Künstliche Intelligenz ist derzeit noch verstärkt in der Industrie, Logistik, IT, Gesundheit und Finanzen angesiedelt. Aber auf dem 10. Hosch IQ.Wissensforum am 22. Januar war zu hören, dass sich KI auch hervorragend für TGA-Anwendungen eignet und sich auch in der BIM-Welt sehr gut umsetzen lässt. Für cci Branchenticker war Uwe Manzke (IWP Wissenschaftsredaktion) in Teltow vor Ort.
Die Zukunft der Künstlichen Intelligenz (KI) in der Gebäudeautomation ist vielversprechend. Immer klügere Algorithmen sorgen für immer smartere, effizientere und nachhaltigere Gebäude. Mit diesen und anderen Themen beschäftigten sich über 80 Teilnehmer des 10. Hosch IQ.Wissensforum am 22. Januar im Hauptquartier der Hosch Gebäudeautomation Holger Schaefe GmbH in Teltow.
Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom, Berlin, werden KI-Anwendungen vor allem dort eingesetzt, wo Datenanalysen, Automatisierung und Prozessoptimierung einen messbaren Effizienzgewinn bringen. In Deutschland sei demnach der Einsatz in der Produktion mit 42 % bereits weit verbreitet. Derzeit wird KI noch verstärkt in der Industrie, Logistik, IT, Gesundheit und Finanzen verwendet, lässt sich aber auch in der Welt von Building Information Modeling (BIM) sehr gut umsetzen. Dieses Potenzial will Hosch nicht ungenutzt lassen und reagiert mit einer hauseigenen KI-Arbeitsgruppe zur Integration von KI-Modellen in die Prozesse.
Als Referenten für das IQ.Wissensforum konnte Hosch Dr. Aljoscha Burchardt, Principal Researcher und stellvertretender Standortsprecher des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Berlin, sowie Prof. Silvia de Lima Vasconcelos gewinnen, die an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin Gebäudeenergie- und Informationstechnik lehrt.
Mit Künstlicher Intelligenz befasst sich Burchardt schon seit über 30 Jahren. Für ihn bedeutet der Begriff weit mehr als nur die aktuellen Durchbrüche der generativen KI (Anm. d. Red.: Modelle der künstlichen Intelligenz, die darauf ausgelegt sind, neue Inhalte in Form von geschriebenem Text, Audio, Bildern oder Videos zu erzeugen). Er denkt in Hybridsystemen, die generative KI etwa mit Datenbanken oder klassischer Modellierung verbinden. Antworten auf Fragen zu KI-Anwendungen für die Bauwirtschaft werden am DFKI künftig mit dem 2024 gegründeten Kompetenzzentrum „KI im Bau“ (KI.Bau) gebündelt. Das Kompetenzzentrum ist eine Initiative des DFKI in Zusammenarbeit mit Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Es wurde gegründet, um die Digitalisierung und den Einsatz von KI in der Bau- und Immobilienbranche voranzutreiben.
„Mit dem Zentrum setzen wir auch auf den Innovationshunger der Experten aus den Bereichen der TGA und Klimatechnik und natürlich der Ministerien, die bestimmte Forschungsaufgaben ausschreiben“, erläuterte Burchardt. Klassische Einsatzszenarien für eine KI seien die Analyse von Wartungszyklen und Monitoring bis hin zur Steuerung der Gebäudeautomation. Er ergänzte: „Für die TGA und Klimatechnik ist jetzt der richtige Zeitpunkt, Schwachstellen im Unternehmen zu analysieren und als KI-gerechte Anfrage zu formulieren. Je präziser die Beschreibung der Aufgabe und der KPIs ist, desto präziser kann die KI in die Prozesse eingepasst werden. Das schützt vor Enttäuschungen!“
Anschließend gab Prof. Silvia de Lima Vasconcelos Einblicke in den Stand der Digitalisierung im Gebäudelebenszyklus. Die Professorin für Gebäudeenergie- und Informationstechnik an der HTW Berlin ist im Lehr- und Forschungsgebiet Digitalisierung in der Gebäudeplanung mit den Schwerpunkten Architektur, Nachhaltigkeit, Baustoffe, Revit, BIM, Digitalisierung, Planungsprozesse, Smart Buildings und Digitale Zwillinge betraut. Sie erklärte die Rolle von BIM als integratives Werkzeug zur Planung und Betriebsoptimierung moderner Gebäude – auch mit Blick auf KI.
De Lima Vasconcelos stellte dar, wie digitale Gebäudemodelle dazu beitragen können, energie- und betriebstechnische Funktionen transparent abzubilden, qualitätsgesichert zu planen und über den gesamten Nutzungszyklus hinweg kontinuierlich zu optimieren. Analog zur KI ist die Qualität und Menge von Daten auch bei der Anwendung von BIM der wesentliche Erfolgsfaktor. Dafür liefern zunächst Architektur- und Planungsbüros, Bauunternehmen oder auch Betreiber alle nötigen Parameter, die in ein 3D-Modell überführt werden. Das Ziel: Transparenz, Planungs- und Kostensicherheit und Reduzierung von Fehlern. Bei BIM werden so nicht nur Objekte, sondern auch ihre Eigenschaften, Beziehungen sowie Prozesse und zeitliche Abläufe abgebildet.
Künstliche Intelligenz könne hier einen Mehrwert bieten. „KI wird BIM von der reaktiven zur autonom agierenden Instanz weiterentwickeln“, so de Lima Vasconcelos. Sie ermögliche nicht nur lernfähige Modelle für den Betrieb, sondern könne auch die Selbstoptimierung von Gebäuden vorantreiben, sodass Energie, Komfort, Wartung und Nutzung in ein Gleichgewicht kämen. Auch fehlerhafte oder unvollständige Daten könnten vermieden werden und gelerntes Wissen auf andere Projekte übertragen werden, um so eine Grundlage für skalierbare Gebäudeeffizienz zu schaffen.
Ein ausführlicher Bericht über das 10. Hosch IQ.Wissensforum erscheint am 4. März in cci Zeitung 3/2026.
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