27. Juli 2015 Autor: Rolf Grupp (Bearbeiter)

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cci Forum: Wie teuer ist in Deutschland die Produktion einer kWh Strom?

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1.
Für die Stromerzeugungskosten in Deutschland gelten in Abhängigkeit von der Art der Erzeugung und der eingesetzten Energieträger folgende Werte (in Cent(kWh):

4,0 - Kernkraftwerk
4,6 - Braunkohlekraftwerk
7,0 - Steinkohlekraftwerk
8,5 - Gaskraftwerk
9,0 - Windkraft onshore
15,0 - Photovoltaik
18,0 - Biogasanlage
19,0 - Windkraft offshore
Damit liegen zwischen der günstigsten und der teuersten Art der Stromerzeugung 15 Cent pro kWh oder eine Differenz von 375 %. Auch anhand dieser Zahlen wird der enorme wirtschaftliche Aufwand zur Realisierung unserer Energiewende (Ausstieg aus Kernkraft und fossilen Energien) deutlich, den unsere Volkswirtschaft in den kommenden Jahren zu stemmen haben wird.

Prof. Helmut Alt, FH Aachen, 15.01.2015


2.
Anmerkung der Redaktion
Etwas differenzierte deutsche Stromgestehungskosten (in Cent/kWh) hat das Fraunhofer ISE im Jahr 2013 eruiert (abhängig von den angenommenen Volllaststunden, Brennstoff- und CO2-Zertifikatspreisen:
3,8 bis 5,3 - Braunkohle
6,3 bis 8,0 - Steinkohle
7,5 bis 9,8 - Gas- und Dampfkraftwerke (GuD)
7,8 bis 14,2 - PV-Anlagen je nach Anlagentyp (Freifläche oder kleine Dachanlage) und Einstrahlung (1.000 bis 1.200 kWh/m²a GHI)
4,5 bis 10,7 - Onshore-Windenergieanlagen (spez. Invest zw. 1.000 und 1.800 €/kW)
11,9 bis 19,4 - Offshore-Windenergieanlagen (trotz höherer durchschnittlicher Volllaststunden bis 4.000 Stunden jährlich. Ursachen sind die teurere Installation sowie höhere Betriebs- und Finanzierungskosten)
13,5 bis 21,5 - Biogasanlagen (spez. Invest zw. 3000 und 5000 €/kW)

In einer Studie hat das Lawrence Berkeley National Laboratory (LBNL) in Kalifornien/USA außerdem nachgewiesen, dass in den USA Maßnahmen zum Energiesparen erheblich effizienter sind als der Neubau eines Kraftwerks. Aus den Kosten zum Bau eines neuen Kohlekraftwerks zur Stromerzeugung ergibt sich ein Strompreis von 9,5 US-Cent pro erzeugter kWh (7,6 €-Cent pro kWh). Dieser liegt mehr als doppelt so hoch wie Maßnahmen zum Energiesparen mit durchschnittlichen Kosten von 4,4 US-Cent pro kWh (3,5 €-Cent pro kWh) eingesparte Energie. Ähnliches wird auch für Deutschland gelten.

Rolf Grupp (Redaktion) 15.01.2015


3.
Warum liest man diese Fakten nur in cci Branchenticker? So etwas gehörte auch in die Allgemeinpresse (vor den Wahlen). Aber wahrscheinlich kann man "allgemein" wie einige Politiker nicht zwischen Gigawatt und Gigabit unterscheiden...

