22. Januar 2018 Autor: Stefan Fröb, getAir GmbH

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Trendanalyse: dezentrale Wohnraumlüftung 2017

Stefan Fröb, Geschäftsführer der getAir GmbH, Mönchengladbach, hat eine Marktanalyse zur dezentralen Wohnungslüftung erstellt.

Aktuelle Marktsituation der kontrollierten Wohnraumlüftung in Deutschland
Seit einer halben Dekade gibt es durchschnittlich zweistellige Wachstumsraten im Bereich der dezentralen Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung (WRG). Bereits Anfang des Jahres 2017 war im Vergleich zum Vorjahr sogar ein Wachstum von über 50 % feststellbar (Quelle: BDH/FGK). Solche Wachstumsraten sind in der seit Jahren wirtschaftlich schwächelnden Baubranche einmalig. Insgesamt verzeichnet der Markt für Kontrollierte Wohnungslüftung (KWL) ein durchschnittliches Wachstum im oberen einstelligen Bereich, wofür aber primär die dezentralen Systeme verantwortlich sind, während bei den zentralen Anlagen mit WRG eine gewisse Marktsättigung erreicht scheint.

Akzeptanz für eine dezentrale Wohnraumlüftung bei Hausbesitzern, Fachhandwerkern und Planern

Allgemein ist die Akzeptanz für Wohnraumlüftung gerade bei Planern und Handwerkern noch stark ausbaufähig. In den letzten Jahren war jedoch eine gestiegene Nachfrage in beiden Zielgruppen erkennbar, was nicht nur an der grundsätzlich stärkeren Wahrnehmung für dezentrale Systeme liegt, sondern auch an deren flexibler Einsetzbarkeit sowie einfachen Auf- und Einbau (geringe Eintrittsbarriere). In der energetischen Sanierung führt heute fast kein Weg mehr an dezentralen Geräten vorbei. Vergleichsweise geringe Anschaffungs- und Folgekosten erhöhen die Nachfrage zudem deutlich.
Beim Endverbraucher gibt es eine Verhaltensänderung: eine Entwicklung zum "mündigen Häuslebauer", der nicht mehr nur auf seinen Architekten oder Handwerker hört. Vielmehr möchte er sich vermehrt selbst mit Produkten und Systemlösungen auseinandersetzen und dann seine eigenen Entscheidungen treffen. So kommen Handwerker und Architekten immer häufiger nicht aus freien Stücken, sondern auf Wunsch des Endkunden zum Hersteller. Hier findet ein Prozess des Umdenkens statt, vor allem bei Handwerkern und Händlern, die immer mehr zu Komplettausstattern werden und so zum Beispiel neben Heizungen auch dezentrale Lüftungen anbieten.

Akustik im dezentralen Wohnraumlüftungssegment
Früher wurde nur nach Leistung und Größe (Kernbohrungsdurchmesser) gefragt. Heute ist Kunden ein "leises Lüftungsgerät" mindestens genauso wichtig. Dabei ist das Wort "leise" natürlich ein sehr dehnbarer Begriff. Jeder nimmt die Intensität der Geräusche anders war, deswegen werden sensible Menschen Lüftungsgeräte schon ab einer geringeren Dezibelstärke als störend empfinden. In der Regel werden Lärmquellen ab 20 dB bewusst wahrgenommen. Dabei wird zwischen zwei Quellen unterschieden: Das ist zum einen das Lüftungsgerät selbst und zum anderen die Außenschalleinwirkung. Neben der direkten Geräuschentwicklung des Ventilators ist die Dämpfung und Weiterleitung von verursachten Schallwellen von Bedeutung. Durch Schwingungsentkopplung der Lüftereinheit und strömungsoptimierte Führung wird die Geräuschentwicklung auf ein Minimum reduziert. Lärmquellen, wie Hauptverkehrsstraßen, Bahntrassen oder Einflugschneisen, tragen je nach Stärke einen beachtlichen Teil zur wahrnehmbaren Geräuschentwicklung bei. Der Einsatz von schallabsorbierenden Materialien sorgt wesentlich für eine Reduzierung dieser Störquellen. Je häufiger der Schall auf seinem Weg umgelenkt und geschluckt werden kann, umso weniger davon erreicht das menschliche Ohr.

