Qualifizierter Nachwuchs für die LüKK

Verleihung des Family Award  an cci Dialog GmbHVerleihung des Family Award an cci Dialog GmbH "Familienfreundlichkeit hat Tradition"

Im Mai 2011 hat die cci Dialog GmbH den "BFamily Award" (B steht für Business) für mittelständische Unternehmen mit besonders familienfreundlichen Konzepten in der Wirtschaftsregion Karlsruhe erhalten. Susanne Keller, geschäftsführende Gesellschafterin der cci Dialog GmbH, ging es bei der Bewerbung um die Auszeichnung aber um weit mehr als eine Eltern-Kinder-und-Beruf-Lösung. Und: Der Mangel an Nachwuchs in der LüKK ist ein selbstgemachtes Problem, so ihre These.


cci Zeitung: Was bedeutet es für Sie, den BFamily Award erhalten zu haben?
Susanne Keller: Ich freue mich darüber und ich fühle mich bestätigt! Wir wurden ausgezeichnet für unsere sehr flexiblen Lösungen, die wir mit MitarbeiterInnen entwickeln, um spezielle private oder familiäre Anforderungen zu meistern. Diese individuellen Lösungen gab es übrigens schon immer in diesem Unternehmen – also auch schon vor meiner Zeit. Sie haben Tradition.

cci Zeitung: Was verstehen Sie unter „familienfreundlich“?
Keller: Unter Familienfreundlichkeit wird herkömmlich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verstanden. Das ist für mich zu eng gefasst. Für mich geht es um familienfreundliche Arbeitswelten und arbeitsfreundliche Familienwelten. Damit ist die Sache nämlich keine Einbahnstraße, sondern beruht auf Gegenseitigkeit. Ich berücksichtige – soweit es geht – private oder familiäre Belange, oder auch einfach nur Wünsche. Natürlich stoße ich da manches Mal an meine persönlichen Verständnisgrenzen. Aber ich gebe mein Bestes. Auf der Gegenseite erwarte ich, dass die Familien oder – weiter gefasst – das soziale Umfeld meiner MitarbeiterInnen Akzeptanz für die Interessen des Unternehmens haben. Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin ist einzigartig für das Unternehmen; aber das muss auch umgekehrt gelten, sonst trägt die Beziehung auf Dauer nicht.

cci Zeitung: Wen betrifft diese Thematik denn Ihrer Meinung nach?
Keller: Diese Thematik betrifft jeden arbeitenden Menschen. Ob Frau oder Mann, ob mit Kindern oder ohne. Ob in einer festen Beziehung lebend oder Single. Jeder hat ein privates Umfeld und damit auch soziale Verpflichtungen. Die einen mehr und die anderen weniger. Je nach Situation. Wir haben keine voneinander getrennten Berufsleben und Privatleben. Wir haben EIN Leben. Und in diesem sollte möglichst eine gesunde Balance herrschen, was bekanntermaßen eine schwierige Aufgabe ist.

cci Zeitung: Wann ist die Unterstützung von MitarbeiterInnen besonders wichtig?
Keller: Ich denke im ganz normalen „Alltagswahnsinn“ mit kleinen Kindern: Da muss man keine Besprechungen um 18 Uhr abends anberaumen – auch nicht mit „nebenamtlichen“ Vätern! Und dann natürlich in Ausnahmesituationen: Betreuung Pflegebedürftiger, Sterbebegleitung, private finanzielle Katastrophen, jugendliche Sorgenkinder oder wenn eine Beziehung auseinandergeht.

cci Zeitung: Wie familienfreundlich ist die LüKK?
Keller: Die LüKK hat heute schon Nachwuchsprobleme. Und sie scheint mir nicht sehr aufgeschlossen zu sein, neue Ressourcen zu erschließen: die handwerklich und technisch interessierte Tochter einer Mitarbeiterin hat kürzlich einen Ausbildungsplatz gesucht. Also habe ich ihr zwei Schnuppertermine bei Kälteanlagenbauern organisiert. Diese haben ihr das Interesse regelrecht ausgeredet! Der Beruf ließe sich mit Familie nicht vereinbaren. Nun könnte man ja mal in Frage stellen, ob jedes Mädel hauptberuflich Familie will oder ob jeder Bursche ohne Ausnahme hauptberuflich den lebenslänglichen Erwerbsmotor spielen möchte. Ich glaube, dass dieses Bild schon heute nicht mehr der Realität entspricht. Hier können sich Unternehmen mit ernst gemeinten familienfreundlichen Arbeitswelten hervorragend positionieren und qualifizierte Mitarbeiter an sich ziehen oder langfristig binden, die auf traditionelle „Mama-Papa-Kind-Lebensentwürfe“ keine Lust mehr haben.

Die Fragen stellte Sabine Andresen.
 

Artikelnummer: cci10137

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