Studie Heinze: Baumarktprognose 2020 bis 2025

Abb. 1: Prognosen/Schätzungen zur Anzahl der Haushalte in Deutschland zwischen 2012 und 2020 (in Mio. Haushalten). Die unterschiedlichen Prognosen von 2012, 2015, 2017 und 2020 sind ersichtlich. (Abb. © Heinze, basierend auf Angaben des statistischen Bundesamts)
Abb. 1: Prognosen/Schätzungen zur Anzahl der Haushalte in Deutschland zwischen 2012 und 2020 (in Mio. Haushalten). Die unterschiedlichen Prognosen von 2012, 2015, 2017 und 2020 sind ersichtlich. (Abb. © Heinze, basierend auf Angaben des statistischen Bundesamts)

Die Heinze Marktforschung GmbH, Celle, hat ihre neue „Baumarktprognose“ für die Jahre 2020 bis 2025 vorgelegt. Darin werden die Entwicklungen der Bautätigkeit und langfristige Perspektiven der Bauwirtschaft dargestellt. Außerdem geht es um die Frage, wie Corona die verschiedenen Marktsegmente der Bauwirtschaft beeinflusst.

Ein Blick in die Zukunft der Baukonjunktur kommt derzeit nicht ohne Vermutungen über die Entwicklung der Corona-Pandemie aus. Schon auf dem Höhepunkt der ersten Infektionswelle erwartete Heinze einen Rückgang des BIP von -5,7 %; eine Einschätzung, zu der sich auch viele Wirtschaftsforschungsinstitute im Herbst einfanden. Man bleibt bezüglich der weiteren Entwicklung jedoch skeptisch und geht noch lange von einer 90 %-Ökonomie aus, in der ganze Bereiche als Wachstumsstützen wegbleiben. Die anrollenden Insolvenzen werden laut Heinze 2021 das Wachstum belasten.

Weitere Ergebnisse

Die neue Haushaltsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2020 senkt die Erwartungen an die Wohnungsnachfrage aus demografischer Sicht. Die tatsächliche Anzahl der Haushalte hat sich schwächer entwickelt. Nach heutigem Stand der Prognose fällt die Zahl der Haushalte im Jahr 2035 um 680.000 Haushalte geringer aus als bisher erwartet. Auf Grundlage des Wohnverhaltens der Haushalte entwickeln die Marktforscher einen demografischen Nachfrageindikator, der leicht abgeschwächt, immer noch wächst.

Ermittlung der Investitionssumme

In den zahlreichen Darstellungen der Entwicklung langfristiger Rahmendaten geht man intensiv auf mögliche Auswirkungen der Klimapolitik auf die Bauwirtschaft ein. Je nachdem, wie man die Fördermaßnahmen in Bezug auf ihren Zusammenhang zur klimafreundlichen Gebäudesanierung einordnet, kommt man laut Heinze auf ein Fördervolumen für 2020 von 3 bis 4 Mrd. €. Zur Erreichung der klimapolitischen Ziele müssten nach vorsichtigen Schätzungen der Wohnungsverbände 14 bis 25 Mrd. € Fördermittel jährlich aufgebracht werden. Die gesamte Investitionssumme wäre doppelt so hoch. Dabei ist der Nichtwohnbau noch nicht eingerechnet. Nimmt man diesen hinzu, käme man auf eine Investitionssumme von zusätzlich 67 Mrd. €. Das entspräche einer Erhöhung der Modernisierungsmaßnahmen im Hochbau in Höhe von 28 %. Selbst die Hälfte davon wäre schon eine gewaltige politische und baugewerbliche Herausforderung.

Veränderungen durch Corona

Das bauwirtschaftliche Umfeld hat sich infolge von Corona erheblich verändert. Abgesehen von den kurzfristigen Beeinträchtigungen zeigen sich auch langfristige Veränderungen. Die Wanderungsbewegungen vom Land in die Stadt ändern sich tendenziell wieder in Richtung Land. „Wohnen“ gewinnt gegenüber „Reisen“ erheblich an Bedeutung. Der Eigenheimbau wird gestützt. Der Bedarf an Wohnraum im Mehrfamilienhausbau bleibt hoch. Tendenziell erfährt der Wohnungsbau eher positive Impulse.
Das sieht im Nichtwohnbau lnach Aussage von Heinze ganz anders aus. Gebäudegruppen des Einzelhandels und des Hotel- und Gaststättengewerbes werden auf absehbare Zeit Überkapazitäten aufweisen. Die Auswirkungen auf den Bürogebäudebau werden noch lebhaft diskutiert, aber es spricht deutlich mehr für eine Bedarfsminderung als für die optimistische Annahme stabilen Bedarfs an Büroraum. Der Lager- und Hallenbau gewinnt tendenziell an Attraktivität. Für die Gruppe der sonstigen Nichtwohngebäude ist die Perspektive moderat optimistisch.

Studie Heinze: Baumarktprognose 2020 bis 2025
Entwicklung der Bautätigkeit von Eigenheimen (in 1.000 Wohnungen) (Beide Abb. © Heinze, basierend auf Angaben des statistischen Bundesamts)

Eigenheimbau stabil

In früheren Mittelfristprognosen ging man bisher von einem Rückgang der Fertigstellungen im Eigenheimbau aus. Derzeit sieht es eher nach einer stabilen Entwicklung oberhalb der Marke von 100.000 WE aus. Der Mehrfamilienhausbau ist zunächst durch Abwarten auf Klärung der Förderbedingungen ausgebremst worden und kam danach nur schleppend in Gang. Nun müssten sich die Wachstumskräfte voll entfalten, so Heinze. Da die Politik für einen großen Teil der Verzögerungen selbst verantwortlich sei, solle man ihr nahelegen, die Frist, wonach Bauanträge für die Sonder-AfA bis zum 31. Dezember 2021 gestellt werden müssen, wenigstens um ein Jahr zu verlängern. Sonst könnte der Aufschwung 2022 schon wieder abgewürgt werden. Beim Baukindergeld hat man sich bereits auf eine Verlängerung geeinigt.

Nichtwohnungsbau problematisch

Hohe Wachstumsraten bei Modernisierung

Der Bauwirtschaft wird die Arbeit dennoch nicht ausgehen. Abgesehen von einer stabilen Nachfrage im Wohnungsbau wachsen die Anforderungen an Baumaßnahmen im Bestand schon unter den jetzigen Bedingungen und führen zu hohen Wachstumsraten für Modernisierungen. Die eigentlichen Impulse müssten aber erst noch kommen. Dazu ist demnächst sehr viel Rückenwind von der EU-Kommission zu erwarten, die eine Renovierungswelle der Gebäude in Europa anstrebt. Zur Erreichung der klimapolitischen Ziele müsste das Bauvolumen für Modernisierungen im Hochbau jährlich um ein Viertel höher liegen als derzeit.

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