14. Dezember 2016 Autor: Rudi Flohrschütz

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  • Das „N-Wege“-Ventil - die Einordnung nach „Wegen“ führt in die Irre
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Das „N-Wege“-Ventil - die Einordnung nach „Wegen“ führt in die Irre

Eigentlich sollten Begriffe in der Technik ja Missverständnisse vermeiden helfen. Leider ist oft das Gegenteil der Fall. Im folgenden Beitrag geht es um Regelventile in Heiz- und Kühlkreisläufen. Rudolf Flohrschütz möchte ihre Bezeichnung präzisieren. Ein Diskussionsbeitrag.

Das oft zitierte „3-Wege“-Ventil bietet de facto höchstens zwei Wege, das gute alte „4-Wege-Ventil“ am Heizkessel eigentlich auch nur zwei. Und ein Durchgangsventil kann kein „2-Wege“-Ventil sein. Auch beim „6-Wege“-Kugelhahn für die Bedienung von Heiz-/Kühl-Endgeräten an Vierleitersystemen handelt es sich zwar um eine Armatur mit sechs Anschlüssen, aber nicht mit sechs Wegen für die Medien. Genau genommen gibt es nur einen Weg, und zwar den zum Verbraucher, den einmal das Kalt- und einmal das Heizwasser nimmt. An diesen Beispielen ist schnell zu erkennen, dass die Einordnung nach „Wegen“ (engl. pass) in die Irre führt.

Alternativen
Unstrittig ist zunächst die Zahl der Anschlüsse eines Ventils, denn die kann man zählen. Diese Zahl allein hilft allerdings nicht viel weiter. Die Nennung der Funktion dagegen schon.
Die Begriffe Beimisch-, Verteil-, Durchgangs- oder Umschaltventil beschreiben recht anschaulich, was diese Ventile funktional eigentlich tun sollen.
Die Nennung der Anzahl der Wege führt dagegen oft in die Irre. Sinnvoller wäre eine Bezeichnung nach der Anzahl der Ein- und Ausgänge: zum Beispiel 3E/3A- (oder englisch 3I/3O-) Ventil, immer in Verbindung mit der Funktion.

Nachfolgend eine Übersicht der gängigsten Erscheinungsformen mit ihren häufig gebrauchten Bezeichnungen. Und in der letzten Spalte der Vorschlag für die neue Bezeichnung. Sollte es einen hierzu tagenden Normenausschuss geben, möge dieser Vorschlag dem Gremium empfohlen sein:

Übersicht der gängigsten Erscheinungsformen von Ventilen mit Stellantrieb mit ihren geläufigen Bezeichnungen und den Vorschlägen für die neuen Bezeichnungen (Abb. Flohrschütz) Zum Vergrößern auf das Bild klicken!Übersicht der gängigsten Erscheinungsformen von Ventilen mit Stellantrieb mit ihren geläufigen Bezeichnungen und den Vorschlägen für die neuen Bezeichnungen (Abb. Flohrschütz) Zum Vergrößern auf das Bild klicken!
 Autor
Dipl.-Ing. Rudolf Flohrschütz, Beratender Ingenieur VDI

Artikelnummer: cci52181

Kommentare (3):

Da die Bezeichnung "3-Wegeventile" schon immer in die Irre führte, haben wir seit Jahrzehnten in unseren Ausschreibungen und später in den Gutachten nur Durchgangsregelventile, Mischventile und Trennventile, Umschaltventile benannt. Bei Ventilen mit vier Anschlüssen (falsch: "Vierwege"), hatten wir dann Probleme mit der Bezeichnung und diese Regelventile nur zugelassen, wenn ein davon Überzeugter und erwiesenermaßen Kundiger einer guten Fachfirma dieses unbedingt einsetzen wollte und dies dann auch funktionierte.

Bei sehr großen Volumenströmen über DN 200 haben wir auch erfolgreich mit Drehzahlgeregelten Pumpen Temperaturen geregelt und mit Klappen Volumenströme abgestellt.

Ich denke das 3E/3A-Bezeichnungen keine für alle klare Bezeichnung sein wird und verständliche Worte besser sind und diese in unserem Land in "deutsch". Es wird immer so sein, dass unsere Anlagenteile von Nichttechnikern, wie Kaufleuten oder Juristen, betrachtet und benannt werden müssen.
Dipl.-Ing. Reinhard Siegismund, Sachverständigenbüro 09.02.2017
"Eigentlich sollten Begriffe in der Technik ja Missverständnisse vermeiden helfen."
Daher sollte auch zwischen "Regelventilen" und Stellventilen unterschieden werden.
N-Wege-Ventile sind keine Regelventile, sondern Stellventile. Sie werden nicht geregelt, sondern mit einem Stellsignal ge- oder verstellt.
Thermostatventile, d. h. selbsttätig wirkende Ventile können als Regelventile bezeichnet werden.

Übrigens: Gibt es in der TGA wirklich drehzahlgeregelte Pumpen? Auch hier wird die Drehzahl nicht geregelt, sondern als Folge verstellter Frequenz/Spannung verändert.
Dr. Til Brandi 09.02.2017
Thema: drehzahlgeregelte Pumpen:
Bei einer Klimaanlage für Messehallen hatten wir, wegen der gigantischen Leistungen Rohranschlüsse DN 250 und DN300 und die Regelventile sollten sehr teuer sein. Wir hatten damals Umwälzpumpen, ich glaube Wilo, mit FU von Danfoss ausgestattet und so zumindest den Wärmerückgewinn geregelt. Da hat auch gut funktioniert. Natürlich bei der Planung vorher mit Rückfrage beim Pumpenhersteller. Die Pumpe brauchten wir sowieso und der FU war in der Preisklasse bei 12.000 DM und die Regelventile sollten 45.000 DM kosten. Bei der selben Anlage hatten wir dann auch Stellklappen mit Stellmotor für Umschaltungen und Absperrungen verwandt.

Das Wort Stellventil oder Stellklappe für Stellaufgaben halte ich für sehr hilfreich und klar.

Ich hoffe wir haben hiermit geholfen Missverständnisse zu vermeiden und das wird in Regelwerke umgesetzt und in den Katalogen verwandt.

Freundliche Grüße Reinhard Siegismund
Reinhard Siegismund 11.02.2017

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