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14. März 2018 Autor: Rolf Grupp (Bearbeiter)
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cci Forum: Kältemittel heute und morgen

Statements von Verdichterherstellern zu Low-GWP Kältemitteln.

Einleitung

Ergänzend zur Anbieterübersicht über „Verdichter für Low-GWP Kältemittel“, erschienen in Ausgabe 3/2018 von cci Zeitung (unter "Anhänge"), hat die Redaktion Hintergrundinformationen der teilnehmenden Hersteller und Anbieter zusammengetragen. Diese spiegeln die Situation beim Kältemittel Phase-down nach Vorgaben der F-Gase-Verordnung aus Sicht verschiedener Komponentenhersteller wieder. Diese müssen sich auf teils extrem veränderte Rahmenbedingungen einstellen. Sei es durch die explodierende Anzahl an Übergangskältemitteln oder die sich abzeichnenden Langzeitlösungen mit brennbaren HFOs und Kohlenwasserstoffen. Alles muss umfassend getestet werden. Im Labor und mit Feldtests, über Monate, sogar Jahre. Letztendlich kommt es vor allem auf zwei Dinge an: Für den Kunden auf Zuverlässigkeit und  für den Verdichterhersteller auf Planungssicherheit, um Modellfreigaben zu erteilen und Produktionskapazitäten aufbauen zu können.

Was sind ‚Low-GWP‘ Kältemittel?
Die Frage, in welche Richtung es mittel- und langfristig bei den Kältemitteln für die Kälte-, Klima- und Wärmepumpentechnik gehen wird, scheint derzeit eines der größten Fragezeichen zu haben. Außerdem fehlt es an einer einheitlichen Diskussionsgrundlage hinsichtlich des Begriffs ‚Low-GWP Kältemittel‘, unter dem die verschiedenen Marktteilnehmer – inklusive der Politik – nicht dasselbe verstehen. Was ist ein Low-GWP Kältemittel und unterhalb welches GWP-Werts sollte davon überhaupt die Rede sein? Fallen auch natürliche Kältemittel darunter, oder sind diese wegen ihrer Eigenschaften automatisch außerhalb jeglicher Definition und Diskussion zu betrachten?

Wenngleich noch reichlich Unklarheit darüber herrscht, welche Kältemittel langfristig für die unterschiedlichen Anwendungsfälle der Kälte-, Klima- und Wärmepumpentechnik das Rennen machen, liefern die folgenden Antworten auf Fragen der Redaktion von cci Zeitung dennoch interessante Erkenntnisse über den Anbietermarkt von Verdichtern für Low-GWP-Kältemittel und die An- und Aussichten der Hersteller. Dafür danken wir den folgenden Unternehmen:

• Bitzer Kühlmaschinenbau GmbH
• Danfoss GmbH
• Efficient Energy GmbH
• Emerson Commercial & Residential Solutions
• Ries GmbH
• Tecumseh Europe Sales & Logistics S.A.S.
• Trane Deutschland GmbH
• HKT Huber-Kälte-Klimatechnik GmbH

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Artikelnummer: cci65773

Kommentare (4):

Aus der Sicht eines Investors und Betreibers von Gebäuden sind wir (Universitäts- und Hansestadt Greifswald) erschrocken über die allgemeine Überraschung bei alle Beteiligten, was auf dem Kältemarkt geschieht. Die F-GaseVO ist in diesen Fachkreisen seit langem bekannt. Und doch muss ich hier lesen, das man nun Jahre der Forschung und Entwicklung plant.
Wir planen derzeit u.a. den Bau einer Wärmepumpenanlage mit 55kW Leistung. Kältemittel R410. Die Lebenszyklusberechnung des Fachplaner weist 25 Jahre Laufzeit aus. Die WP wird 2019 aufgestellt und ist 2030 11 Jahre alt. Wartung und Reparaturen mit Kältemittelaustausch sind dann ausgeschlossen. Auskunft der Herstellers: "Wir wissen auch nicht was kommt. Schließen Sie doch einen Wartungsvertrag ab!"
Weiterhin planen wir derzeit ein Laborgebäude. Kältebedarf 1MW. Eine erhebliche Investition, die ggf. 2030 (nach 10 Jahren) wieder demontiert werden muss? Bisher war R134a als nicht brennbares Kältemittel geplant, dessen Ende wohl auch 2030 sein wird?
Wie sollen wir langfristig unsere Investitionen schützen? Wie sollen wir die notwendigen Haushaltsmittel für Wartung und Instandhaltung planen, wenn nicht mal die Fachleute aus dem Bereich Kälte uns sagen können wie es weiter geht?
Marcel Blumenthal 19.03.2018
Es ist in der Tat schwierig, vorauszusagen, wie sich der Kältemittelmarkt entwickelt und welches das Kältemittel ist, dass sich auf Dauer durchsetzt. Prinzipiell ist zu sagen, dass eine Verknappung kein direktes Verbot ist. Momentan sieht die Regierung mit der F-Gase-Verordnung für stationäre Anlagen lediglich ein Verbot für den Einsatz von Kältemittel mit einem GWP > 2.500 vor.

