27. Juli 2015 Autor: Rolf Grupp (Bearbeiter)

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cci Forum: Ökodesign-Richtlinie

Ab 1.Januar 2016 fordert die Ökodesignrichtlinie neue Werte für die Effizienz von RLT-Geräten. Was passiert mit Lüftungsgeräten, welche noch in diesem Jahr ausgeliefert werden,der Richtlinie nicht entsprechen, aber erst in 2016 in Betrieb gehen und abgenommen werden?

Antworten der Leser

1.
Wenn die Geräte dieses Jahr geliefert werden, also in Verkehr gebracht werden, kommt es auf die Inbetriebnahme nicht mehr an. In diesem Fall müssen die Anforderungen der Verordnung (Tier 1 ab 2016) (noch) nicht erfüllt werden.

Rolf Grupp 24.07.2015 - 12.47 Uhr


2.
Geräte die noch im Jahr 2015 ausgeliefert werden und dabei den Verfügungsbereich des Geräteherstellers verlassen, müssen die Kriterien der EU-Verordnung 1253/2014 nicht einhalten. Zur Antwort auf Ihre Frage beziehe ich mich auf die verbindliche englische Version der EU-Verordnung 1253/2014. Hier steht unter Artikel 1 Nr. (1) "This Regulation applies to ventilation units ... for their placing on the market or putting into service." Durch das "oder" zwischen dem "Inverkehrbringen" und der "Inbetriebnahme" ist meiner Meinung nach die Frage zu klären, ob die Geräte den Verfügungsbereich des Geräteherstellers verlassen. Dies geschieht je nach Vertragsgestaltung z. B. mit der Anlieferung auf der Baustelle zu Händen des Anlagenbauers oder aber auch in ein Lager des Anlagenbauers. Lagert der Gerätehersteller die Geräte selbst ein, kann nicht von "Inverkehrbringen" gesprochen werden.
Liefert der Gerätehersteller jedoch Einzelteile (keine Gehäusemodule) auf die Baustelle und baut sie dann selbst vor Ort auf, verläßt erst mit der "Inbetriebnahme" das Gerät den Verfügungsbereich des Geräteherstellers. Dies war übrigens auch das Ergebnis einer Diskussion während der Mitgliederversammlung des Herstellerverband RLT-Geräte.

Udo Ranner, Vorstandsmitglied Herstellerverband RLT-Geräte und Geschäftsleitung Huber & Ranner GmbH, 24.07.2015


3.
Ich habe in zwei Gesprächen, insbesondere während des Stakeholder-Meetings am 15. Juni in Brüssel, die Frage mit David Polverini, Policy Officer in der Europäischen Kommission - Unternehmen und Industrie (DG ENTR) und verantwortlich für die Umsetzung der Ecodesign Richtlinie 2009/125/EC) diskutiert. Die Anforderungen der Verordnung EU 1253/2014 gilt für Lüftungsanlagen ab deren Inverkehrbringen oder deren Inbetriebnahme. Das bedeutet, dass üblicherweise mit Inverkehrbringen die Anforderungen anzuwenden sind. In den Verkehr werden RLT-Geräte mit ihrer Anlieferung beim Kunden gebracht. Damit ist weder der Zeitpunkt der Bestellung noch der Zeitpunkt der Herstellung maßgebend, sondern nur der Zeitpunkt des Zugangs beim Kunden. Und dies dürfte meist dann der Fall sein, wenn die Geräte auf der Baustelle eintreffen. Wenn die Geräte in Verkehr gebracht sind, kommt es auf deren Inbetriebnahme nicht mehr an. Man könnte sich aber den Fall vorstellen, dass ein RLT-Gerät in Einzelteilen auf der Baustelle entsteht. In diesem Fall gibt es keinen eindeutigen Zeitpunkt des Inverkehrbringens. Daher wäre hier der Zeitpunkt der Inbetriebnahme maßgebend. Es handelt sich bei dem beschrieben Passus der Verordnung eindeutig um eine Oder-Verknüpfung und nicht um eine Und-Verknüpfung.

Prof. Dr.-Ing. Christoph Kaup, Geschäftsführender Gesellschafter Howatherm Klimatechnik GmbH, Lehrbeauftragter am Umwelt-Campus Birkenfeld, Hochschule Trier,  24.07.2015


4.
Anlagen, die zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme den Regeln und Norme entsprachen, können einen Bestandsschutz haben. Anlagen, die zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme nicht den Regeln und Normen entsprechen, können nicht abgenommen werden, können also demnach auch keinen Bestandsschutz haben. So einfach ist das!

Horst-Rüdiger Krä, Krä Sachverständigen-Kompetenzzentrum, 24.07.2015


5.
Der Leser hat mit seiner Verunsicherung völlig recht. Und auch bei uns in Österreich fehlt noch die Umsetzung in nationales Recht samt den zugehörigen Durchführungsbestimmungen. Die Verunsicherung ist daher auch hierzulande groß, nachdem bis vor einigen Wochen klassische Negation zu dem Thema geherrscht hat (aber vielleicht liegt das ausschließlich daran, dass wir schon ein wenig östlicher liegen. ;-)) ).
Ich habe mich in meiner regelmäßigen Kolumne in der TGA (http://www.energieweb.at/epapers/845751/index.html#12) dem Thema angenommen, und auch öffentliche Stellen sind derzeit sehr bemüht. Aber es gibt nichts Schriftliches, worauf man verweisen könnte.
… und so arbeiten insbesondere die Planungsbüros und die Architekten in einem Nebelbereich, der sich sehr unangenehm und auch teuer auswirken kann. Denken Sie einmal an all die Projekte, die wir als "in der Pipeline" bezeichnen. Also alles vor der Einreichung oder im Extremfall vor der Abnahme. Diese müssten alle nochmals neu aufgesetzt und umgeplant werden, und ich meine damit nicht nur adaptiert, sondern neu aufgesetzt - zurück an den Start! Die Architekten müssten die Geschosshöhen deutlich anheben, um die Zwischendeckenhohlräume für die Haustechnik zu vergrößern, die Steigschächte und die Technikzentralen müssten vergrößert – ja doppelt so groß vorgesehen werden! Das ganze Projekt müsste in den Kübel wandern! Daraus folgt natürlich - wer trägt die bisherigen Kosten? Ich glaube nicht, dass wir einen Bauherrn finden werden, der hier Einsicht hat.
So bleibt, wie immer, die Frage nach dem "Verursacher". In Deutschland ist das Problem sicher noch viel schärfer als bei uns, denn bei uns gibt es das Wort „EIGENTLICH“ und als gelernter Ostösterreicher bin ich ziemlich sicher, dass sich unter dem Mantel dieser allumfassenden Buchstabenkombination eine Lösung für all diese Probleme finden wird.
Neugierig bin ich auf die Lösungen/Richtlinien, die es für den Austausch von Bestandsanlagen geben wird - aber das ist einen andere Geschichte.

Alfred Schmal, Wien, 24.07.2015

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