15. Dezember 2015

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Ist Gebäudeautomation lästig?

RG-a

Editorial aus cci Zeitung 12/2015, erschienen am 30. Oktober 2015

Vom 7. bis 9. Oktober fand in Frankfurt die diesjährige GLT-Anwendertagung statt. Die traditionelle Podiumsdiskussion am zweiten Tagungstag hatte dieses Jahr das Thema „Zukunft der Gebäudeautomation“. Der Redakteur von cci Zeitung war unter den Zuhörern und hat sich seinen persönlichen Reim auf die Äußerungen der Diskutanten und der Referenten gemacht, wie denn die Zukunft der Gebäudeautomation aussehen könnte.

Man stelle sich vor: Jedes elektrische Gerät bräuchte spezielle Batterien, die man auch noch individuell einlernen müsste. So ungefähr stellt sich die Situation in der Gebäudeautomation dar. Derzeit bedeutet das Einbinden einer neuen Komponente, zum Beispiel eines Luftqualitätssensors, in das Gebäudeautomationssystem einen recht hohen Engineering-Aufwand. Hier schielen Systemintegratoren etwas neidisch auf die Hausautomation, wo es (teilweise) bereits möglich ist, Geräte und Komponenten per Plug-and-Play einzubinden. So ein Feature hätte man auch gerne. Ein Sensor soll sich beispielsweise selbst am Bussystem anmelden mit „Ich bin ein Sensor“. Das ist derzeit nicht möglich, da ein intelligenter, also busfähiger Sensor, sofern es ihn überhaupt gibt, meist nicht die Sprache des benutzten übergeordneten Kommunikationsstandards spricht (und dieser nicht seine) und die üblichen Sensoren gerade einmal Analogausgänge (0-10-V- und 4-20-mA-Schnittstellen) besitzen.

Um es „denglisch“ auszudrücken: Ein standardübergreifendes Devicebinding gibt es derzeit nicht. Man könnte sich aber vorstellen, ein Normungsverfahren anzustoßen, an deren Ende Sensoren so intelligent hergestellt werden, dass sie universell einbindbar sind, eben wie Batterien. Damit zusammen hängt ein weiteres Problem. Der Systemintegrator weiß zwar, wie er sein System integriert, hat aber von der Technischen Gebäudeausrüstung eher wenig Ahnung. Eine mögliche Folge ist ein funktionierendes Gebäudeautomationssystem, das aber aus Sicht der TGA unpraktisch oder gar widersinnig sein kann. Der Fachplaner müsste sich also weiterentwickeln zu einem TGA-Integrationsplaner oder zumindest mit einem solchen zusammenarbeiten - jedenfalls noch so lange es keine wirklichen Plug-and- Play-Komponenten gibt. Auch wäre es sinnvoll, wenn der Betreiber bereits im GA-Planerteam sitzen würde. Und wenn der Architekt die GA-Folgen seiner Planung verstünde. Lösungen könnten so deutlich praxisorientierter werden, und die Akzeptanz seitens der Betreiber würde erhöht. Deren Einstellung ist derzeit überwiegend - und das zeigte auch eine Adhoc-Umfrage im Teilnehmerplenum der diesjährigen GLT-Anwendertagung: Gebäudeautomation ist unumgänglich, aber eher lästig.

Eine der Hoffnungen für die Zukunft ist es also, Möglichkeiten zu schaffen, um den Gebäudebetreiber besser einzubinden, sowohl bei der Planung der Gebäudeautomationstechnik als auch später im Betrieb. So sollte es Betreibern beispielsweise ermöglicht werden, selbst Anpassungen am Gebäudeautomationssystem durchzuführen, ohne auf einen externen Fachmann, sei es ein Systemintegrator oder der Herstellerservice, zurückgreifen zu müssen. Neben Kostenerwägungen möchte ein Betreiber damit auch schneller - und angepasst - reagieren können. Die bisherige Praxis, dass der Hausmeister das System auf Handbetrieb umstellt und dann „vergisst“, ist höchst energie-ineffizient. In der Praxis kollidiert dieser Wunsch aber mit Multivendor-Anwendungen. Der Betreiber ist in diesen Fällen mit mehreren Standards und Techniken verschiedener Hersteller konfrontiert, was es ihm sehr schwer macht, sich einzuarbeiten. Eine Zukunftsoption wäre es, künftige Lösungen verstärkt betreiberorientiert auszuschreiben und nicht mehr standardorientiert („Einmal BACnet, bitte!“). Stichwort: personenbezogene Daten. Die Gebäudeautomation wird derzeit verstärkt mit dem Datenschutz konfrontiert. Während zum Beispiel die Fernwartung der Gebäudeautomation sicherlich ein sinnvolles Feature ist, das zu Kosteneinsparungen und beschleunigten Lösungen führen kann, ist der Fernwarter plötzlich im Besitz von Daten, die, selbst wenn sie anonymisiert sind („In Raum 317 brannte am Sonntag von 21.00 Uhr bis 0:30 Uhr das Licht“), wieder leicht zu personenbezogenen Daten gemacht werden können („Herr Meier verbrachte den Sonntagabend im Büro“). Und dies findet der Datenschutzbeauftragte dann illegal.

Der Traum der Betreiber wäre dann erfüllt, wenn alle Komponenten, vom Fühler (wie Oppermann, E+E) zum Regelventil (Danfoss), zum Klappenantrieb (Deos) und Komponenten wie Kältemaschinen, Kessel, Pumpen, Ventilatoren, Befeuchter, Aufzüge, die Raumautomation, Leuchten und Sonnenschutz, auf IP-Basis die Sprache BACnet verstehen könnten. Dann würde sich für die Integratoren auch ein einheitliches (nach IEC 1131- 3) genormtes Engineeringtool (wie es Wago und Beckhoff haben) lohnen. Das wäre dann auch schon der richtige Schritt zum Internet of Things (IoT), das mit Sicherheit (früher oder später) kommen wird.

Rolf Grupp
Redakteur cci Zeitung, Leitung cci Wissensportal

 

 

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Artikelnummer: cci41511

Kommentare (1):

Man sieht, die GA ist noch immer ein spannendes wie heisses Thema.
Auf der Anwendertagung gab es Vorträge, die Methoden und Prozeduren z. B. für die Netzwerksicherheit (als neu) propagierten, die in der Norm DIN EN ISO 16484-5 (BACnet) schon längst vorgesehen sind. Das Problem ist, dass von der Beraterseite diese Methoden in Ausschreibungen nicht gefordert werden - und so die Hersteller keinen Anlass haben, die in der Norm vorgesehene Netzwerksicherheit und ggf. ein einheitliches Engineering-System zu implementieren.
Hans Kranz 14.11.2015

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