29. Januar 2020 Autor: Jens Amberg

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  • Grundlagen: "Klimaluft-Contracting"
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Grundlagen: "Klimaluft-Contracting"

Betreiber von Lüftungs- und Klimaanlagen wissen, dass die erwärmte, gekühlte oder anderweitig aufbereitete Raumluft nicht kostenlos ist. Neben der Investition gilt: Die Ventilatoren sind große Stromkonsumenten, und die Wasserverbräuche fallen ebenfalls ins Gewicht. Hinzu kommen Material- und Dienstleistungskosten für Wartung und Instandhaltung sowie für Regelung und Überwachung. Daher stellen manche Unternehmen ihre Klimaluftversorgung nicht mehr durch den Betrieb einer eigenen Anlage sicher, sondern per „Klimaluft-Contracting“. Der Beitrag erklärt die Dienstleistung und nennt zwei Referenzen.

(alle Abb. © Luftmeister)(alle Abb. © Luftmeister) Schema Klimaluft-Contracting EnercitySchema Klimaluft-Contracting Enercity Simulatoren Lufthansa Aviation Training BerlinSimulatoren Lufthansa Aviation Training Berlin Schema Klimaluft-Contracting Lufthansa Aviation Training Berlin  Schema Klimaluft-Contracting Lufthansa Aviation Training Berlin Ältere Lüftungs- und Klimaanlagen sind oft wenig effizient. Sie haben einen hohen Energieverbrauch, und die einzelnen Komponenten sind nicht optimal aufeinander abgestimmt. Es entstehen unnötige CO2-Emissionen, die das Klima belasten. Eine energetische Optimierung kann hier zu erheblichen Effizienzsteigerungen führen. Einsparcontracting oder Einspar-Partnerschaft können in diesem Fall die richtigen Lösungen sein. Der Contractor analysiert den Energieverbrauch und erarbeitet ein maßgeschneidertes Konzept. Die notwendigen Investitionen und Einsparmaßnahmen werden über die eingesparten Energiekosten in den Vertragsjahren zurückgeführt. Damit finanzieren sich die Projekte quasi von selbst. Das Unternehmen profitiert von einer vertraglich garantierten Energieeinsparung, ohne dass es eigenes Kapital einsetzen muss.

So funktioniert das Einspar-Contracting

Beim Einspar-Contracting profitiert der Kunde zunächst von der verbesserten CO2-Bilanz und nach Ende der Vertragslaufzeit vollumfänglich von den geringeren Energiekosten. Im Durchschnitt sparen Kunden so rund 30 % Energie ein.
Der Ablauf des Projekts wird mit dem Kunden gemeinsam festgelegt. Nach der Bestimmung geeigneter Anlagenbestandteile folgt die Abschätzung der Einsparpotenziale. In einer Detailstudie werden die abgeschätzten Einsparpotenziale präzisiert, die entsprechenden Maßnahmen ermittelt sowie die Wirtschaftlichkeit berechnet. Nach Abschluss des Einspar-Garantievertrags erfolgt die Umsetzung der Maßnahmen entsprechend der Wirtschaftlichkeit. Sobald alle Maßnahmen implementiert sind, beginnt die im Vertrag vereinbarte garantierte Einsparung. Im Rahmen einer Qualitätskontrolle erfolgen ein kontinuierliches Reporting und eine stetige Optimierung.
Für Kunden, die sofort die wirtschaftlichen Vorteile genießen möchten, bietet sich das Konzept der Einspar-Partnerschaft an. Bei dieser Variante profitiert der Kunde bereits nach Umsetzung der Maßnahme durch geringere Energiekosten – garantiert über die gesamte Vertragslaufzeit!
Der Contractor übernimmt die Verantwortung für die Technik der Energiezentralen der Kunden und liefert Wärme, Kälte oder Luft. Möglich sind die Wartung, Reparatur und der Betrieb von Wärme- und Kälteerzeugungs- oder Lüftungsanlagen, wobei sich die Anlagen im Besitz des Kunden oder im Besitz des Contractors befinden, der dann die Neubau- oder Modernisierungskosten trägt und als Eigentümer der Energieerzeugungsanlage fungiert.
Je nach Vertragsgestaltung übernimmt der Contractor den Kauf, die Pacht oder den Bau zentraler Wärme-, Kälte-, Lüftungs- und Klimaanlagen, wobei die Laufzeit 5 bis 20 Jahre beträgt. Der zu entrichtende Preis setzt sich aus den verbrauchsunabhängigen Kosten (dem Grundpreis) und den verbrauchsabhängigen Kosten (dem Arbeitspreis für Wärme, Kälte oder Lüftung) zusammen. Vertraglich sichert der Contractor die Lieferung einer bestimmten Luftmenge, Mindest-Lufttemperatur, Kälte oder Mindest-Kaltwassertemperatur zu und ist für die Vorhaltung der hierfür nötigen Anlagentechnik zuständig. Die Liefergrenze befindet sich dabei jeweils zwischen der Medienbereitstellung (Kälteverteiler, Zuluftleitung ) und dem Mediennutzer. So besteht zwischen der Luftaufbereitung und der Luftnutzung eine klare Grenze: Beim Klimaluft-Contracting befindet sich die Klimaanlage in alleiniger Verantwortung des Contractors. Wartung, Instandhaltung und Regelung der Klimaanlage sind Aufgabe des Contractors. Der Nutzer (Contractingnehmer) empfängt nur die aufbereitete Zuluft und gibt die Abluft wieder ab. In der Vergangenheit wurden gelegentlich Contractingprojekte aufgesetzt, die eine Grenzziehung bei den Primärzählern (Strom, Warm- und Kaltwasser) vorsahen. Hier war keiner zuständig.
Beim Contracting von Lüftungsanlagen und in Lüftungsanlagen integrierte Kälteanlagen sind spezifische Probleme zu beachten. So ist Luft nicht mit herkömmlichen wasserseitigen Energiezählern messbar, und Luftvolumenstrommessungen sind für Abrechnungen nicht zulässig. Daher müssen eichfähige Luftenergiezähler in die jeweilige Zuluftleitung eingebaut werden. Dazu gehen die Contractoren Partnerschaften mit entsprechenden spezialisierten Anbietern ein. Im Folgenden wird exemplarisch die Lösung des Messsystemanbieters Luftmeister GmbH, Kirchzarten, erläutert.

