Kommentar: KSP 2026 – Abschied von CO2-Minderungszielen im Gebäudesektor

Dr.-Ing. Manfred Stahl (Abb. © cci Dialog)

Der 25. März hätte zu einem zukunftsweisenden Tag für die LüKK und die TGA werden können. An diesem Tag hat die Bundesregierung das „Klimaschutzprogramm (KSP) 2026“ veröffentlicht, von dem ich mir – wie wohl viele weitere Akteure der Branche – Impulse und Weichenstellungen insbesondere für den Gebäudesektor versprochen habe. Nach Sichtung des Dokuments war ich bitter enttäuscht.

Das Klimaschutzprogramm (KSP) 2026 ist das zentrale Planungsinstrument für Maßnahmen, um die im Klimaschutzgesetz (KSG) bis 2030 vorgegebenen Minderungen von Treibhausgasen (TGH) einzuhalten. Dazu beschreibt das KSP auf 260 Seiten auf Basis von Projektionen detailliert, wie diese Ziele in den Bereichen Energie, Industrie, Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft erreicht werden sollen. Hier gibt sich die Bundesregierung optimistisch: „Die Treibhausgas-Projektionen 2025 weisen für 2030 einen Rückgang der THG-Emissionen um 63 % auf 463 Mio. t CO2-Äquivalente aus. Damit ist das Ziel von 65 % THG-Minderung gegenüber 1990 grundsätzlich erreichbar“. Allerdings hat die Regierung in den Bereichen Verkehr und Gebäude bereits weitgehend kapituliert und räumt im KSP ein, dass die für 2030 vorgegebenen THG-Minderungsvorgaben wohl deutlich verfehlt werden – kumuliert um 169 Mio. t CO2 im Verkehrs- und um 110 Mio. t CO2 im Gebäudesektor.

Wer nun allerdings erwartet hätte, dass das bei Verkehr und Gebäuden drohende Desaster durch groß angelegte Offensiven zu Emissionsminderungen zumindest gemindert wird – Pustekuchen. Nach genauer Sichtung der im KSP speziell für Gebäude vorgeschlagenen Maßnahmen war ich sehr enttäuscht. Über die bereits laufenden und allseits bekannten Programme wie die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) hinaus enthält das KSP auf 27 Seiten rund 15 detailliert beschriebene Maßnahmen. Diese haben jedoch Hochrechnungen zufolge nur geringe Einsparpotenziale. Dazu einige Beispiele aus dem KSP:

– Ausbau von Wärmenetzen: keine Angaben im KSP zu erwarteten Einsparungen
– Strompreissenkung: 1,3 Mio. t CO2 pro Jahr
– Sanierung öffentlicher Gebäude 0,22 Mio. t CO2 pro Jahr.

Hinzu kommen beispielsweise vorgesehene Erweiterungen bei Stromsparchecks, Maßnahmen beim klimafreundlichen Neubau und Förderungen von Effizienzhäusern 55 Plus, Umstrukturierungen von Gewerbegebäuden zu Wohnungen, Sanierungen im sozialen Wohnungsbau und weitere. Doch deren Wirksamkeit zur Minderung von Emissionen liegen laut KSP jeweils nur im Bereich von 0,01 bis 0,07 Mio. t CO2 pro Jahr und haben somit allenfalls homöopathische Wirkung.

Im Klimaschutzgesetz ist vorgesehen, dass die Emissionen im Gebäudesektor bis 2030 auf 68 Mio. t CO2 sinken sollen. Hierzu findet man im KSP bereits einen nach oben berichtigten Wert von 77 Mio. t CO2. Daraus folgt, dass ab 2025 (103 Mio. t CO2) bis 2030 die Emissionen jährlich um etwa 5 Mio. t CO2 sinken müssen. Hier hege ich Zweifel, dass auch dieses bereits abgeschwächte Ziel erreicht werden kann. Dazu drei Begründungen:

– Sobald wir wieder strenge Winter haben könnten, schießen aufgrund der Mehrverbräuche beim Heizen die Emissionen wieder in die Höhe.
– Im KSP ist nicht berücksichtigt, dass gemäß dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz weiterhin Öl- und Gasheizkessel installiert werden dürfen.
– Wie cci Branchenticker am 9. Februar berichtete, sind 2025 energetische Gebäudesanierungen (ohne Austausch von Heizungsanlagen) mit 0,67 % auf einen neuen Tiefstand gesunken.

Hoffnungsträger dafür, dass in Deutschland die gemäß KSG vorgesehenen gesamten CO2-Minderungen bis 2030 erreicht werden können, bleiben die Bereiche Energie und Industrie. Diese emittieren erheblich weniger Treibhausgase als geplant und können dadurch, so Projektionen im KSP, die Defizite in den Bereichen Verkehr und Gebäude kompensieren. Wenn allerdings die Industrie (hoffentlich bald!) wieder in Schwung kommt und der Ausbau der regenerativen Energien ins Stocken kommen sollte, geraten auch diese Prognosen ins Wanken – unabhängig von der derzeit ohnehin kritischen und fragilen weltpolitischen Lage und deren ungewissen mittel- und langfristigen Auswirkungen auf Industrie und Wirtschaft.

Insgesamt sehe ich in dem Klimaschutzprogramm 2026 zumindest für den Bereich Gebäude eine verpasste Chance, einen wirksamen neuen Kurs zu deutlichen Emissionsminderungen einzuschlagen. Schade.

Beste Grüße,

Dr.-Ing. Manfred Stahl, Herausgeber cci Zeitung

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