21. März 2018 Autor: Rolf Grupp (Bearbeiter)

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cci Forum: Genial oder absurd? Gebäudeenergiegesetz auf drei Seiten

Die DGNB hat einen alternativen Entwurf zum viel diskutierten Gebäudeenergiegesetz (GEG) entwickelt, der einen Umfang von lediglich drei Seiten hat. Hintergründe lesen Sie hier.

Kommentare der Leser

1.
Die Idee ist in der Tat genial einfach und ein dramatischer Schritt zur Entschlackung der Richtlinien und Vorgaben für die Errichtung und den Betrieb von Gebäuden.
In der Umsetzung reichen diese drei Seiten jedoch bei Weitem nicht aus. (Immerhin deutlich mehr als ein Bierdeckel für eine Steuerreform)!
Planer, Bauherren und Betreiber wollen Planungssicherheit und die ist meist nur durch klare Vorgaben gegeben. Der Entwurf der DGNB setzt auf Eigenverantwortung und das Bestreben aller Beteiligten ein Nullenergiehaus im Jahre 2050 zu betreiben. In einer idealen Welt könnte das reichen. Unter Berücksichtigung von persönlichen Gegebenheiten und wirtschaftlichen Interessen, wird es starke Abweichungen vom Weg geben. Diese lassen sich m. M. nur durch entsprechende Normen und Richtlinien (z.B. DIN V 18599) begrenzen. Und schon sind wir wieder in der Unübersichtlichkeit aus der wir eigentlich entfliehen wollten.
Ich begrüße dennoch den Schritt der DGNB, da es sicherlich viele Bauprojekte gibt, die mit dieser einfachen Methode behandelt werden können. Für Abweichungen vom „Standard“ wie sie im Nichtwohngebäudebereich an der Tagesordnung sind, bedarf es leider einer Vielzahl von Facetten, die berücksichtigt werden müssen.
Technisch gesehen ist die lineare Reduktion der CO2-Emissionen nicht realistisch. Bei technischen Optimierungen findet man sehr häufig exponentielle Verläufe mit großen Veränderungen zu Beginn, die dann zusehends abflachen. Hier mögen die Vorgaben der F-Gas-Verordnung als Beispiel dienen. Heute verfügbare Potenziale würden nicht ausgeschöpft und in die Zukunft verschoben.
Weiter ist eine lineare Reduktion eng an die Idee inkrementeller Verbesserungen geknüpft und erschwert die Innovation disruptiver (neuartiger) Technologien. Dieser Prozess wurde lange zum Erreichen der Klimaschutzziele verfolgt. Das Ergebnis ist bekannt…
Veränderung erzeugt Widerstand (im Wirtschaftlichen wie im Privaten), der nur über einen transparenten und fairen Meinungsaustausch abgebaut werden kann. In diesem Sinne begrüße ich das Konzept der DGNB.

Prof. Dr. Christian Fieberg, Professorur für Gebäudetechnik, Westfälische Hochschule Gelsenkirchen


2.
Hier meine spontane Reaktion: Absurd!
Das Papier ist populistisch aufgemacht, da es den Freigeistern nach dem Munde redet, ohne dass es den Versuch macht sich mit dem zu regelnden Umfang der in den 3 zusammen zu bringenden Gesetzes-/Verordnungs-Initiativen und den dazugehörigen europäischen Rahmenverordnungen auseinander setzt. Es ist etwas kurz gesprungen zu meinen, das GEG sei alleine dazu da den Primärenergiebedarf von Gebäuden zu regulieren. Das Erstlingswerk der Serie (die 1. WsVO von 1977) hatte es tatsächlich fertig gebracht, ein Regelwerk auf 3 Seiten zusammen zu fassen, aber darin ging es lediglich um die Festlegung von Wärmeschutz von Einzelbauteilen und Undichtheiten von Neubauten. Über diesen Stand sind wir hoffentlich seit 40 Jahren hinaus. Das vorgelegte Papier ist aus meiner Sicht ziemlich oberflächlich gestaltet und birgt darüber hinaus diverse Widersprüche. Es ist daher für die zu führende Diskussion über verschlankte Regelwerke nicht wirklich hilfreich.

