Studie: Marktdatenbericht Haus- und Gebäudetechnik 2019/2020

Die Studie „Marktdatenbericht Haus- und Gebäudetechnik 2019/2020“ zeigt, dass sich der Wirtschaftsbereich der Haus- und Gebäudetechnik 2019 positiv entwickelt hat.

Die Umsätze in der gesamten Haus- und Gebäudetechnik lagen 2019 bei 60,9 Mrd. € und konnten somit um + 3,2 % im Vergleich zum Vorjahr gesteigert werden. (Abb. © Messe Frankfurt)

Die Studie „Marktdatenbericht Haus- und Gebäudetechnik 2019/2020“ der B+L Marktdaten GmbH wurde im Auftrag der Messe Frankfurt/ISH, der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie und des VdZ Forum für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik erstellt.
Der Bericht besteht aus einer Zusammenstellung der wesentlichen Branchendaten und einem Überblick über die aktuelle Entwicklung. Die Studie unterteilt den Wirtschaftsbereich in die Bereiche Verarbeitendes Gewerbe, Fachgroßhandel und Installation. Innerhalb dieser Bereiche wird zwischen Heizungsprodukten, Gebäudeautomation, Sanitärprodukten und kälte-/lufttechnischen Erzeugnissen unterschieden. Diese Daten werden um Einschätzungen zur Bauentwicklung sowie zur Branche in ausgewählten europäischen Ländern ergänzt.

Die vollständige Studie steht Mitgliedern von cci Wissensportal als PDF unter „Anhänge“ zur Verfügung.

Einige zentrale Ergebnisse im Überblick

Aktuell wirkt sich die COVID-19-Pandemie negativ auf die Nachfrage aus, dennoch ist die deutsche Bauwirtschaft bislang besser durch die Krise gekommen als die Bauwirtschaft in vielen anderen europäischen Ländern. Hier federt die Sanierung die krisenbedingten Rückgänge aus dem Neubau teilweise ab. Die Studie kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass sich der Wirtschaftszweig Haus- und Gebäudetechnik im Jahr 2019 positiv entwickelt hat und die Umsätze in den meisten Segmenten gestiegen sind. Insbesondere die starke Neubauaktivität hatte sich positiv ausgewirkt.

Die Heizungs-, Lüftungs-, Klimatechnikindustrie und Gebäudeautomation setzte laut Studie im Jahr 2019 etwa 13,4 Mrd. € um. Im Vergleich zu 2018 sind die Umsätze damit um + 1,8 % gestiegen. Die Sanitärindustrie konnte einen Umsatz von 3,2 Mrd. Euro und damit eine Steigerung um 2,7 % erzielen. Der Umsatz des Fachgroßhandels lag im Jahr 2019 bei rund 17 Mrd. €, eine Steigerung um 4 % im Vergleich zum Jahr 2018. Die Gesamtumsätze in der Installationsbranche lagen nach Hochrechnungen des Zentralverbands Sanitär, Heizung, Klima und B+L bei insgesamt 46,6 Mrd. € – eine Steigerung um + 1,4 % im Vergleich zu 2018. Der Anteil der Haus- und Gebäudetechnik an den gesamten Investitionen im Hochbau beläuft sich auf 17,5 % – ein nahezu konstanter Wert über die vergangenen sechs Jahre hinweg.

Positive Impulse kommen insbesondere aus dem Bereich der Bestandsmaßnahmen. Die Förderungen im Rahmen des Klimapakets der Bundesregierung führen zu einem deutlichen Anstieg der Sanierungsmaßnahmen im Umfeld der Heizungs- und Gebäudetechnik. Die Maßnahmen im Bestand profitieren allerdings nicht nur von den Förderungen, sondern indirekt auch von der COVID-19-Pandemie. Viele Eigenheimbesitzer verbringen durch Home-Office oder Kurzarbeit mehr Zeit zu Hause oder verzichten auf die Urlaubsreise. Zeit und Geld
werden ins Eigenheim investiert. Die Sanierung federt also die krisenbedingten Rückgänge aus dem Neubau teilweise ab. Für die Haus- und Gebäudetechnikbranche ist damit auch der Ausblick für das laufende Jahr 2020 positiv.

Die gesamte Branche der Haus- und Gebäudetechnik umfasst die Segmente Industrie, Handel und installierende Unternehmen. Insgesamt lassen sich dem Wirtschaftsbereich rund 49.000 Unternehmen zuordnen. Die Anzahl der Unternehmen ist seit dem Jahr 2016 rückläufig.