Hans Kranz, 15.01.2015


4.
Mit dem „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ stürzt sich Deutschland in ein Desaster. Schon der Begriff „Erneuerbare Energien“ ist im physikalischen Sinne Nonsens. Bundeskanzlerin Angela Merkel, promovierte Physikerin, wird das wissen. Die Orkantiefs „Elan“ und „Felix“ verursachten lt. cci-Branchenticker-Bericht in der ersten Januarwoche 2015 ein Rekordproblem! Die Windkraftleistung erreichte infolge Starkwind in der ersten Januarwoche Leistungsspitzen von 30.700 MW während die Leistung deutscher WKA im Jahresdurchschnitt nur 5.978 MW beträgt. Darin liegt die Problematik, die Leistungsspitzen bei Starkwind lassen sich kaum nutzen, im Gegenteil, der Umgang mit dieser Leistung soll allein der Netzagentur „Tennet“, einem niederländischen, auch in Deutschland tätigen Netzbetreiber lt. cci-Branchenticker-Bericht 6 Mio. Euro gekostet haben. Wind- und Solarenergie bedeuten in Deutschland gesamtwirtschaftlich betrachtet „Rückschritt“. Beides gehört zu den grössten „politisch motivierten“ Fehlinvestition aller Zeiten, einer S a b o t a g e an der elektrischen Stromversorgung, an unserer wichtigsten technischen Errungenschaft überhaupt. Bei der Stromversorgung kann physikalisch gesehen alleine nur der Verbrauch und nicht die Produktion bestimmen was einzuspeisen ist, offenbar wurde das noch nicht allgemein verstanden.
Das europäische Verbundnetz muss über die Frequenz geregelt werden, auf 50 Hertz, auf die Kommastelle genau. Die Regelung kann man sich online anschauen unter www.netzfrequenzmessung.de. Wegen der Abnahmeverpflichtung der E-Wirtschaft für „grünen Strom“ und wegen der fehlenden Möglichkeit elektrische Energie zu speichern, muss die Überproduktion tausender über das Land verstreuter „Mikro-Kraftwerke“, Lieferanten dauernd schwankender sogenannter „Zappel-Energie“, aufwendig durch konventionelle Kraftwerke ausgeregelt und über das europäische Verbundnetz ins Ausland „verschenkt“ beziehungsweise zu „Negativpreisen“, untergebracht werden.
So entsteht das Paradoxe, je mehr Wind, um so teurer wird es. Das Defizit zahlt der Endverbraucher über die Stromrechnung. Deutsche Strompreise haben sich so seit Einführung des „Erneuerbare Energien Gesetz“ (allein die Bezeichnung ist physikalischer „Nonsens“) nahezu verdoppelt, sie liegen 45% über dem europäischen Durchschnitt, eine S a b o t a g e. Etwa 350.000 Haushalte mussten in Deutschland auf „Kerzenlicht“ umschalten, ihnen wurde der Strom abgeschaltet, sie konnten die Rechnung nicht mehr bezahlen, armes Deutschland -? Klimaneutrale Kernkraftwerke, Produktionskosten 1,5 Eurocent/kWh, wurden, politisch motiviert, abgeschaltet, ein Eingriff in das Eigentum der Betreiber, ein Vermögensschaden der eingeklagt wird, das kostet der Volkswirtschaft weitere Milliarden.
Das „EE Gesetz“ hat, so schätzt man, bisher eine Billion, also tausend Milliarden Euro, verschlungen, ein Ende der Kostensteigerung ist nicht abzusehen. Kein Land der Welt schiesst so viele „Eigentore“ wie der Fussball Weltmeister Deutschland.

Klemens Oskar Waterkotte, 15.01.2015


5.
Ich frage mich, ob bei den Kosten der Kernkraft die Entsorgungskosten der Brennstäbe und deren Endlagerung eingerechnet wurden und ob bei allen fossilen Kraftwerken der langfristige Schaden, der uns und den nachfolgenden Generationen entsteht auch eingerechnet ist. Wenn man auf die heutige Mehrbelastung durch die "erneuerbaren" Energien verweist, dann sollten man mal dagegen rechnen, was es unsere Gesellschaft kostet mit den durch fossile und atomare Kraftwerke verursachten Schäden klar zu kommen. Das, was wir heute scheinbar sparen, wenn wir weiterhin auf die herkömmliche Energieerzeugung setzen, zahlen unsere Kindeskinder doppelt und dreifach. Die Denkweise "Warum soll ich heute an die fernere Zukunft denken?" ist Konzerndenken und unverantwortlich. Ich bin der Meinung, dass wir an einem Punkt angelangt sind, an dem wir keine Alternative mehr haben und uns um den Schutz unseres Lebensraumes kümmern müssen. Es gibt keine Ersatzerde.

Clemens Kiefer, 15.01.2015


6.
Die Antwort von Herrn Prof. Alt ist wissenschaftlich und ehrenwert, jedoch sehe ich den Ansatz von Clemens Kiefer (siehe Kommentar) als deutlich umfänglicher. Ich gehe mit ihm, dass hier wohl nicht die vollen Kostenaufwendungen insbesondere bei atomarer Erzeugung (Transport, Bewachung, Endlagererrichtung und -schutz für die nächsten Jahrhunderte) berücksichtigt werden.
Die Folgeschäden und Folgekosten zu deren Reduzierung für andere Energieerzeugung natürlich auch nicht. Ich muss zugeben, dass es mir nicht begreiflich ist, warum diese Sub-/Hauptthemen im Zuge von Diskussionen nie angesprochen und in Folge auch (richtig) bewertet werden. Dies ist doch nur fair.
Natürlich sind Windparks nicht wirklich schön, aber wenn man sie abbaut, sind sie einfach weg und können noch einen Alteisenrückgewinn bringen, echte „Altlasten“ entstehen dadurch nicht!
Energiesparen ist natürlich besser und ein heroisches Ziel, aber Energiesparen hat keinen Lobbyisten, weil hierbei nichts ge-/verkauft wird.
Obwohl, wenn man an die Energiesparlampen denkt…..

