3. Mai 2019

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  • Studie EIA zum illegalen Kältemittelhandel
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Studie EIA zum illegalen Kältemittelhandel

Am 9. April 2019 wurde der neue englischsprachige Report von der in Großbritannien ansässigen Organisation Environmental Investigation Agency (EIA) "Doors Wide Open: Europe’s flourishing illegal trade in hydrofluorocarbons (HFCs)" veröffentlicht (auf Deutsch: Offene Türen für Kriminelle: Europas florierender illegaler Handel mit Fluorkohlenwasserstoffen).

Hinweis der Redaktion: Die englischsprachige Studie steht als PDF unter "Anhänge" zur Verfügung.

Zusammenfassung des Inhalts:


Klimaschädliche Kältemittel werden zunehmend illegal importiert und verkauft. 2014 verabschiedete die Europäische Union die neue Verordnung über fluorierte Treibhausgase, um die Emissionen von teilhalogenierten Fluorkohlenwasserstoffen (HFKW) zu reduzieren und diese schrittweise zu begrenzen. HFKW sind synthetische Chemikalien, die üblicherweise als Kältemittel, Gas in Klimaanlagen, Feuerlöschmittel, Treibgas und Treibmittel eingesetzt werden und bis zu mehrere Tausend Mal klimaschädlicher als CO2 sind.
Da durch die Mengenbeschränkung und Quotierung die verfügbaren Mengen am europäischen Markt sinken und Preise steigen, floriert der illegal Handel. Die Nachfrage ist groß. Die Kältemittel kommen direkt aus China oder über Russland, Ukraine, die Türkei oder Albanien und werden von den Quoten nicht erfasst. Das Ganze findet in einem beachtlichen Ausmaß statt.
Schlüsseleintrittszonen und Hotspots für illegalen Handel sind vermutlich Bulgarien, Kroatien, Dänemark, Griechenland, Italien, Lettland, Polen und Malta. „Eines der effektivsten Werkzeuge, um den unkontrollierbaren Klimawandel einzudämmen, ist die Nutzung von Fluorkohlenwasserstoffen (FKW) zu reduzieren – aber dieses Werkzeug wird massiv geschwächt durch illegalen Handel mit eben diesen“ kommentiert die Leiterin der Klimakampagne von EIA, Clare Perry. Der Bericht ist die umfassendste Untersuchung dieser Art über den kriminellen FKW-Handel und dokumentiert, wie bereits 2016 und trotz der großen Bestände an FKW im Jahr 2014 Berichte über illegale FKW auf den europäischen Märkten aufkamen. Die Kampagnenleiter von EIA beobachten seither eine Eskalation des illegalen Handels mit FKW; besonders seit 2018 wird eine Flut illegaler FKW-Nutzung und der Handel damit in der gesamten EU beobachtet.
Eine detaillierte Auswertung der Zolldaten von 2018 ergab, dass 16,3 Mio. t CO2-Äquivalente (16,3 MtCO2e) von FKW (erfasst als Großmengen) illegal auf dem Markt gehandelt wurden, das entspricht mehr als 16 % der Quote. Viele EU-Länder verzeichnen einen signifikanten Anstieg von FKW-Importen im Jahr 2018, trotz der massiven Quoten-Verknappung durch eine Reduktion um 37 %. Weiterhin hat EIA die Zolldaten aus dem Jahr 2017 mit den Graphiken aus der F-Gase- Vrordnung verglichen und dabei festgestellt, dass zusätzliche 14,8 Mio. t CO2-Äquivalente von FKW auf dem europäischen Markt gehandelt wurden, dies entspricht 8,7 % der Quote. Es existieren zudem signifikante Unterschiede zwischen den Exportzahlen Chinas und den Importzahlen der EU, was auf falsche Einfuhrzollanmeldungen schließen lässt.
Sophie Geoghegan, Klima-Kampagnenleiterin bei EIA, sagt dazu: “Es gibt vielfache und große Diskrepanzen zwischen den übermittelten Daten und den Zolldaten. Die Zolldaten von 2018 weisen darauf hin, dass die FKW-Nutzung die Quote um mehr als 16 %
überschritten hat – das entspricht den jährlichen CO2-Emissionen von mehr als vier Kohlekraftwerken – wir rufen die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten auf, dem als dringliche Angelegenheit nach zu gehen.“
Ende 2018 hat EIA zwei Studien in Auftrag gegeben: Die erste erfasste, wie die Mitgliedsstaaten die F-Gase-Verordnung erfüllen. Die zweite diente der Datenermittlung über den illegalen Handel. Mehr als 80 % der Unternehmen, die befragt wurden, wussten von dem illegalen Handel mit FKW; 72 % haben illegale Kältemitteln gesehen oder bekamen diese in illegalen Behältern angeboten.
Perry fügt hinzu: „Die Türen der EU stehen weit offen für illegalen FKW-Handel, der durch schnelle Profite und niedrige Risiken, bestraft zu werden, angetrieben wird. Weiterhin gibt es kein System, das Zollbeamte sicher feststellen lässt, ob ein FKW-Import tatsächlich legal ist oder nicht. Ein funktionierendes Lizenzsystem ist dringend notwendig und die Mitgliedsstaaten sollten ein solches nachweislich verstärkt umsetzen.“
Der Bericht empfiehlt folgendes:
- eine Umsetzung eines voll funktionsfähigen Lizenzsystems, das dem Zoll ermöglicht, die Legalität der eingeführten FKW zu überprüfen
- eine verbesserte Berichterstattung und Monitoring für den FKW-Handel mit exportierenden Ländern
- eine Überarbeitung des Verbots für nicht wiederbefüllbare Behälter, um die Nutzung von allen Einwegzylindern zu verbieten
- eine verbesserte Transparenz des Quotensystems durch die Veröffentlichung der Namen von neuen Teilnehmenden und deren Quotenanteilen
- die Einrichtung eines Vergleichssystems, um die übermittelten Daten aus der F-Gase-Verordnung mit den Zolldaten vergleichen zu können und Diskrepanzen feststellen zu können.

Über die Environmental Investigation Agency:
Die EIA ist eine internationale, unabhängige Kampagnenorganisation, die 1989
gegründet wurde und ihren Sitz in Washington und London hat. EIA arbeitet seit fast zwei Jahrzehnten zum globalen Klimawandel und damit auch zu FKW und dem Montreal-Protokoll, sowie zum illegalen Handel, unter anderem mit Kältemitteln.

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