25. September 2017 Autor: Rolf Grupp (Bearbeiter)

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  • cci Forum: Lüftungsplanung nach DIN EN 13779 oder DIN EN 16798
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cci Forum: Lüftungsplanung nach DIN EN 13779 oder DIN EN 16798

Ein Planer ist sich unsicher, ob er für seine aktuelle Planung noch die DIN EN 13779 oder schon die DIN EN 16798 nutzen soll. Er schreibt:

In einem aktuellen Projekt habe ich nach DIN EN 13779 Zentralen geplant, deren Lüftungsgeräte mit viel Aufwand und Abstimmung mit den Architekten und der Statik in einer Dachzentrale untergebracht werden können. Aber künftig wird nicht mehr die DIN EN 13779 Grundlage für die Auslegung der Volumenströme sein, sondern die Nachfolgenorm DIN EN 16798. Daraus können sich höhere Volumenströme für die Lüftungsanlagen ergeben. Aktuell liegt die DIN EN 16798 nur als Entwurf vor, ist aber laut Beuth soweit durch, dass sie als Weißdruck demnächst erscheinen wird. Mögliches Erscheinungsdatum ist Oktober 2017.
Bei größeren Volumenströmen nach der neuen Norm wäre diese Zentrale nicht mehr ausreichend groß. Der Auftraggeber geht davon aus, dass das Projekt auf der richtigen Norm basiert und ist nicht bereit, die Zentrale zu vergrößern oder einen anderen Standort zu wählen. Wahrscheinlich würden sich die Kosten der Anlagentechnik Lüftung und Kälte erhöhen. Als letzte Konsequenz wäre eine komplette Neuplanung der Lüftungs- und Kältetechnik erforderlich. Dies wäre ein neues Projekt, mit neuem Honorar, neuen Kosten und einem neuen Zeitplan. Der Auftraggeber ist bisher nicht bereit, dies einzusehen.

Frage: Gibt es in der neuen Norm einen Übergangszeitraum, in der die alte Norm DIN EN 13779 für laufende Projekt noch genutzt werden kann? Es kann ja wohl nicht sein, dass aktuelle Planungen vor ihrer Realisierung noch komplett geändert werden müssen.

 

1.
Grundsätzlich stellt eine Norm kein Gesetz dar, sondern eine Regel der Technik. Als allgemein anerkannte Regel der Technik gilt sie auch erst dann, wenn die Mehrheit der Fachleute diese als richtig anerkennt und anwendet. Welche Regel anzuwenden ist, kann im Wesentlichen zwischen dem Auftraggeber und Auftragnehmer individualvertraglich vereinbart werden. Sofern der Auftraggeber auf Anwendung der DIN EN 13779 besteht, muss dies nur vereinbart werden.

Michael Hoeft


2.
Unter juristischen Gesichtspunkten hat ein Gewerk den anerkannten Regeln der Technik zum Zeitpunkt der Abnahme zu entsprechen. Diese kann ja durchaus einige Jahre nach Beginn der Planung erfolgen. Die DIN EN 16798 wird bezüglich der Außenluftvolumenströme keine starren Vorgaben machen, auch hier gibt es Luftqualitätsklassen. Nationale Regelungen stehen immer über den europäischen Normen. In Deutschland ist in öffentlichen Gebäuden die Arbeitsstättenrichtlinie einzuhalten, d. h. die Außenluftvolumenströme müssen so dimensioniert sein, dass 1.000 ppm CO2 im Raum nicht überschritten werden. Dies entspricht, abhängig von der Luftverteilung im Raum, einem Außenluftvolumenstrom von ca. 28 bis 30 m³/h und Person. Dieser Wert entspricht IDA 3 nach DIN EN 13779 und darf in der Planung nicht unterschritten werden, auch nicht im Rahmen einer Nutzervereinbarung. Höhere Werte können aus Komfortgründen und zur Abfuhr von Raumlasten erforderlich sein.

Im Rahmen einer Nutzervereinbarung wären die Grundlagen an die Planung festzulegen. Hierin kann man auch beschreiben, dass es bezüglich der Inhalte künftiger europäischen Normen Unsicherheiten gibt und daher die Luftvolumenströme auf Basis der DIN EN 13779 und der Arbeitsstättenrichtlinie festgelegt werden.

Georg Tale-Yazdi


3.
Wir haben im Rahmen unserer Techniker darüber diskutiert und sind zu diesem Schluss gekommen:
Nach unserer Meinung muss er die EN 13779 nehmen. Denn diese hat er im Vertrag stehen. Die EN 16798 ist noch im Entwurf, also noch nicht gültig.

Siegmar Duft, Prokurist und Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, Airleben


4.
Ich denke bei den Teilen der EN 16798 ist in der Anfrage etwas durcheinandergegangen. Es geht wohl um die EN 16798-1, die die EN 15251 ersetzen soll, und die EN 16798-3, die die EN 13779 ersetzen wird. Gemeint ist wohl Folgendes:

Luftvolumenströme waren nach EN 13779 geplant und diese wird in den nächsten Wochen durch die EN 16798-3 ersetzt. Darin sind dann keine Luftvolumenströme für die Auslegung mehr enthalten. Damit entfällt hier diese Option.
Die EN 16798-1 wurde im formal vote abgelehnt und wird deshalb zunächst nicht im Weißdruck erscheinen, also bleibt die EN 15251 in Kraft.
Schon bisher gab es eine Empfehlung, die Luftvolumenströme nicht nach EN 13779, sondern nach EN 15251 auszulegen. Dies ist künftig die einzige Option auf Basis der EN-Normen.
Eine formelle Übergangszeit gibt es für die Normen nicht.
Grundsätzlich sind dies alles Normen und insoweit gesetzlich nicht verpflichtend, aber wohl Stand der Technik.

Konkret in Ihrem Fall (so wie ich verstanden habe), wurden also Luftvolumenströme nach EN 13779 festgelegt und nicht nach EN 15251, wie schon bisher empfohlen.
Das kann zu Unterschieden führen, aber hier gilt dann zunächst der Vertrag, also vermutlich EN 13779 in dem jeweiligen Stand. Das ist möglich.
Zum Beispiel verweist ja auch die EnEV in der aktuellen Fassung auf Normen in veralteten Fassungen (EN 13779).
Wir empfehlen hier jedoch eine klare Information aller am Bau Beteiligten.
Aber wie schon gesagt, schon bisher sollte eigentlich die EN 15251 angewendet werden.

Claus Händel, Technischer Referent, Fachverband Gebäude-Klima (FGK)



5.
Siehe auch den Kommentar von Thilo Bauschke zum Artikel "Richtlinien und Verordnungen zeigen: Schulräume ohne Lüftung sind nicht Stand der Technik": cci6041.

Rolf Grupp, Redaktion von cci Wissensportal

Artikelnummer: cci60579

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