Alfred Schmal, 15.01.2015


7.
Wie schon von anderen Lesern angemerkt, fehlt bei dem Artikel die Berechnungsgrundlage der Erzeugungskosten der einzelnen Energieträger / Technologien. Interessant finde ich das Abschneiden der Erzeugungskosten von Kernkraftwerken und das Engagement von Prof. Alt bei der Kerntechnischen Gesellschaft (KTG), deren Eherenmitglied er auch ist. Die KTG tritt für die friedliche Nutzung der Kernenergie ein. Wie war der Spruch von Churchill über Statistiken …?

Ralf Kätzel, 15.01.2015

8.
Zur Stellungnahme von Clemens Kiefer (Nr. 5)

Deutschland verbrennt den Müll von halb Europa, selbst von Neapel und den Vereinigten Emiraten, über 1 Mio. Tonnen im Jahr, womöglich einschl. radioaktiver medizinischer Abfälle (da nicht prüfbar). Dank guter Filtertechnik fallen etwa 500.000 t/a an hochgiftigem Filterstaub an, der seiner hohen Giftigkeit wegen (hält auf Ewigkeit an) unter die Sondermüllverordnung fällt und dementsprechend überwachungspflichtig in trockenen Salzstöcken deponiert werden muss.
Im Vergleich dazu sind die radioaktiven Abfälle „Peanuts“, ihr Anteil liegt etwa bei 0,01 % davon, sie können auch teilweise wieder aufbereitet werden, darin steckt noch Kernbrennstoff.
Der Müllstaub kommt beispielsweise in die weltgrößte Deponie, die „Herfa-Neurode“, in ein Kalibergwerk, in 800 m Tiefe. Da lagern bereits 3 Millionen Tonnen Giftstoffe u. a. 83.000 t arsenhaltige aus der Kupferindustrie (70 mg Arsen wirken tödlich), dahin gehören auch die „Peanuts“ an radioaktivem Abfall. Dramatisiert wird die Lagerung von radioaktiven Abfällen nur in Deutschland.
Kernkraftwerke erfreuen sich wegen ihrer „Umweltneutralität“ wachsender Beliebtheit. Aktuell sind etwa 440 Kernkraftwerke weltweit in Betrieb. Neu geplant oder im Bau befindlich sind:
58 in China, 32 in Russland, 18 in Indien, 9 in Japan, 7 in USA, je 6 in Südkorea und in Polen, je 4 in der Türkei, in Vietnam und UK, je 2 in Tschechien, Rumänien, Bangladesch, Indonesien, Ruanda,
Vereinigte Arabische Emirate, Kanada, und Ukraine, je 1 in Weissrussland, Ägypten, Armenien, Bulgarien, Jordanien, Argentinien, Iran und Frankreich.
Wasserkraft ist die einzige netzverträgliche Möglichkeit zur Erzeugung erneuerbarer elektrischer Energie.
Windkraft und Fotovoltaik sind witterungsabhängige „Zufallsenergie“, wegen zu geringer Verfügbarkeit völlig untauglich für die Versorgung elektrischer Netze. Elektrische Netze müssen nach dem Verbrauch und nicht nach der Möglichkeit der Erzeugung geregelt werden:
- Verfügbarkeit bei Windenergie - nur 18 % jährlich,
- Verfügbarkeit bei Fotovoltaik - nur 12% jährlich!
Die Folge: Aus Gründen der Versorgungssicherheit müssen „Schattenkraftwerke“ mit voller Leistung bereitgestellt und bezahlt werden.
Um die „Wind-Zappel-Energie“ glatt zu bügeln, müssen zusätzlich noch
Gasturbinen-Regelkraftwerke bereitgestellt werden,
Wirkungsgrad max. 60 % (die Gastherme hat schon 95 %).
Deutschland hat im Jahre 2013 dank Energiewende einen Rekord aufgestellt in Bezug auf den Verbrauch von „Karbon-Brennstoffen“ für die Stromerzeugung, trotz der mittlerweile über 100.000 Minikraftwerke – Erfolg also negativ.

Klemens Oskar Waterkotte 25.02.2015

Artikelnummer: cci38720

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