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8. April 2015 Autor: Rolf Grupp (Bearbeiter)

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  • Grundlagen: Planung und Ausführung von Lichtkuppeln als natürliche Rauch- und Wärmeabzugsgeräte (NRWG)
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Grundlagen: Planung und Ausführung von Lichtkuppeln als natürliche Rauch- und Wärmeabzugsgeräte (NRWG)

Natürliche Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA-Anlagen) leiten im Brandfall Rauch und Hitze über das Dach eines Gebäudes durch Dachoberlichter ab. Einsetzbar sind RWA-Anlagen in Lichtkuppeln, Lichtbändern und weiteren Glaskonstruktionen. Durch manuelle Ansteuerung oder durch automatische Einzelauslösung wird die RWA-Anlage im Brandfall geöffnet. Dies kann je nach Anlage auf pneumatische, elektrische oder pyrotechnische Weise erfolgen. Dienen Lichtkuppeln auch der Rauchableitung oder sind sie als natürliche Rauch- und Wärmeabzugsgeräte (NRWG) zu verstehen, müssen einige normative Besonderheiten beachtet werden, um die Funktionstüchtigkeit im Brandfall zu gewährleisten. Der Beitrag gibt am Beispiel der Treppenhausentrauchung Hinweise für Planer und Errichter.

Funktionsweise von natürlichen RWA-Anlagen (Abb. Jet-Gruppe)  Funktionsweise von natürlichen RWA-Anlagen (Abb. Jet-Gruppe) Natürliche Rauch- und Wärmeabzugsgeräte (NRWG) werden in der Regel auf dem Dach eines Gebäudes platziert. Sie sorgen durch den Einsatz automatisch arbeitender Steuerungs- und Betätigungssysteme für eine schnelle Detektion und damit Entrauchung eines Gebäudes. Die Verantwortung bei der Umsetzung der brandschutztechnischen Maßnahmen liegt nicht nur beim Planer: Auch die ausführenden Gewerke müssen Vorgaben und normative Bedingungen beachten und umsetzen.

Als NRWG können Lichtkuppeln eingesetzt werden. Bei den Oberlichtern im Dachbereich unterscheidet die DIN V 18599-4 "Energetische Bewertung von Gebäuden - Berechnung des Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs für Heizung, Kühlung, Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung - Teil 4: Nutz- und Endenergiebedarf für Beleuchtung"
- Lichtkuppel
- Lichtbänder
- Sheddächer
Lichtbänder sind nach dieser Definition spezielle Fälle von Lichtkuppeln. Die EnEV unterscheidet bei der Definition des Refernzgebäudes
- Lichtbänder
- Lichtkuppeln
- Dachflächenfenster
Lichtkuppeln sind nach dieser Auslegung nur Lichtkuppeln nach DIN EN 1873 "Vorgefertigte Zubehörteile für Dacheindeckungen - Lichtkuppeln aus Kunststoff - Produktfestlegungen und Prüfverfahren" mit einer Öffnungsweite (bzw. Durchmesser) von max. 2,50 m und einer Öffnungslänge von max. 3,00 m.

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Artikelnummer: cci24051
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Kommentare (3):

Einige falsche Aussagen im Artikel müssen korrigiert werden. Wie kommen Sie zum Beispiel auf die Aussage, dass "notwendige Treppenräume rauchfrei" sein müssen? Diese Aussage ist fehlerhaft und irreführend, im Beispiel der Bayerischen Bauordnung (BayBO, Januar 2013) ist dazu nichts enthalten, vielmehr gilt für notwendige Treppenräume nur:

Art. 33 (8) 1 Notwendige Treppenräume müssen belüftet und zur Unterstützung wirksamer Löscharbeiten entraucht werden können. 2 Die Treppenräume müssen
1. in jedem oberirdischen Geschoss unmittelbar ins Freie führende Fenster mit einem freien Querschnitt von mindestens 0,50 m² haben, die geöffnet werden können, oder
2. an der obersten Stelle eine Öffnung zur Rauchableitung haben.
3 Im Fall des Satzes 2 Nr. 1 ist in Gebäuden mit einer Höhe nach Art. 2 Abs. 3 Satz 2 von mehr als 13 m an der obersten Stelle eine Öffnung zur Rauchableitung erforderlich. 4 Öffnungen zur Rauchableitung nach Sätzen 2 und 3 müssen in jedem Treppenraum einen freien Querschnitt von mindestens 1 m² und Vorrichtungen zum Öffnen ihrer Abschlüsse haben, die vom Erdgeschoss sowie vom obersten Treppenabsatz aus bedient werden können.

