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10. Juli 2012 Autor: Herbert Haser
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Energieeffizienz in die Praxis umsetzen - Was muss sich ändern bei der Erstellung von Büroimmobilien?

In fast jeder Planung wird Energieeffizienz gefordert und dem Bauherrn versprochen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen alle Beteiligten, vom Planer bis zum Facilitymanager und den Gebäudenutzern, auf das gleiche Ziel hin arbeiten. Wenn nur ein einziger ausschert, steigt im Bereich Heizung Klima Lüftung (HLK) der Energiebedarf schnell um den Faktor 2 an. Der Artikel beschreibt hersteller- und projektneutral typische Verfahrensabläufe bei der Erstellung von hochwertigen Büroimmobilien. Es geht darum, die systembedingten Fehler zu erkennen, um Lösungen zu finden.

Die Realität - Phase 1: Die Versprechungen

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Planer und Architekt versprechen dem Investor ein Gebäude mit hohem Komfort, in dem die Nutzer ihr individuelles Raumklima selbst einstellen können. Der haustechnische Planer wendet sich an ein Unternehmen der Regelungstechnik, das ihn in Bezug auf das Regelungskonzept passend zur Gebäudestruktur mit Kühlung, Heizung und Lüftung berät. Nach dem Motto „Hoher Komfort braucht viel Technik“ wird dem Planer dann empfohlen, eine Einzelraumregelung mit allen heute möglichen Funktionen einzusetzen.

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Von Seite der Hersteller der Regelungstechnik wird im Vorfeld damit geworben, dass ihre Systeme in der Lage sind, eine effiziente Regelung mit bedarfsorientierter Erzeugung und Vernetzung auf der Erzeugerseite zu kontrollieren und optimiert zu betreiben. Es wird davon ausgegangen, dass, wenn von einem Raum her ein Bedarf gemeldet wird, auf der Erzeugerseite zum Beispiel ein Heizkessel oder eine Kältemaschine einschaltet wird (inklusive aller notwendigen Verteilungseinrichtungen), sodass die Technik nur Strom und Energie verbraucht, die tatsächlich gebraucht wird. Der Kunde glaubt, dass sein Planungsteam diese komplexe Struktur liefert und dass diese auf Knopfdruck einwandfrei funktioniert.
Dieses Konzept wird dem Betreiber übergeben, und es wird erwartet, dass dieser die komplexen Zusammenhänge auf Anhieb versteht und entsprechend so betreibt, dass die Kennwerte der Planung, die er in der Regel nicht kennt, eingehalten werden.
Die Nutzer freuen sich über den hohen Komfort einer Einzelraumreglung, die je Raum eine Verstellung der Raumtemperatur von ± 3 K zulässt. Jeder dreht an jedem Rädchen und testet die Funktionsfähigkeit der Anlage. Nach der ersten Saison wird dann mit Entsetzen festgestellt, dass der Energiemehrverbrauch gegenüber der Planung um den Faktor 1,5 bis 4 höher liegt als berechnet, der Regelungstechniker immer noch nicht mit der kompletten Inbetriebnahme fertig ist, Probleme bei der Hydraulik aufgetaucht sind und dass verschiedene Nutzer sich ständig beschweren, weil die Raumtemperatur den eingestellten Sollwert um 0,3 K verfehlt.
Planer und Ausführendes Unternehmen verweisen gemeinsam mit dem Projektmanager darauf, dass die Abnahmen ohne diese Mängel erfolgt sind und sie für weitere Tätigkeiten einen Auftrag benötigen.

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Artikelnummer: cci14562

Kommentare (2):

Vielen Dank Herr Grupp, dass Sie Herrn Haser motiviert haben, seine guten Gedanken in Worte zu giessen!
Vielen Dank Herr Haser - ja im Prinzip ist es so - wir hatten diese Problematik ja nach der Aachener YIT-Tagung im April 12 hier im Ticker trefflich diskutiert.
Also unsere Architekten (pauschal gesagt - Ausnahmen bestätigen die Regel) sind Schuld, wenn die Ziele der Energiewende nicht erreicht werden.
Es sind ja die Gebäude, die 40% aller eingesetzten Energie benötigen (natürlich die Nutzer dieser Gebäude).
Ihr Thesen müssen nun aus unserem "Schlamm der Fachpresse" herausgetragen werden, in die Verbände und Vereine und von da über entsprechende Lobbyisten in die Politik.
Aber wer soll das leisten? Die direkt betroffenen vom "Bau"?
Ich glaube nicht. Die Nutzer? Die verstehen eh nicht! Vielleicht findet sich in der Öffentlichkeit jemand (wenn die Fachöffentlichkeit es kapiert hat). Es wird Zeit!
Hans Kranz 17.07.2012
Sehr geehrter Herr Haser,

nun bin ich offenbar im Frühjahr auf Ihre Provokationen hereingefallen und muß feststellen, wir zwei sprechen ja doch die gleiche Sprache!
Vielen Dank für die vorwurfslose Schilderung des Ist-Zustandes und auch vielen Dank für mögliche Lösungsansätze. Auch wenn mir manches noch nicht weit genug geht, wir müssen die Diskussionen weiter voran treiben. Manchmal glaubte ich schon "einsamer Rufer in der Wüste" zu sein. Doch nun kann Ihr Beitrag wunderbar in eine Masterarbeit einfließen, welche momentan von uns betreut wird.

Weiterhin wird es mir ein großes Vergnügen sein, Ihre Argumente mit den meinen zu verknüpfen und weiterhin durch die Lande zu ziehen und jedem denn Sinn oder auch Unsinn von guten/ungenügenden Planungen, von der Verantwortung aller für ein Gebäude bis hin zur Einregulierung und Optimierung in den ersten Betriebsjahren zu erklären. Wie oft war ich bei Planer-/Bauherrengesprächen dabei und mußte ohnmächtig hören, wie unwichtig ein energiesparendes Betreiben wäre. Nun ist es toll einen Mitstreiter zu wissen, welcher durchaus den Finger in die Wunde legt.
Dem Kommentar von Hans Kranz ist nichts hinzu zu fügen. Lassen Sie uns einfach weiter machen.

Bernd Richter
Bernd Richter 18.07.2012

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