Das Messsystem „Luftenergiezähler“

Das Messsystem „Luftenergiezähler“ von Luftmeister erfasst den Luftmassenstrom in der Zuluftleitung sowie in Zuluft und Außenluft jeweils die Enthalpie. Auf dieser Basis werden die folgenden Verbrauchswerte in gesonderte Zählerregister geschrieben:
- Luftverbrauch („Luftzähler“, Volumen pro Nutzer, z.B. in m³)
- Luftseitig gelieferte Wärmeenergie (Erwärmung der Luft, positiver Energiezähler, Wärmeenergie pro Nutzer, z.B. in kWh)
- Luftseitig entzogene Wärmeenergie (Kühlung der Luft, negativer Energiezähler, „Kälteenergie“ pro Nutzer, z.B. in kWh)

Während einer Referenzbetriebszeit vergleichen Contrator und Contractingnehmer gemeinsam, welche Verbrauchswerte in den oben dargestellten Zählern entstehen – und wie diese kostenseitig mit den Primärzählern (Strom, Warm- und Kaltwasser usw.) in Zusammenhang gebracht werden können. Auf dieser Basis einigt man sich auf drei Übergabepreise:
- Luftmengenpreis: ct/m³ (Luftzähler)
- Luftwärmepreis: ct/kWh (positiver Energiezähler)
- Luftkühlungspreis: ct/kWh (negativer Energiezähler)

Klimaluft-Contracting ist ein Garant für Nachhaltigkeit. Denn durch die Trennung von Luftaufbereitung und Luftnutzung hat jeder Beteiligte einen Einsparwillen: Verbraucht der Contractingnehmer weniger, hat er geringere Kosten. Gelingt es dem Contractinggeber, die Effizienz seiner RLT-Anlage zu erhöhen, z.B. durch Umbauten oder eine bessere Regelung, hat er einen höheren Projektgewinn.

Projekte

Zwei Klimaluft-Contractingprojekte der Contractoren Enercity Contracting GmbH, Hannover, sowie der Getec Contracting GmbH, Osnabrück, sollen exemplarisch vorgestellt werden. In beiden Fällen wurde der „Luftenergiezähler“ als messsystem eingesetzt.

Contractor: Enercity Contracting – Projekt: Ringcenter Braunschweig

Die Bestands-RLT-Anlage liefert ca. 80.000 m³/h aufbereitete Luft an mehrere Geschäftsflächen. Bislang erfolgte die Abrechnung über den Flächenschlüssel. Minderversorgungen führten nicht zu Kostenkorrekturen. Zugleich führten Leerstände zu einer einseitigen Belastung des Betreibers. Im Oktober 2019 erfolgte die Umrüstung auf "Luftenergiezähler", die nun neben der Verbrauchsmessaufgabe dazu beitragen, dass die RLT-Anlage effizienter geregelt werden kann.
Die Regelung erfolgt über die Anwendung „RLT-Controlling“, bei der vor und nach jeder Aufbereitungsstufe ein Enthalpiefühler gesetzt wird. So wird das tatsächliche thermische Verhalten der RLT-Anlage in jedem Betriebszustand deutlich. Verbunden mit einer energetischen Simulation werden Effizienzlücken in der Regelung detektiert – eine Vorlage für die Anpassung der Regelalgorithmen.

Contractor: Getec – Projekt: Lufthansa Aviation Training Berlin


Die Bestands-RLT-Anlage liefert ca. 12.500 m³/h aufbereitete Luft an mehrere Flugsimulatoren, die der Pilotenausbildung dienen. Bislang erfolgte der Anlagenbetrieb in Verantwortung der Lufthansa. Lufthansa Aviation Training Berlin überprüft, im Rahmen eines möglichen Luftenergie-Contracting die gesamte RLT-Anlage an einen Contractor zu übergeben, sofern eine entsprechende Wirtschaftlichkeit erfüllt wird. Dazu wurde im Sommer 2019 eine "Luftenergiezähler"-Messlösung installiert.

 Autor
Jens Amberg, Geschäftsführer Luftmeister GmbH, Kirchzarten

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