Hans Erhorn, Leiter der Abteilung Energieeffizienz und Raumklima, Fraunhofer-Institut für Bauphysik


3.
Wundere mich über die (engstirnigen) Kommentare. Prüfe seit 3 ½ Jahren (Behaglichkeit, Luftqualitäten) ein Headquarter eines global agierenden Architekturbüros. Würfel mit 5 Stockwerken und minimalster Haustechnik. Ausgeklügelte Fensterlüftung sorgt für die Innenraum-Vorgaben 22 - 26 °C. Entscheidend ist, was die Nutzer sagen/empfinden. Hohe Zufriedenheit (hier sind es größtenteils Architekten/innen, also ein Klientel mit hohen Ansprüchen …). Eine vernünftige Architektur und nachhaltiges Handeln (auch in der Haustechnik) ist ein Gebot der Zukunft.

Ludwig Rüdisser


4.
Der Text des Entwurfs klingt schlüssig, die Zahlen sind gut nachzuhalten. Eine Neubauerstellung hiernach sollte möglich sein. Für Bestandsbauten sehe ich durch die Pflicht zur energetischen Nachrüstung eine ungerechtfertigte zusätzliche Kostenbelastung der Eigner, die gerade Einfamilienhausbesitzer zunehmend in die Privatinsolvenz treiben wird.
Bereits jetzt ist eine hohe finanzielle Bedrängnis gegeben durch die Inanspruchnahme per Straßenbeitragssatzung, Abwasserkanalsanierungskosten steigende Versicherungsprämien usw. ...
Unverschämt ist die vorgesehene CO2-Abgabe/Strafe (110,00 €/t CO2 p.a.) für finanzielle und wirtschaftliche Verweigerer, die bereits investiert haben und jetzt dafür bestraft werden, da sie es anscheinend zu voreilig taten um den bisherigen EnEV zu gehorchen. Nun wird es Eigner geben, die das finanziell händeln könnten, aber die Folge davon werden stärkere Mieterhöhungen sein;
Letztendlich sollte der Passus der CO2-Abgabe ersatzlos gestrichen werden und auf Freiwilligkeit der Haus- und WEG-Eigentümer abgestellt werden; sachlicherweise könnten die Zuschüsse für Energiesparmaßnahmen drastisch erhöht werden, der Genuss des CO2-„Übereinsparung“ braucht nicht vergütet werden.

Harald Bleß, Gießen

5.
Der Vorschlag für ein Gebäude-Emissions-Gesetz 2050 - GEG 2050 - ist der richtige Ansatz zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes im Gebäudebereich. Mit der Überführung des Vorschlages in ein Gesetz werden zahlreiche umwelt- und energierechtliche Vorschriften ungültig und müssen geändert werden. Der Vorschlag für das GEG 2050 sollte durch folgende Sachinhalte ergänzt werden:
1. Um juristische Auseinandersetzungen bei einer Bewertung des CO2-Ausstoßes von Gebäuden zu vermeiden, ist dem Gesetz eine Präambel voranzustellen, in der auf die notwendige Anwendung und Einhaltung der Naturgesetze hingewiesen werden.
Grundlage für einen notwendigen Bezug bilden die Artikel 20/3 und 80/1 des Grundgesetzes.
2. Die CO2-Emissionen bei Gebäuden sind gemäß dem Gesetz von der Erhaltung der Energie auf den natürlichen Zustand der eingesetzten energetischen Ressourcen zu beziehen. Dazu sind detaillierte Angaben der verwendeten energetischen Ressourcen einschließlich notwendiger Informationen zur Bereitstellung und zur Umwandlung in Nutzenergien mit anzugeben.
3. Das Gesetz zur Erhaltung der Energie und der Masse sowie das Entropiegesetz bilden die Grundlage
für notwendige Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen. In das anzuwendende Barwertverfahren sind die Kosten für den Bau und dem Betrieb von wärmetechnischen Systemen sowie die notwendigen ökologischen Kosten zum Erhalt der natürlichen Umwelt einzustellen.
4. Die Einhaltung des Gesetzes sollte durch Verantwortliche kontrolliert werden, die eine entsprechende Ausbildung besitzen. Zur Durchsetzung der ökologischen Ziele sind die Veratwortlichen mit den erforderlichen Befugnissen auszustatten.
5. Die dezentrale Elektroenergieerzeugung mittels PV-Anlage sollte im Gesetz als Pflicht mit aufgenommen werden.

Heinrich Timm, Ing. für Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärtechnik, Tripkau

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Artikelnummer: cci65948

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