9. September 2018 Autor: Dr.-Ing. Manfred Stahl

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  • Deutsche Umwelthilfe will natürliche Kältemittel fördern: Vom Supermarkt zur Wärmepumpe
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Deutsche Umwelthilfe will natürliche Kältemittel fördern: Vom Supermarkt zur Wärmepumpe

(09.09.2018) Die Deutsche Umwelthilfe möchte den Einsatz natürlicher Kältemittel in Kälte- und Klimaanlagen fördern und beschleunigen. Das Projekt wird vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert und soll Anwendungen vorantreiben, in denen effiziente Alternativen zu halogenierten Kältemitteln (F-Gase) vorhanden sind und die das größte ökologische Minderungspotenzial aufweisen.

Ende Juli hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ein "Projekt zur Förderung von nicht-halogenierten Kältemitteln im Lebensmitteleinzelhandel und in Wärmepumpen" bekanntgegeben. Über die positiven Aspekte dieser Aktion muss man nicht diskutieren, wohl aber über einige tendenziöse Aussagen in den Ankündigungen und Beschreibungen zu diesem Projekt. Nachfolgend zitiert cci Zeitung mehrere von der DUH zu diesem Projekt veröffentlichte Informationen (Presseinfo, Website) und kommentiert einige unscharfe und unkorrekte Aussagen.

Text DUH
Mehr als 80 % der Kältemittel in stationären und mobilen Anlagen basieren heute auf F-Gasen. Weil die global installierte Kälteleistung sprunghaft ansteigt, ist ein Austausch von klimaschädlichen durch natürliche Kältemittel enorm wichtig.

Anmerkung
Der Begriff "Austausch" könnte hier besonders von Nichtfachleuten falsch verstanden werden. Gemeint ist wohl die Installation von neuen Kälteanlagen mit natürlichen Kältemitteln und nicht der Ersatz (= Austausch) von F-Gasen durch natürliche Kältemittel in Bestandsanlagen. Dies ist technisch nicht möglich (oder extrem aufwändig).

Text DUH
F-Gase wurden als Ersatzstoffe für FCKW und HFCKW entwickelt. Sie schädigen die Ozonschicht nicht, sind aber starke Treibhausgase: Ihr Treibhauspotenzial (GWP) liegt um bis zu 24.000 Mal über dem von CO2.

Anmerkung
Der Hinweis auf das teils hohe Treibhauspotenzial (GWP) von Kältemitteln ist richtig, aber hier überzogen. Es geht ja der DUH um Kälteanlagen für Supermärkte und um Wärmepumpen, und da sind die heute in der LüKK mit Abstand gängigsten Kältemittel R404A (Supermärkte, neu: CO2), R410A (Klimageräte, Wärmepumpen), R407C und R134. Diese haben Treibhauswerte zwischen etwa 1.500 und 4.000 und sind weit von 24.000 entfernt. Was nicht erwähnt wird ist, dass mit R32 (GWP = 675) und den HFO (plus Mischungen) mittlerweile auch Kältemittel mit erheblich geringeren GWP-Werten (HFO-GWP = 1 bis 4) an Bedeutung gewinnen.

Text DUH
Eine große Hürde, brennbare, natürliche Kältemittel zu etablieren, sind jedoch beschränkende Sicherheitsvorschriften in diversen Normen. So führt die derzeitige – nicht mehr zeitgemäße – Begrenzung von Kältemittelfüllmengen zum Ausbremsen nachhaltiger Kältetechnik und somit weiterhin zu hohen Treibhausgasemissionen. Dies gilt besonders für den Einsatz nachhaltiger Kältetechnik im Lebensmitteleinzelhandel sowie im Bereich der Wärmeerzeugung mittels Wärmepumpen.

Anmerkung
Mit der DIN EN 378 ist vor wenigen Monaten eine neue Basisnorm erschienen, die klare Vorgaben zum Einsatz auch von A2L- (schwer entflammbar) und A3-Kältemitteln (brennbar) enthält. Nur durch das Anpassen von Normen und Vorschriften auf möglicherweise geringere Anforderungen an die Gerätehersteller und die Betreiber sind die mit dem Einsatz von brennbaren Kältemitteln einhergehenden Sicherheitsforderungen nicht vom Tisch.
Zudem hat sich im Lebensmitteleinzelhandel seit einigen Jahren bei Neuanlagen das Kältemittel CO2 längst durchgesetzt. Hier wird nur noch eine geringe Zahl neuer Kälteanlagen mit F-Gasen installiert. Diese Entwicklung wurde auch durch die hohe Förderung von CO2-Anlagen durch das BAFA deutlich beschleunigt. Zudem gewinnen auch Lösungen mit Propan an Bedeutung.