Dies gilt auch für notwendige Flure, allerdings gilt auch hier, dass die Nutzungseinheiten zwei Rettungswege haben müssen oder Art. 31 (2)
1 Für Nutzungseinheiten nach Abs. 1., die nicht zu ebener Erde liegen. muss der erste Rettungsweg über eine notwendige Treppe fUhren. 2 Der zweite Rettungsweg kann eine weitere notwendige Treppe oder eine mit Rettungsgeräten der Feuerwehr erreichbare Stelle der Nutzungseinheit sein. 3 Ein zweiter Rettungsweg ist nicht erforderlich, wenn die Rettung über einen sicher erreichbaren Treppenraum möglich ist, in den Feuer und Rauch nicht eindringen können (Sicherheitstreppenraum).

Erst bei der Forderung nach einem Sicherheitstreppenraum ist die "Rauchfreihaltung" über besondere Eigenschaften nachzuweisen, da gibt es mehrere Möglichkeiten. Ein notwendiger Treppenraum ist nicht automatisch ein Sicherheitstreppenraum. Bei Sicherheitstreppenräumen handelt es sich um notwendige Treppenräume, die jedoch höhere Anforderungen erfüllen müssen. Nach § 33 Absatz 2 Satz 3 der Musterbauordnung (MBO) müssen Sicherheitstreppenhäuser sicher erreichbar und so beschaffen, angeordnet oder ausgestattet sein, dass Feuer und Rauch in sie nicht eindringen können. Sie dienen als Ersatz für den gesetzlich vorgeschriebenen zweiten Rettungsweg und sind insbesondere in Hochhäusern vorzusehen, wo eine Rettung der Flüchtenden über Feuerwehrleitern nicht möglich ist.

Das ist sehr wichtig!!

Dass Rauchgase immer nach oben strömen, halte ich für übertrieben, wenn diese kalt sind.
Der Begriff "Treppenhausentrauchung" ist doppelt falsch,
- Sie meinen eigentlich "Treppenräume" denn "...häuser" stehen separat und
- Sie meinen eigentlich "Rauchableitungsöffnungen" und nicht "..entrauchung"

Die Bemessung ist nicht mehr "in den meisten Fällen" 5 % der Grundfläche, sondern seit 2014 "mehr als 1 m², allerdings als freier geometrischer Wert, die Berechung ist hier etwas diffizieler zu nennen, das muss die Querschnittsverengung von Einbauten abgezogen werden, allerdings ist dies nicht der Aw-Wert der NRWGs!

Formel: Min(AxB; (A+B)xh

Für eine genügende Wirksamkeit sollte die Unterkante der Rauchableitungsöffnung ca. 1.85 m über dem Podest des obersten Nutzgeschosses liegen! Steuerzentralen in den Treppenräumen sind nach MLAR nicht zulässig.

Eine Forderung nach einer Akkupufferung von 72 h sehe ich nicht als gegeben an, wo soll die Forderung denn herkommen, da die Rauchableitungsöffnungen in der Bauregelliste Teil C unter 3.10 gelistet sind:

3. 10 Rauchabzüge in notwendigen Treppenräumer, die nicht zur Rauchfreihaltung, sondern der Entrauchung nach Evakuierung dienen

Die Liste C gilt nur für solche Bauprodukte und Verwendungen, für die nach bauaufsichtlichen Vorschriften nur Normalentflammbarkeit (DIN 4102-B2 bzw. Klasse E nach DIN EN 13501-1) vorausgesetzt wird und an die keine weitergehenden Brandschutzanforderungen und keine Anforderungen an den Schall- und Wärmeschutz gestellt werden.