Wenn Sie langfristig für die Zukunft gewappnet sein wollen, empfehlen wir das HFO-Kältemittel R1234ze für Großkälteanlagen. Das Kältemittel hat einen sehr geringen GWP (<1), ist bei einem Altanlagenaustausch förderfähig und weist gute Effizienzzahlen auf.
Bei Kleinanlagen ist die Wahl des Ersatzkältemittels schwieriger. Meist sind Kleinanlagen mit Scrollverdichtern ausgestattet, für die es momentan nur begrenzte Möglichkeiten gibt. Denkbare Alternativen sind z. B. Propan R290 oder R32, die jedoch bezüglich der Sicherheit einen erhöhten Aufwand verursachen.

Christian Kunze, Vertriebsingenieur Kältetechnik, Trane Roggenkamp, München
23.03.2018
Ihr Fragen sind absolut berichtigt. Bei Carrier ist unsere langfristige Strategie alle Produkte auf Kältemittel umzustellen, die einen GWP unter 150 aufweisen und damit nicht von der F-Gase-Verordnung betroffen sind. Bei der 55-kW-Wärmepumpe bietet sich das natürliche Kältemittel CO2 an. Für Großmaschinen mit Schraubenverdichter steht das R1234ze (A2L) und für Turboverdichter das R1233zd (A1) zur Verfügung. Allerdings liegen die Investitionskosten dieser Maschinen derzeit erheblich höher gegenüber den konventionellen Kältemitteln, und unsere bisherige Erfahrung ist, dass diese Lösungen vom Markt sehr zurückhaltend angenommen wird.

Tedy Kunicic, Produkt Marketing Manager, Carrier Deutschland
23.03.2018
Ich kann Herrn Blumenthal nur zustimmen. Allerdings ist das ganze Thema Ersatzkältemittel nun sogar ca. 30 Jahre alt. Damals begann die Suche nach Ersatzkältemitteln wegen der Entdeckung des Ozonlochs. Seither beschäftigt sich die Branche nur mit der Suche des Ersatzkältemittels für das Ersatzkältemittel für das Ersatzkältemittel für das Ersatzkältemittel ...
Ich muss zugeben, ich verstehe die ganze Kältebranche hier nicht. Statt sich damit zu beschäftigen, hätte man in dieser Zeit schon lange technische Lösungen entwickeln können, wie man mit natürlichen Kältemitteln sichere Anlagen baut. Das Explosionsrisiko von Propan und Butan ist natürlich da, aber es gibt genügend Branchen, die gelernt haben, damit umzugehen. Warum also nicht die Kältebranche?
Dass die Chemieriesen kein Interesse an den natürlichen Kältemitteln haben, ist nachvollziehbar, aber die Anlagenhersteller? Vielleicht ist man ja dankbar für die von der (wegen des Klimaschutzes dringend notwendigen) Gesetzgebung verkürzte Lebensdauer der Anlagen. Und die Umrüstung ist möglicherweise auch ein gutes Geschäft.
Mein Mitleid mit der Branche hält sich hier sehr in Grenzen, zahlen tut so oder so der Anlagenbetreiber. Endlich scheint jedoch die Gesetzgebung erfolgreich zu sein und durch die Verteuerung der umweltschädlichen Kältemittel Bewegung in die Branche zu bringen. Ich hoffe, dass die natürlichen Kältemittel jetzt eine Chance bekommen.
Ich würde an Ihrer Stelle schauen, ob Sie nicht schon heute eine passende Lösung mit natürlichen Kältemitteln finden können. Es gibt inzwischen einige kleinere Hersteller, die sich darauf spezialisiert haben. Da müssen Sie sich dann keine Gedanken mehr machen, wie lange Sie Ihre Anlage noch betreiben dürfen und ob Sie in Zukunft noch das nötige Kältemittel bekommen.

Prof. Uli Spindler, FH Rosenheim
23.03.2018

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