Auf der Projektwebsite der DUH (www.duh.de) findet man folgende ergänzende Informationen (Auszüge):

Text DUH
Natürliche Kältemittel haben ein sehr geringes Treibhausgaspotenzial und stellen somit im Fall eines Entweichens keine Gefahr für das Klima dar. Zu ihnen zählen zum Beispiel Kohlenwasserstoffe, Kohlendioxid (CO2) oder Ammoniak (NH3). Sie bringen einen weiteren Vorteil mit sich, da die entsprechenden Anlagen meist effizienter als solche mit F-Gasen arbeiten. Dieses führt zu geringerem Stromverbrauch und somit zu geringeren Emissionen im Zusammenhang mit der Herstellung der benötigten Energie. Jedoch sind auch natürliche Kältemittel mit technischen Herausforderungen verbunden. So sind Kohlenwasserstoffe brennbar und Ammoniak giftig. Daher bedarf es bei der Anwendung entsprechender Sicherheitsvorkehrungen. CO2 ist ein sehr druckintensives Kältemittel und bedarf stärkerer Rohrleitungen und somit eines höheren Materialaufwands.
Die Deutsche Umwelthilfe möchte nachhaltige Kälte- und Wärmetechnologien auf der Basis natürlicher Kältemittel vorantreiben, um Treibhausgasemissionen in diesen Sektoren zu reduzieren. Der Schwerpunkt des Vorhabens soll auf Anwendungen liegen, in denen effiziente Alternativen zu chemischen Kältemitteln vorhanden sind und die das größte Minderungspotenzial aufweisen. Dies gilt für den Einsatz nachhaltiger Kältetechnik im Lebensmitteleinzelhandel sowie im Bereich der Wärmeerzeugung mittels Wärmepumpen. Ziel des Vorhabens ist es, die Voraussetzungen für Entwicklung und Anwendung solcher Anlagen zu verbessern, sodass Unternehmen und öffentliche Hand zur Nutzung natürlicher Kältemittel in den genannten Bereichen übergehen.
Nach der bisherigen Vergabegrundlage des Blauen Engels für Wärmepumpen wird im TEWI-Wert (ganzheitlicher Emissionswert aus direkten und indirekten Emissionen) ein Entsorgungsverlust für Kältemittel von 20 % sowie eine jährliche Verlustrate von 2 % über 15 Jahre berücksichtigt (RAL-UZ 121, 2008). Insgesamt wird somit angenommen, dass selbst bei umweltfreundlichen Anlagen, die für die Kennzeichnung mit dem Blauen Engel in Frage kommen, durchschnittlich knapp 50 % der ursprünglichen Kältemittelfüllmenge über die Laufzeit der Anlage in die Umwelt entweicht. Ein Beispiel: Für eine Wärmeleistung von 3 kW wird ungefähr 1 kg Kältemittel benötigt (z. B. R410A mit einem Treibhausfaktor von 2.088). Bei einem Einfamilienhaus mit einer installierten Wärmepumpe mit 12 kW Leistung und 4 kg Kältemittel wären dies somit Emissionen von rund 4 t CO2-Äquivalenten in der Laufzeit der Anlage.

Anmerkung
Bei seinen Recherchen hat der Verfasser das angegebene Umweltzeichen RAL-UZ 121 in einer heute gültigen Fassung nicht gefunden. Auch auf der Website des Blauen Engel findet man keinen Eintrag zu Wärmepumpen - offensichtlich wurde dieses Umweltzeichen zwischenzeitlich abgeschafft.
Um die Auszeichnung "Blauer Engel" im Bereich Raumklimageräte (UZ-204) oder im Bereich Lebensmitteleinzelhandel (UZ-179) zu erhalten, müssen diese zwingend mit einem natürlichen Kältemittel betrieben werden, siehe Beitrag "Das Umweltzeichen für klimafreundliche Supermärkte" in cci 07/2016 auf Seite 5 und 6 hier.

Ziel des DUH-Projekts ist es, die Voraussetzungen für die Entwicklung und Anwendung solcher Anlagen zu verbessern, sodass Unternehmen und die öffentliche Hand zur Nutzung natürlicher Kältemittel übergehen. Wie cci Zeitung auf Nachfrage bei der DUH erfuhr, erfolgt die Förderung wesentlich durch regelmäßige Fachgespräche und Expertenworkshops, an denen sich stets mehr als 30 Personen (Anwender, Industrie, Verbände) beteiligen. Bislang standen Kälteanlagen für Supermärkte und Discounter im Mittelpunkt der DUH-Aktivitäten, in den kommenden Monaten soll der Schwerpunkt bei Wärmepumpen liegen. Zudem bemüht sich die DUH darum, die technischen Regelwerke und Vorschriften zum Einsatz von natürlichen Kältemitteln zu optimieren.

Der Link zum Beitrag auf der DUH-Website ist hier.

Der Beitrag wurde für cci Wissensportal von Dr. Manfred Stahl erstellt (Stand: September 2018)

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