autorisiert oder ihn als eine Einzelmeinung deklariert.

Prof. Dr. rer. nat. Lothar Dunemann, Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Georg-J. Tuschewitzki, Dipl.-Ing. (FH) Sandra Horn
Hygiene-Institut des Ruhrgebiets, Institut für Umwelthygiene und Toxikologie, Gelsenkirchen
31.10.2015
Niemand wird in Frage stellen, dass eine hygienegerechte Konstruktion (Eine „hygienische“ gibt es m. E. nicht.) die Basis für einen technisch einwandfreien Betrieb bildet. Die Stellungnahme von Herrn Bilgilioglu-Michelbach geht jedoch am eigentlichen Punkt vorbei: Wer auch immer mit welcher Kompetenz auch immer irgendwelche Punkte aus einer Richtlinie heraussucht und sich daraus ein eigenes Prüfprogramm bastelt, es wird sich immer um eine Individuallösung handeln, während die Richtlinie selber als Produkt eines Regelsetzungsprozesses nach VDI 1000 den Konsens der Fachcommunity abbildet. Das Ausweisen einer „Hygienekonformitätsprüfung nach VDI 2047 Blatt 2“ erweckt den Eindruck, dass es sich um eine standardisierte Prüfung nach einer anerkannten Regel der Technik handelte – und das ist unzutreffend! Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich bei der oder dem Sachverständigen, der aus der Richtlinie das Prüfprogramm abgeleitet hat, um ein Ausschussmitglied handelt; wenn wir im Ausschuss darum bitten, man möge sich zur nächsten Sitzung Gedanken über ein Prüfprogramm machen, dann bekommen wir auf der nächsten Sitzung vermutlich mehrere verschiedene Prüfprogramme. Genau das passiert hier: Mir sind schon zwei verschiedene „Konformitätserklärungen nach VDI 2047 Blatt 2“ untergekommen.
Niemand wird sich daran stoßen, wenn ein Unternehmen behauptet, „Wir haben mithilfe von externen Sachverständigen alle anwendbaren Punkte von VDI 2047 Blatt 2 angeschaut und möglichst weitgehend berücksichtigt. Damit ist die nach unserem Verständnis bestmögliche Basis für einen hygienisch einwandfreien Betrieb geschaffen.“ Aber die Behauptung, es gebe eine Hygiene-Konformitätsprüfung nach VDI 2047 Blatt 2, ist schlicht falsch.
Interessant finde ich übrigens, dass die Bitte des VDI, die Einzelheiten des Prüfprogramms offenzulegen, bislang ungehört verhallt. Auch hier kommt deutlich die Stärke einer anerkannten Regel der Technik heraus: Bei einer solchen ist das Prozedere transparent; jeder weiß, was geprüft wurde und kann es nachprüfen.
Ich stimme Frau Horn voll und ganz zu, dass Prüfungen nach VDI-Richtlinien zu unterstützen sind. Allein, hier geht es nicht um eine solche! Die Antwort von Frau Horn geht wie die von Herrn Bilgilioglu-Michelbach am Thema vorbei: Natürlich sind Werkstoffe mit Blick auf die Hygiene wichtig. Niemand stellt das in Frage. Auch die Kompetenz des Hygiene-Instituts in seinem Bereich steht nicht zur Debatte, doch sind im Ausschuss eine ganze Reihe von Fachleuten vertreten, die – und ich glaube, daran erinnert sich auch Frau Horn – im Lauf der Diskussionen häufig verschiedene Meinungen hatten, aus denen schlussendlich der in der Richtlinie dargestellte Konsens entstanden ist.

Zur letzten Frage: Die Ablehnung von Hygiene-Konformitätserklärungen nach VDI 2047 Blatt 2 ist eine Position des Fachbereichs TGA der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik. Die Erläuterungen dazu habe ich verfasst.

Dipl.-Phys. Thomas Wollstein, Technik und Wissenschaft, Verein Deutscher Ingenieure (VDI), Düsseldorf
02.11.2015

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