MSR/Haus- und Gebäudeautomation

In den beiden Bereichen Mess-, Kontroll- und Regeleinrichtungen (MSR) und Haus- und Gebäudeautomation waren 2019 etwa 110 produzierende Unternehmen tätig. Die Umsätze dieser Unternehmen lagen im Jahr 2019 bei 2,4 Mrd. €. Im Bereich Gebäudeautomation haben sie sich besser entwickelt als bei den Herstellern von Mess-, Kontroll- und Regeleinrichtungen. Letztere haben eine Exportquote von etwa 60 %. Im Bereich der Herstellung von Lösungen der Gebäudeautomation liegt die Exportquote mit etwa 20 % deutlich niedriger.

Wärmepumpen

Der Markt für Wärmepumpen hat sich laut Studie auch im Jahr 2019 positiv entwickelt. Die Umsätze der Hersteller sind um 5,3 % im Vergleich zum Vorjahr gewachsen. Dabei haben sich die Luft/Wasser-Systeme deutlich besser entwickelt als Sole/Wasser- und Wasser/Wasser-Lösungen. Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) beziffert die produzierten Wärmepumpen auf etwas weniger als 90.000 Geräte (inklusive Export). Die Förderungen im Rahmen des Klimapakets geben dem Absatz von Wärmepumpen weiteren Auftrieb, sodass auch für das laufende Jahr 2020 von einem deutlichen Wachstum der Umsätze in diesem Bereich ausgegangen werden kann. Die Exportquote bei der Herstellung von Wärmepumpen liegt bei 57,6 %.
Die Produktion von Solarkollektoren hingegen ist weiterhin rückläufig. Während im Jahr 2016 noch 230.000 Stück produziert wurden, lag die Stückzahl im Jahr 2019 bei 199.975. Dies entspricht einem Rückgang von 13,1 % im Vergleich zum Jahr 2016. Importe, beispielsweise aus China, haben in diesem Bereich zunehmend an Bedeutung gewonnen und führen zu einem Rückgang der inländischen Produktion.
Beide Bereiche (Wärmepumpen und Solarkollektoren) werden in der Studie dem Bereich Herstellung von kälte- und lufttechnischen Erzeugnissen zugeordnet. Die Umsätze in diesem Bereich haben sich 2016 positiv entwickelt. In den Jahren 2017 und 2018 kam es hingegen zu einem Umsatzrückgang, der unter anderem auf Rückgänge
im Exportgeschäft zurückzuführen war. Im Jahr 2019 haben sich die Umsätze wieder erholt und konnten um 2,4 % im Vergleich zum Vorjahr gesteigert werden. In der Summe lagen die Umsätze 2019 bei 5,7 Mrd. €. Die Exportquote lag 2019 bei 53,1 %.
Für das laufende Jahr 2020 lässt sich ebenfalls eine Steigerung der Umsätze erwarten. Dabei dürfte sich das Inlandsgeschäft positiver entwickeln als das Auslandsgeschäft, da die Nachfrage in vielen europäischen Ländern aktuell deutlich unter dem Vor-Krisen-Niveau liegt.

Die Anzahl der Beschäftigten in der Haus- und Gebäudetechnik ist im Zeitverlauf leicht gestiegen und lag 2019 bei rund 518.000 Personen. (alle Abb. © Messe Frankfurt)

Ausblick

In den vergangenen Jahren hat die Branche in Deutschland von der positiven Baukonjunktur profitiert. Insbesondere die starke Neubauaktivität hat sich positiv auf die Produktabsätze und die Umsätze im Wirtschaftsbereich Haus- und Gebäudetechnik ausgewirkt. Der Mehrfamilienhausbau hat sich positiver entwickelt als der Ein- und Zweifamilienhausbau. Aktuell sieht sich der Wirtschaftsbereich mit verschiedenen Entwicklungen konfrontiert:
Einerseits wirkt sich die COVID-19-Pandemie negativ auf die Nachfrage in den europäischen Nachbarländern aus (Stichwort: Exportgeschäft). Andererseits zeigt sich die Inlandsnachfrage im Jahr 2020 sehr robust. Außerdem kommen insbesondere aus dem Bereich der Bestandsmaßnahmen positive Impulse. Die Folgen der Krise werden auch noch im kommenden Jahr 2021 sichtbar sein, insbesondere im Nichtwohnbau.

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