Eine Sicherheitsstromversorgung ist hier nicht gefordert! Vielmehr ist es wichtig, dass Störungen zeitnah und rechtzeitig erkannt und beseitigt werden, da gibt es auch wieder viele Möglichkeiten! Neben dem Stromausfall kann natürlich eine sonstige Störung auftreten, die die Funktion beeinträchtigt und nicht den Stromausfall betrifft, zum Beispiel ein Sicherungsschaden der Notstromsteuerzentrale o. ä.

Ein Rauchmelder kann nur als Kompensation für abweichende Funktion, z. B. fehlender Funktionserhalt sein, baurechtlich gefordert ist er nicht!

Die Ausführung der Anlage als Druckgasanlage (CO2) ist immer noch zulässig, wird aber hier von Ihnen nicht beschrieben!


Zu NRWGs

Die Geräte nach DIN EN 12101-2:2003-06 bedingen eigentlich immer die Berechnung nach DIN 18232-02:2007-11. Abweichend ist das Schutzziel immer in der Baugenehmigung und den Auflagen der Bauvorlagen zu finden (und auch dort zu suchen!). Die Geräte besitzen nicht nur eine CE-Kennzeichnung, sondern auch die Kennzeichnung nach DIN EN 12101-2. Die CE-Kennzeichnung ist nur für das Inverkehrbringen notwendig.

Dass ein normaler Dachdecker besonderes Fachwissen für NRWGs besitzt, hat sich in meiner Prüfpraxis bisher nicht generell bestätigt. Auch bei den Fachplaner, hier die Architekten, ist das Fachwissen besonders für die
elektrischen Anlagen nicht besonders ausgeprägt.

Dass die NRWGs eigentlich generell auf nicht brennbare und massive Bauteile montiert werden müssen, haben Sie nicht erwähnt. Brennbare Materialien sind hier nicht zulässig.

Elektrische Arbeiten sind nach VDE immer durch eine "Elektrofachkraft" durchführen zu lassen, ausgenommen elektrotechnisch unterwiesene Personen (EUP).

Dass die NRWGs einen Sachschaden durch die Rauchgase verhindern können, wage ich stark anzuzweifeln. Eine Rauchentlastung ist nun einmal keine Rauchfreihaltung.

Da die VdS/CEA-Richtlinie keine gesetzliche Verankerung hat, ist dies nur im privaten Haftungsrecht bei den Versicherungen wesentlich und nicht im Baurecht. Dort gilt wie besprochen die Auflage der Baugenehmigung als Mindestforderung. Das Wartungs- und Prüfintervall bestimmt darüber hinaus der Errichter der Anlage. Dass die Wartungsfirma eine VdS-anerkannte Errichterfirma sein muss, scheint doch sehr vom VdS beeinflusst zu sein und ist nicht richtig.

Prüfungen an RWA-Anlagen sind im Detail durch die Prüfgrundsätze der ARGE-Bau auch für Sachkundige beschrieben und da nicht so verkehrt zu beachten, Ihre Auflistung dazu ist eher einfach gehalten!


Dipl.-Ing.(FH) Hans Christian Sieber (SVfS)
28.04.2015
Den Ausführungen von Herrn Sieber gibt es nichts hinzuzufügen. Nichts ist schlimmer, als das Unterstützen von Baubeteiligten mit gefährlichem Nicht-, Halb- oder Falschwissen. Es gibt nicht einen einzigen Regelfall in deutschen Landesbauordnungen mit einer Forderung nach RWA-Anlagen in einem Treppenraum, auch wenn die vorgenannten Personenkreise immer wieder davon sprechen. Dort gibt es bauordnungsrechtlich ausschließlich Öffnungen zur Rauchableitung. Eine Ausnahme bildet der innenliegende Sicherheitstreppenraum, der rauchfrei über eine Rauchschutzdruckanlage (RDA) zu halten und in der Regel in Hochhäusern anzutreffen ist. Entrauchung, Rauchableitung und insbesondere Rauchfreihaltung sind bauordnungsrechtlich und normativ völlig unterschiedliche Begriffe, deren Vermischung zu fatalen Fehlplanungen führt.

