7. Dezember 2018 Autor: Euler Hermes/Editiert von Sabine Andresen

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  • Analyse Euler Hermes: Schäden durch Insolvenzen 2018
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Analyse Euler Hermes: Schäden durch Insolvenzen 2018

Der Kreditversicherer Euler Hermes Deutschland, Hamburg, hat eine Untersuchung zu Schäden durch Insolvenzen in Deutschland für das Jahr 2018 durchgeführt und am 4. Dezember 2018 eine Zusammenfassung und Kommentierung der Ergebnisse veröffentlicht.

Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland geht 2018 zurück. Euler Hermes geht in der Bundesrepublik von voraussichtlich 19.350 Fällen aus. Das sind 4 % weniger als noch im Vorjahr. Allerdings sind trotz rückläufiger Fallzahlen die Schäden für Unternehmen durch Insolvenzen in den letzten Jahren deutlich gestiegen: von insgesamt 17 Mrd. € 2015 auf 30 Mrd. € 2017. Dieser Trend setzt sich auch 2018 fort.
„Seit 2015 haben sich die durchschnittlichen Schäden bei Unternehmen durch Insolvenzen in Deutschland verdoppelt“, sagt Ron van het Hof, Geschäftsführer von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Auch 2018 zeichnet sich keine Entspannung ab. Das Durchschnittsvolumen der voraussichtlichen Forderungen von Unternehmen stieg in den zwölf Monaten bis Ende August 2018 um über 30 % an im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.“
Die voraussichtlichen Schäden von Unternehmen durch Insolvenzen lagen 2015 im Durchschnitt noch bei 700.000 €, 2017 waren es 1,5 Mio. €. Das ist insofern bemerkenswert, als die Fallzahlen in der Bundesrepublik seit Jahren rückläufig sind. „Das bedeutet, wenn es kracht, dann richtig“, sagt Van het Hof. „Dann ist meist die ganze Lieferkette betroffen. Viele Lieferanten sind plötzlich mit großen Schadenssummen konfrontiert. Häufig auch, weil sie sich in falscher Sicherheit wiegen angesichts der stetig sinkenden Fallzahlen und der anhaltend guten Wirtschaftslage in der Welt und vor allem auch in Deutschland selbst. Doch auch hier ziehen langsam Wolken auf.“

Wendepunkt bei Fallzahlen
Bei den Fallzahlen zeichnet sich – analog zum Konjunkturzyklus – ebenfalls ein Wendepunkt in Deutschland ab. Euler Hermes geht für 2019 von stagnierenden Insolvenzen in der Bundesrepublik aus. Weltweit hat die Negativ-Trendwende bereits stattgefunden: 2018 und 2019 steigen die weltweiten Insolvenzen weiter an. „Seit Anfang 2018 gab es in der Hälfte der von uns monatlich analysierten Ländern mehr Pleiten als im Vorjahreszeitraum“, sagt Ludovic Subran, leitender Volkswirt von Euler Hermes. „Für das Gesamtjahr gehen wir von 8 % mehr Insolvenzen aus und im kommenden Jahr kommen weitere 5 % hinzu. Haupttreiber dieser Entwicklung ist vor allem China. Dort verschwinden aktuell viele ‚Zombie-Unternehmen‘ vom Markt, die dort lange Zeit künstlich am Leben gehalten wurden. Diese Marktbereinigung setzt sich auch 2019 weiter fort.“ Hinzu kommen zahlreiche wirtschaftliche und politische Risiken, Handelsbarrieren, eine teilweise hohe Verschuldung von Unternehmen und dadurch steigenden Kreditrisiken. Euler Hermes analysiert monatlich die Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen in den 30 größten Volkswirtschaften weltweit. In 16 von 30 Ländern gab es seit Anfang 2018 einen Anstieg der Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
„Globale Exportrisiken sind weiter auf dem Vormarsch“, sagt Van het Hof. „Der drohende Handelskonflikt und Zollankündigungen sind eine Sache. Aber auch in Europa ist nicht alles rosarot. Der Brexit und Italiens Staatshaushalt sorgen weiterhin für Unsicherheit. Mit der Slowakei, Luxemburg, Dänemark, der Schweiz, Finnland, Norwegen und Belgien finden sich 2018 zudem zahlreiche wichtige europäische Handelspartner der Deutschen auf der Liste der Staaten mit steigenden Pleitezahlen. Vor den Toren Europas macht die Türkei ebenfalls Sorgen und verzeichnet ein deutliches Plus an Insolvenzen.“

Deutschland: Baugewerbe mit steigenden Risiken
Bei den Branchen in Deutschland zeichnet sind ein relativ heterogenes Bild. In den letzten zwölf Monaten stiegen die Insolvenzen in konsumorientierten Bereichen wie Dienstleistungen, Information und Kommunikation, Freizeitaktivitäten, Hotels und Gastronomie bereits gegen den bundesweiten Trend an. Im Baugewerbe zeichnete sich in den letzten neun Monaten ein Anstieg ab.
Die meisten Insolvenzen verzeichnete in den letzten zwölf Monaten nach wie vor der Handel, gefolgt von der Baubranche, Hotels und Restaurants, freiberufliche und professionelle Dienstleistungen, das produzierende Gewerbe und die Transportbranche. Die Transportbranche weist mit einem sehr hohem Verschuldungsgrad zudem hohe Kreditrisiken auf – entsprechend sind dort 2018 auch die branchenweit größten Schäden durch Insolvenzen zu erwarten. Den stärksten Anstieg bei den erwarteten Schäden verzeichneten in den letzten zwölf Monaten neben der Transportbranche die Bereiche Gesundheit und Soziales, Energieversorgung, freiberufliche, professionelle und sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen und die Finanzbranche.


Grafik zur Studie

Abbildung: Entwicklung von Insolvenzen und (erwarteten) Schäden in Deutschland 2008 bis 2019. Laut Destatis ist die Definition von „voraussichtliche Forderungen“ die folgende: Die voraussichtlichen Forderungen entsprechen in der Statistik über beantragte Insolvenzverfahren der Summe der – gegebenenfalls geschätzten – Insolvenzforderungen. (Abb. Euler Hermes) Abbildung: Entwicklung von Insolvenzen und (erwarteten) Schäden in Deutschland 2008 bis 2019. Laut Destatis ist die Definition von „voraussichtliche Forderungen“ die folgende: Die voraussichtlichen Forderungen entsprechen in der Statistik über beantragte Insolvenzverfahren der Summe der – gegebenenfalls geschätzten – Insolvenzforderungen. (Abb. Euler Hermes)

 

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