Kälte-Kolloquium 2026: Praxis und Zukunftsorientierung

Keynote-Speaker Prof. Thomas Maurer: „Auf vermeintlich disruptive Technologien würde ich nicht warten.“ (Abb. © cci Dialog)

Wie zukunftsfähig ist die Kältetechnik? Auf dem „Kälte-Kolloquium 2026“ wurde deutlich: Verdichterkältemaschinen bleiben in vielen Fällen das Maß aller Dinge. Vielmehr bringen natürliche Kältemittel, der Einsatz von KI, neue Formate im Lebensmittelhandel und strengere EU-Vorgaben Veränderungen. cci Branchenticker war vor Ort.

125 Teilnehmer sind dem Ruf von Eurovent Certita Certification, Paris, zum „Kälte-Kolloquium 2026“ am 20. April in München gefolgt. Damit war der Vortragssaal in der „BMW Welt“ bis auf den letzten Platz gefüllt. Auf der vierten Veranstaltung dieser Art ging es vor allem um Gewerbekälte im Kontext der Lebensmittelkühlung – und damit um den Anwendungsbereich, in dem die Kältetechnik mit ersten Kompressionskälteanlagen vor mehr als 150 Jahren ihren Anfang genommen hat.

Zum Auftakt des Kolloquiums erklärte Prof. Thomas Maurer, Sachverständiger für Kältetechnik und bis 2024 Laborleiter am Labor für Kältetechnik der Technischen Hochschule Mittelhessen, in seiner Keynote: „Wer heute Alternativen zur Kompressionskälte sucht oder anbieten will, muss die Grundfrage beantworten, ob damit der geforderte Temperaturhub, die geforderte Temperaturdifferenz und die benötigte Leistung geliefert werden.“ Für den Bereich von -150 bis 150 °C sprach Maurer in diesem Zusammenhang mit Verweis auf den idealen Carnot-Prozess von einer unerreichbar hohen Effizienz von Verdichterkältemaschinen. Auf vermeintlich disruptive Technologien wie die kalorische Kühlung würde er nicht warten. „Die Verdichterkältemaschine ist in den allermeisten Anwendungen die sehr deutlich überlegene Technik“, so Maurers klares Statement. Den Blick auf Nachhaltigkeit gerichtet, empfahl Maurer vor allem, den Kältebedarf zu reduzieren. Darüber hinaus dürfte die Kältetechnik der Zukunft laut Maurer vor allem durch die technische Weiterentwicklung werksfertiger Systeme geprägt sein. „Denn Standardisierung und Modularität bieten nicht nur Kostenvorteile, sondern sind auch die richtige Antwort auf den zunehmenden Fachkräftemangel“, so das Schusswort der Keynote.

Über die Keynote hinaus war das „Kälte-Kolloquium 2026“ geprägt durch Berichte zu Lösungen mit Ammoniak (R717, GWP 0), Propan (R290, GWP 0,02) und CO₂ (R744, GWP 1) als Kältemittel. Dabei haben die Vortragenden technische Innovationen, praktische Anwendungen und regulatorische Anforderungen sowie Künstliche Intelligenz besprochen. Ein ausführlicher Veranstaltungsrückblick ist für cci Zeitung 7/2026 vorgesehen, die am 9. Juni erscheint.

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