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31. März 2017 Autor: Hans Kranz
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Voraussetzungen für Systemkombinationen

Sicherungstechnische Grundanforderungen
Neben den technischen Möglichkeiten und dem Nutzen haben Kopplungen insbesondere bei Sicherheitssystemen auch Grenzen. Wir müssen untersuchen, wo gekoppelte, multifunktional genutzte Einheiten einen Gewinn an Sicherheit durch bessere Transparenz der Vorgänge bieten können, natürlich bei vertretbaren Kosten. Genauso müssen wir feststellen, dass Kopplungen aus Sicherheits- und Versicherungsgründen bestimmten Restriktionen unterliegen. Der VdS initiierte daher ein von allen in der Sicherungsbranche getragenes Protokoll zur Übertragung von Meldungen und Befehlen über die unterschiedlichsten Übertragungswege und -netze (z. B. TCP/IP). Gemeinsam mit Herstellern, Errichtern und Dienstleistern schuf er die Richtlinie VdS 2465 „Übertragungsprotokoll für Gefahrenmeldungen“; daher auch die umgangsprachliche Bezeichnung „VdS-Protokoll 2465“. Das Protokoll ist damit als nicht-proprietär einzustufen. Entsprechend dem Aufbau einer Alarmübertragungsanlage in der EN 50136 „Alarmanlagen - Alarmübertragungsanlagen und -einrichtungen“ werden in der VdS 2465 die Schnittstellen S1 bis S4 definiert.
Spezialisiertes Anwendungswissen
Große Vielfalt und Komplexität erhöhen die Anzahl der Abhängigkeiten. Der arbeitsteilige Prozess bei Inbetriebnahme, Abnahme und langjährigem Betrieb und Service umfasst immer mehr Menschen, die sich bei Nutzungsänderungen permanent über diverse Schnittstellen verständigen müssen.
Eine "Integration" scheitert sicherlich nicht daran, dass die Technik fehlerhaft wäre, sondern an der fehlerhaften Anwendung durch den Menschen in allen Phasen der Prozesskette, der Planung, Projektierung, Errichtung, des Betriebes und natürlich des ganz unterschiedlichen Applikations-Know-hows.
So ist es leicht erklärlich, dass bisherige Ansätze zur Integration verschiedener Funktionen bzw. Systeme auf einzelne Hersteller bzw. Anlagenerrichter beschränkt blieben.

Der rechtliche Aspekt


Produkthaftung
Kommt es in Zusammenhang mit einer Kopplung oder Integration von Systemen zu Meldungsversagen, Fehlfunktionen oder sonstigen Störungen, stellt sich die Frage der Haftung für die daraus resultierenden Schäden. Dies ist nicht nur eine Frage der vertraglichen Haftung bezogen auf die Gewährleistungspflichten der einzelnen beteiligten Unternehmen, es geht auch um die Produkthaftung. Eine Schadenersatzpflicht kann sich aus der deliktischen Produkthaftung nach § 823 Abs. 1 BGB (verschuldensabhängig) und aus dem Produkthaftungsgesetz (verschuldensunabhängig) ergeben. Die Produkthaftung führt zu einer gesamtschuldnerischen Haftung aller beteiligten Hersteller.
Offen ist die Frage der Zuordnungsmöglichkeit der Verursachungsanteile für Schäden. Die Risikolage ist ungewiss, da technisch kaum eine Möglichkeit besteht, nachzuweisen, wer den Schaden aus einem Meldungsversagen verursacht hat. Ein "Fremdsystem" kann eine unbegrenzte Quelle von Störungspotenzialen sein. Eine Kombination oder Integration von Sicherungs- und Meldeanlagen mit anderen Systemen ist erst dann akzeptierbar, wenn alle Fremdeinflüsse auf die Gefahrenmeldetechnik rückverfolgbar, nachweisbar und dokumentierbar sind, denn hier geht es um die höchsten Rechtsgüter wie Leib und Leben.

Pflichten des Systemintegrators oder Errichters
Haftungsrechtliche Risiken aus der Produkthaftung, z. B. mit Blick auf bestehende Produktbeobachtungs- und Instruktionspflichten bestehen insbesondere dann, wenn diese Produkte nicht für eine Kombination durch "Dritte" (Systemintegratoren oder Errichterfirmen) konstruiert wurden. Der Drittunternehmer kann im Rahmen der Produkthaftung zur Verantwortung gezogen werden. Er haftet für die Auswahl der verwendeten Produkte und deren Kompatibilität. Er muss seine oft immateriellen Leistungen (z. B. Software) überwachen und über den Produktlebenszyklus hinweg prüfen, ob Fehler auftreten. Die rechtlichen Gefahren, die sich mit einer Systemintegration durch Dritte ergeben, lassen sich nur schwer vorhersehen. Das gilt nicht nur für Integrationen oder Kopplungen von sicherheitstechnischen Einrichtungen untereinander, sondern insbesondere auch bei Kombinationen der Gefahrenmeldetechnik mit Einrichtungen der Gebäudeautomation und bei Verwendung der Gebäudeautomation für Gefahrenmeldungen der Sicherungstechnik. Daneben gelten die öffentlichen Schutzaspekte für personenbezogene Daten nach dem Bundesdatenschutzgesetz, wenn Zutrittskontroll- und Zeiterfassungssysteme mit betroffen sind.
Nicht Vorstellungen idealer technischer Möglichkeiten sollten die weitere Entwicklung bestimmen, sondern der nüchterne Blick auf letztlich immer wieder menschliche Unzulänglichkeiten.

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