27. Juli 2015 Autor: Rolf Grupp (Bearbeiter)

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cci Forum: Schnäppchen oder Mogelpackung? "Rundum-sorglos-Pakete" für Heizungen

Die Effizienz:Klasse GmbH (Ökostromanbieter Entega GmbH, Darmstadt, und das regionale Handwerk), präsentiert das Angebot „Wärme komplett“. Das Paket funktioniert ähnlich wie Wärmeliefercontracting. Hausbesitzer und Gewerbebetriebe, die eine neue Heizungsanlage benötigen, können diese mieten statt sie zu kaufen. Angeboten werden ausschließlich Erdgas-Brennwertheizungen. Die Effizienz:Klasse GmbH trägt alle Kosten für Anschaffung, Installation, Wartung, Reparatur und Schornsteinfeger. Der Kunde bezahlt einen monatlichen Grundpreis von 16,50 € pro 1.000 € Investitionskosten und für die bezogene Wärme einen Wärmepreis von derzeit 6,15 Ct/kWh brutto. Nach Ablauf von zehn Jahren kann der Vertrag verlängert werden, der Kunde erwirbt die Heizung zum Sachzeitwert oder die Anlage wird von der Effizienz:Klasse GmbH auf eigene Kosten wieder ausgebaut. „Unser Produkt schafft Budget-Spielräume und finanzielle Planungssicherheit für den Kunden. Er muss keine hohen Investitionen tätigen und weiß, welche Folgekosten auf ihn zukommen“, erläutert Entega-Geschäftsführer Thomas Schmidt und präsentiert eine Beispielrechnung. Die neue Heizung kostet 8.000 €. Dann beträgt der monatlichen Grundpreis 8 x 16,50 € = 132 €. Für die Wärme zahlt der Kunde bei einem jährlichen Verbrauch von 20.000 kWh monatlich weitere 100 €.
Wie attraktiv ist dieses Modell? Was halten Sie davon? Ist Wärmeliefercontracting in dieser Form sinnvoll und wirtschaftlich?

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1.
Die Rechnung der Redaktion von cci Zeitung sieht so aus:
„Wenn der Kunde pro Monat für die neue Heizung 132 € bezahlt, sind das pro Jahr 1.584 € und in zehn Jahren Vertragslaufzeit 15.840 €. Damit zahlt er in den zehn Jahre fast den doppelten Preis, den die Anlage ursprünglich gekostet hat. Dies entspricht einer Rendite für den Contractor Entega von etwa 7 % pro Jahr. Diese Rechnung ist aber unfair, denn Entega übernimmt ja auch die Kosten für Wartung, Service, Schornsteinfeger und mögliche Ersatzteile ... Setzt man dafür durchschnittliche Kosten für von 250 € pro Jahr an, beträgt die gesamte "Investitionssumme" nun 8.000 € + 2.500 € = 10.500 €. Dadurch verringert sich die Rendite für Entega auf etwa 4 % pro Jahr. Hinzu kommt, dass laut Entega nach der Vertragslaufzeit der Kunde bei Übernahme der Heizung einen Sachzeitwert zu zahlen hat. Diesen kann die Redaktion nicht abschätzen.
Für eine Wärmemenge von 20.000 kWh beträgt der aktuelle Gaspreis etwa 1.000 €. Da Entega dafür monatlich 100 € = 1.200 € pro Jahr verlangt, ist auch hier ein Gewinn für den Contractor drin.“
Fazit
Aus meiner Sicht lohnt sich eine solche Lösung nur für Kunden, die keine Ersparnisse haben oder denen ihre Liquidität über alles geht. Bei dem aktuellen Fast-Null-Zinsniveau, das derzeit von den Banken praktiziert wird, würde ich bei verschiedenen Heizungsbauern Angebote einholen und diese vergleichen (auch mit einem Entega-Angebot). Zudem könnte man dabei auch verschiedene Heizsysteme betrachten und analysieren, denn bei Entega gibt es ausschließlich Erdgaslösungen, siehe hier (http://www.entega.de/waerme-komplett).

Dr. Manfred Stahl, Herausgeber cci Zeitung, 17.12.2014


2.
Das Konzept von Entega ist auf den ersten Blick interessant für Leute, die Investitionen scheuen oder nicht aufbringen können. Aber gerade in der jetzigen Zeit, wo jeder einen Kredit bekommt mit Eigentum im Rücken, und das bei Zinsen von ca. 2 % p.a., ist die Lösung von Entega rein rechnerisch keine so gute Wahl mehr. Ich habe eine alte Ölheizung, die jährlich gewartet wird, zuverlässig läuft und alle Werte einhält. Ich bezahle pro Jahr 80 € für Schornsteinfeger, 160 € für Wartung und Verschleißteile und für 2.600 l Öl rund 1.950 €. Das sind dann 2.190 € p.a., also 182,50 € pro Monat – und das mit einer nicht so effizienten Heizung.
Nach der Sanierung der Heizung (die Gebäudehülle, die Fenster und Heizkörper bleiben!) hat die Entega Kosten von 8.000 € umzulegen, nach Ihrer Rechnung wie folgt:
8.000 € = 132 € pro Monat inklusive Nebenleistungen. Hinzu kommt noch die Gasmenge für 26.000 kW/h (1 l Öl = 10 kW/h) = 130 € pro Monat. Die Entega-Lösung kostet mich also 262 € pro Monat.
Wenn ich die Investition alleine stemme mit meiner Bank sieht es etwas freundlicher aus:
Der Ratenkredit von 8.000 € auf zehn Jahre mit 2 bis 3 % Zinsen kostet etwa 75 € pro Monat, hinzu kommt der Schornsteinfeger, Wartung und Öl mit 182,50 € pro Monat, in Summe dann 257 € pro Monat bei der Lösung mit der Bank. Hierbei ist noch der Vorteil, dass ich die Preise verhandeln kann für das Invest und ich nicht an einen Lieferanten für Gas gebunden bin.
Natürlich wurde hier der Umwelt-Aspekt vernachlässigt, jedoch finde ich es Frevelhaft nur über die Sanierung der Heizungsanlage zu sprechen und dies unter Umweltaspekten zu verkaufen. Anfangen sollte man immer mit den Fenstern und den Heizkörpern. Fenster gegen Wärmeverlust und Heizkörper, um die Vorlauftemperaturen zu senken. Dann macht auch eine neue Heizung im Keller Sinn!

Olaf Hofmann, Vertrieb Region Mitte, Zweigniederlassung GEA Happel Klimatechnik, 17.12.2014


3.
Ich werde meinen Bekannten und Auftraggebern dieses Modell nicht empfehlen. Wenn man bei dem im Artikel beschriebenen Bespiel bleibt und einen großzügigen Wartungs- und Instandhaltungsanteil einrechnet, komme ich nach meiner Rechnung dazu, dass sich die Effizienz:Klasse GmbH die 8.000 € zu gut 10% verzinsen lässt. Die angesprochene Heizungsgröße ist ja noch recht übersichtlich. Ich denke, hier ist der Vorteil eines Contractings einfach zu gering.

Dipl.-Phys.-Ing. Jörg vom Stein, Staatlich anerkannter Sachverständiger für Schall- und Wärmeschutz, Zertifizierter Passivhaus Planer, 17.12.2014


4.
Ob das sinnvoll ist oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden! Zunächst sind aber erst mal ein paar Euros an Investitionskosten gespart. Das dicke Ende kommt dann danach.
Dipl.-Ing. Klaus-Peter Muhl, Planungsbüro für Gebäudetechnik, 17.12.2014

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Artikelnummer: cci38736

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