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16. August 2017 Autor: Dr.-Ing. Manfred Stahl

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  • Kompakte Luft-Wärme-Zentrale: Wie revolutionär ist diese Heiztechnik tatsächlich?
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Kompakte Luft-Wärme-Zentrale: Wie revolutionär ist diese Heiztechnik tatsächlich?

Die Stiebel Eltron GmbH hat eine "Revolution in Sachen Heizungsanlage" angekündigt, durch die Bauherren in Neubauten auf Heizkörper und Fußbodenheizung verzichten können. Die Redaktion hat geprüft: Wie revolutionär ist diese Revolution tatsächlich?

Die neue Lüftungs-Heiz-Zentrale "LWZ 604 Air" von Stiebel Eltron (Abb. Stiebel Eltron)Die neue Lüftungs-Heiz-Zentrale "LWZ 604 Air" von Stiebel Eltron (Abb. Stiebel Eltron) Bei Niedrig-, Niedrigst- und Passivhäusern mit ihrer hohen Energieeffizienz, geringen Energieverlusten und niedrigen Wärmebedarfen lohnt es sich, über neue Systemlösungen nachzudenken, schreibt Stiebel Eltron, und weiter. „In gut gedämmten Häusern ist normalerweise immer eine kontrollierte Wohnungslüftungsanlage nötig, um den hygienisch und bauphysikalisch wichtigen Mindestluftwechsel sicherzustellen. Aber die Lüftungsanlage kann hier noch eine zweite Aufgabe übernehmen, nämlich die Verteilung der Heizwärme im Gebäude. Die Menge Luft, die ohnehin umgewälzt werden muss, reicht völlig aus, um auch den Wärmetransport zu übernehmen.“ Dazu verweist das Unternehmen auf die neue Luft-Wärme-Zentrale "LWZ 604 Air", eine Kombination aus kontrollierter Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung und Wärmepumpe. Diese Evolution erlaube es, ausschließlich durch Warmluft das Gebäude zu beheizen und komplett auf herkömmliche Heizungsanlagen zu verzichten, so Stiebel Eltron.

Die Prüfung
Auf Anfrage erhielt die Redaktion von Stiebel Eltron folgende Daten zum "LWZ 604 Air"-Gerät, die in der Presseinformation nicht enthalten waren:
- Nennluftleistung 300 m³/h
- Nennwärmeleistung der Wärmepumpe 3,5 kW (bei A-7/W55).

Laut Stiebel Eltron ist die "LWZ 604 Air" nicht reversibel auf Kühlbetrieb umstellbar, denn (O-Ton) „das ist auch nicht sinnvoll, da im Gebäude ja keine ‚Kühlflächen‘ (im Heizfall Heizflächen) zur Verfügung stehen und aus hygienischen Gründen auf keinen Fall gekühlte Luft durch das Verteilsystem geführt werden darf“.

Anmerkung der Redaktion
Eine solche Aussage ist der Redaktion neu: Dasselbe Luftverteilsystem soll nicht für warme und kühle Zuluft verwendet werden dürfen?

Zurück zur Revolution. Eigentlich ist das System eine Variante einer Luftheizung, die es schon seit Jahrhunderten gibt. Doch mit welchen Zulufttemperaturen muss das Gerät betrieben werden, um den Wärmebedarf eines Wohnhauses zu decken? Dazu eine Beispielrechnung mit einigen Annahmen:

  • Annahme 1: Mit dem Gerät werden ausschließlich die Wohnräume (Wohnen, Schlafen, Kinderzimmer) mit Zuluft versorgt. Diese haben eine angenommene Fläche von 80 m² und ein Volumen von 200 m³.
  • Annahme 2: Aus dem Raumvolumen von 200 m³ ergibt sich bei der maximalen Zuluftmenge von 300 m³/h ein 1,5-facher Luftwechsel beziehungsweise ein Zuluftvolumenstrom von 300 m³/h : 80 m² = 3,75 m³/h je m².
  • Annahme 3: Über das Wirken der inneren Wärmequellen in den Räumen (Personen, Geräte usw.) hinaus besteht noch ein durchschnittlicher Restwärmebedarf von 20 W/m². Die Raumtemperatur beträgt im Winter 21 °C.
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Artikelnummer: cci59027
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Kommentare (3):

Sehr geehrter Herr Dr. Stahl!

Für mich stellen sich zu dieser Art von Heizung mehrere Fragen:

Wie ist es mit der Gefahr einer Vereisung des Wärmetauschers bei niedrigen Aussentemperaturen?
Wie werden die Räume bei einer Vereisung des Tauschers beheitzt?
Woher hat die Wärmepumpe die Wärmeenergie? Aus dem Fortluftstrom?
Bei einer Kaskadenlüftung wird die Frischluft wie in Annahme 1 in die Wohnräume eingebracht und strömt dann über. Entsprechend würde sich auch das Temperaturgefälle einstellen. In den Schlafräumen ist aber meistens niedrige Temperatur erwünscht.