Reinigung und Wartung in der Praxis

Reinigung und Wartung zählen zu den Serviceaufwendungen, die neben dem Produktpreis einen wichtigen und oft unterschätzten Kostenfaktor darstellen. Im Gegensatz zu zentralen Anlagen haben die meisten dezentralen Kompaktlüftungssysteme sehr geringe Serviceaufwendungen. Auf jeden Fall sollte der Filter, je nach Verschmutzung, etwa alle ein bis zwei Jahre erneuert werden.

Qualitätssicherung für Planung und Umsetzung
Es gibt immer noch einige Lücken bei der Planung und Umsetzung von Lüftungsanlagen. Einigen Planern fehlt nötiges Wissen über die dezentrale Wohnraumlüftung. Sie sind häufig mit der Auslegung unserer Systeme überfordert. In der Praxis sieht es dann so aus, dass oft zu viele oder zu wenige Systeme für eine Wohneinheit angefordert werden. Auslegungsempfehlungen und Beratungen der Hersteller helfen hier. Sie können Planern und Architekten die nötige Sicherheit gegenüber ihren Kunden geben. Auch bei Installateuren gibt es noch einige neue Beratungsansätze, gerade im Bereich der Verkabelung. Aufgrund der Einfachheit des Systems lässt sich jedoch im Vergleich zu anderen kontrollierten Lüftungssystemen eine geringere Fehlerquote bei Einbau und Montage feststellen.

Politik und Gesetzgebung/Normung
Die grundlegende politische Richtung hin zur Energiewende ist wichtig und die festgesetzten Klimaziele 2050 sind ein entscheidender Schritt. Wenn man überlegt, dass derzeit die Gebäude in Deutschland für bis zu 30 % der Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, wird klar, wie zentral das Thema der energetischen Modernisierung im Bestand und Neubau wirklich ist und welche Herausforderungen in den kommenden Jahren bestehen. Einen bis 2050 nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu schaffen, ist es ein hehres Ziel. Momentan haben wir hier noch viele Baustellen, auch im Bereich der dezentralen Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Es wird laut EnEV 2014 §6 eine Mindestluftwechselrate (= gesamter Luftwechsel alle zwei Stunden) bei dichter Gebäudehülle gefordert, die die Grundvoraussetzung für den Einsatz einer ventilatorgestützten kontrollierten Lüftung schafft. Da die dezentrale Lüftung im Vergleich zur zentralen Lüftung ein noch recht junges Feld ist, ist leider ein erheblicher Nachholbedarf im Bereich der Normung, Planung, Zertifizierung und staatlichen Förderung feststellbar. In den letzten zwei Jahrzehnten wurden Normierungen und Verordnungen maßgeblich durch zentrale Hersteller beeinflusst. Mit der gleichen Matrix sollten dann auch dezentrale Systeme untersucht werden, wobei diese jedoch überhaupt nicht eins zu eins mit zentralen Systemen vergleichbar sind. Leider werden Hersteller dezentraler Systeme immer noch vor vollendete Tatsachen gestellt. Positiv ist derzeit, dass beispielsweise die dezentrale Wohnraumlüftung mit einer Wärmerückgewinnung von mindestens 80 % über die KfW-Bank mit Zinserleichterungen und Zuschüssen gefördert wird.


Der Autor: Stefan Fröb, Geschäftsführer der getAir GmbHDer Autor: Stefan Fröb, Geschäftsführer der getAir GmbH
 


Artikelnummer: cci64591

Kommentare (1):

"Auf jeden Fall sollte der Filter, je nach Verschmutzung, etwa alle zwei Jahre erneuert werden."

Ein Zitat aus der Trendanalyse, mit dem Hinweis auf sehr niedrige Wartungskosten.

Ich empfehle die VDI 6022 einmal etwas genauer zu lesen, das ist in diesem Falle sicherlich für den Nutzer gesundheitlich relevant.

Rolf Tschersich
Rolf Tschersich 22.01.2018

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