Dipl.-Ing. (FH) Frank Lucka, MEng. (VBI) Master of Engineering für vorbeugenden Brandschutz, Geschäftsführer Sachverständigenbüro PVT mbH, Prenzlau
28.04.2015
Zunächst möchte ich mich für die ausführlichen Anmerkungen zu unserem Beitrag bedanken, denen wir uns grundsätzlich inhaltlich anschließen. Allerdings bitten wir um Verständnis, dass unsere allgemeinen Informationstexte nicht auf eine spezifische wissenschaftliche Diskussion ausgerichtet sein können.

Da unsere Beiträge bundesweit veröffentlicht werden und sich primär an Handwerker und auch Architekten richten, sind wir naturgemäß auf allgemein gültige Hinweise beschränkt. Wir können und wollen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, was die verschiedenen gültigen Verordnungen, Richtlinien und Normen in einzelnen Bundesländern angeht. Zum Beispiel haben Sie natürlich recht, was Ihre Erwähnung der Bayerischen Bauordnung (BayBO, Januar 2013) angeht, gleichzeitig klingt selbige Passage in der Landesbauordnung-NRW aber deutlich anders:
§ 37 Abs. 11 + 12
„(11) Notwendige Treppenräume müssen zu lüften und zu beleuchten sein. Notwendige Treppenräume, die an einer Außenwand liegen, müssen in jedem Geschoss Fenster mit einer Größe von mindestens 0,5 m² haben, die geöffnet werden können. Innenliegende notwendige Treppenräume müssen in Gebäuden mit mehr als fünf Geschossen oberhalb der Geländeoberfläche eine Sicherheitsbeleuchtung haben.
(12) In Gebäuden mit mehr als fünf Geschossen oberhalb der Geländeoberfläche sowie bei innenliegenden notwendigen Treppenräumen muss an der obersten Stelle eines notwendigen Treppenraumes ein Rauchabzug vorhanden sein. Der Rauchabzug muss eine Rauchabzugsöffnung mit einem freien Querschnitt von mindestens 5 von Hundert der Grundfläche, mindestens jedoch von 1 m² haben. Der Rauchabzug muss vom Erdgeschoss und vom obersten Treppenabsatz aus bedient werden können. Abweichungen können zugelassen werden, wenn der Rauch auf andere Weise abgeführt werden kann.“
Für Gebäude mit bis zu fünf Geschossen je Geschoss ein Fenster mit einer Mindestfläche von 0,5 m² gefordert. In Gebäuden mit mehr als fünf Geschossen wird ein „Rauchabzug“ mit einem freien Querschnitt von 5 % der Grundfläche und mindestens 1 m² beschrieben. Die Unterstützung der Feuerwehr wird generell nicht erwähnt.

Eine komplexe Thematik wie die hier behandelte Möglichkeit der „Treppenhausentrauchung“ kann auf Grund der zahlreichen zu berücksichtigenden Verordnungen in einem einzelnen redaktionellen Fachartikel nicht abschließend erörtert werden. Dafür bieten umfangreiche Fachbücher einen besseren Einstieg, wobei auch die Vielfalt der gestalterischen Möglichkeiten bei der Realisierung von Bauvorhaben zu bedenken ist.

Ziel unseres Artikels zu diesem Thema ist es vielmehr, Handwerker, Planer und Gebäudebetreiber allgemein zu informieren und für dieses sicherheitsrelevante Thema zu sensibilisieren. Wir halten es für wichtig, eine Diskussionsgrundlage zu schaffen, die dazu anregt, das Thema RWA gegebenenfalls bei Fachplanern und Sachverständigen zu hinterfragen und dort weitere Informationen einzuholen.

Da jährlich zahlreiche Menschen in Treppenhäusern durch Rauchgas verletzt oder gar getötet werden, möchten wir auf den Einsatz einer automatisch wirkenden Rauchableitung (die wir allgemein als „Treppenhaus-RWA“ bezeichnen) als mögliche Lösung hinweisen. Denn nur eine bekannte Lösung kann auch zur Nutzung in Betracht gezogen werden.

Bert Barkhausen, Produktmanager JET-Gruppe
Rolf Grupp 12.05.2015

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