LG
Kurt Schrögendorfer
kurt.schroegendorfer@ordensklinikum.at
Kurt Schrögendorfer 17.08.2017
Hallo Herr Dr. Stahl,

die Probleme der Luftverteilung im Gebäude sind sicher ungleich größer, als die der Wärmeerzeugung.
Den angesprochenen "guten" Dralldurchlässe für die relativ geringen Luftvolumenströme habe ich nicht gefunden. 50 Pa Vordruck und Geräuschpegel von 30-35 dB bei Nennlast sind nicht akzeptabel. (Auch 30 dB im Schlafzimmer sind noch zu viel musste ich feststellen). Bedeutet, daß eine Luftverteilung so nicht funktioniert. Bei Fußboden-Durchlässen ebenfalls nicht, da die Temperaturdifferenzen zu hoch sind. Weiterhin fehlt auch die inividuelle Raumregelung, nicht nur kühles Schlafzimmer, sondern auch warmes Bad ist sicherlich immer gewünscht.

MfG
R. Tschersich, Hubert Niewels GmbH
Rolf Tschersich 17.08.2017
Liebe Mitleser, hallo Herr Dr. Stahl,

beide vorstehenden Kommentare sind sehr zutreffend und zeigen einige der Probleme, die richtig gelöst sein wollen. Gibt des gute Drallauslässe für so kleine Luftmengen? Ich kann aber ergänzen: Bei einem 1,5-fachem Luftwechsel muss die Warmluft sehr gezielt und trotzdem zugfrei, wirksam eingeblasen werden, damit gleichmäßig geheizt wird. Schlitzauslässe vor den Fenstern an der Decke oder im Fußboden? Was ist dann mit den Vorhängen?

Als Sachverständige bekommen wir solche und ähnliche Systeme für Wohnhäuser aber auch Geschäftshäuser immer wieder zur Begutachtung, z.B. einmal als Wärmequelle allein die Abluft aus dem Haus. Da dadurch Unterdruck entstand musste viel Außenluft durch Nachströmventile nachströmen, ist diese Wärmepumpe sehr unzureichend gewesen. Der Tauchsieder im Pufferspeicher heizte mehr als die Wärmepumpe! Und deshalb im Stromverbrauch teuer.

Dann Frost im WC, weil dort eine warme Zuluft für unnötig gehalten wurde und trotzdem jemand im Winter das Fenster geöffnet hat: Da dieses Haus groß war, waren auch viele "unbedeutende Nebenräume" wie Flure und WCs nachzurüsten.

Zu hohe Luftgeschwindigkeit in den Rohren, da ein Heizungsfachmann jetzt auch Lüftung als Handwerker plante, der Begriff "Heizung-Lüftung" ist bei vielen Betrieben da verführend. Das Nachmessen ohne Messdüse ließ die zu geringe Luftmenge nicht erkennen.

Was wird dabei aus der gewünschten "Einzelraumregelung"?

Dann wäre vielleicht gleich eine VRF Anlage, auch mit Warmwasserbereitung, zweckmäßiger und wirklich sinnvoll. Aber die vorerwähnten "Nebenräume" müssen zumindest einen kleinen Wärmeaustauscher erhalten. Die Lüftung mit WR bleibt dann aber auch meist noch erforderlich.

Da dann das Berechnen des Rohrnetzes immer detaillierter erforderlich wird, sind viele Planer und Installateure dann überfordert und wieder ist der Sachverständige vom Gericht gefordert. Es gibt auch Leute, die dann die Tropfwasserleitungen vergessen! Wobei dann oft auch die Sachverständigen, insbesondere wenn nur für "Heizung-Lüftung" zuständig, schnell an seiner fachlichen Grenze.

Den schönen farbigen Prospekten mit glücklich aussehenden Menschen in wohlig temperierten Räumen darf man als Endverbraucher aber auch als Fachmann nicht verfallen, stets muss der Sachverstand wach bleiben. Leider lassen viele Verkäufer, dabei auch "Verkaufsingnieure", diese Probleme oft unerwähnt. Leider muss der Heizungs-Lüftungsfachmann dann auch die "Kälte" ausreichend beherrschen.

Deshalb mein Vorschlag: liebe Kollegin, lieber Kollege: werden Sie sachverständig und dann ö.b.u.v. Sachverständiger! Auch neben dem eigenen Planungsbüro oder der Installationsfirma. Eine Mitarbeit und Praktikum für gute Fachingenieure bis zum Sachverständigen ist möglich, auch in meinem Büro.

Freundliche Grüße Reinhard Siegismund,
Bad Vilbel bei Frankfurt am Main, Gutachter@Siegismund.de
Reinhard Siegismund 21.08.2017

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