Branchenticker-Umfrage zum Jahresende: Gute Normen, schlechte Normen?

(Abb. © Zabor/stock.adobe.com)

Viele Leser berichten der Redaktion, dass sie von der Flut neuer oder überarbeiteter Normen gefrustet, genervt und überfordert sind. Daher startet cci Branchenticker zum Jahresende eine Leserumfrage zum Thema „Technische Regeln in der Lüftungs-, Kälte-, Klima- und MSR-Technik“. Wie beurteilen Sie die Bedeutung technischer Regeln für Ihre Arbeit?

Von der vielzitierten „Entbürokratisierung“ ist die LüKK noch weit entfernt – zumindest, was technische Regeln betrifft. Monatlich berichtet cci Branchenticker über neu erstellte, als Entwürfe oder Weißdrucke erschienene Normen, Richtlinien, Einheitsblätter und sonstige technische Regeln. Die LüKK-Normenliste in cci Wissensportal umfasst mittlerweile rund 360 Einträge mit insgesamt etwa 850 Teilen. 2025 gab es knapp 100 Neuerscheinungen.

„Mindestens die Hälfte der derzeit geltenden technischen Regeln in der LüKK sind veraltet, unbrauchbar oder verzichtbar“, berichtete mir unlängst ein Planer. Ein Zweiter ergänzte: „Der Kauf neuer Normen kostet viel Geld – und wo sollen wir die Zeit hernehmen, um uns in neue technische Regeln, die auch immer umfangreicher, wissenschaftlicher und unverständlicher werden, einzuarbeiten und dann umzusetzen?“

Bei allem Frust: Das Normenwesen ist irreversibel und lässt sich nicht von jetzt auf gleich reformieren. DIN-EN- und DIN-EN-ISO-Normen werden vom europäischen Komitee für Normung (CEN) erarbeitet und sind dann in den EU-Staaten verpflichtend zu übernehmen (siehe „So entstehen neue Normen“, Artikelnummer cci145779). Viele Produktnormen sind für Hersteller und Anbieter von Geräten und Anlagen verbindlich für die CE-Konformität. Demgegenüber können Anwendungsnormen im gegenseitigen (schriftlich festzuhaltenden) Einverständnis zwischen Planer, Architekt und Bauherr zugunsten individuellen Lösungen ausgeschlossen werden. Sollte es zu aber zu Klagen kommen, bilden technische Regeln und deren Einhalten stets die Grundlage für Sachverständige und Urteile.

Am komplexen und ausufernden Normenwesen kommen somit (leider?) weder Planer, Anlagenbauer noch Geräte- und Anlagenhersteller vorbei. Doch zumindest können sich Leser von cci Branchenticker innerhalb der LüKK im Hinblick auf Bedeutung, Sinnfälligkeit oder Verzichtbarkeit von Normen und Richtlinien gegenseitig helfen und Tipps geben. Daher unsere Fragen:

  • Welche drei technischen Regeln, mit denen Sie häufig arbeiten (müssen), halten Sie für

– verzichtbar?

– zu umfangreich?

– zu wissenschaftlich (wenig verständlich)?

– die Praxis kaum anwendbar?

– dringend zu überarbeiten?

Bitte nennen Sie uns dazu Beispiele, gern mit kurzen Begründungen Ihrer Meinung.

  • Haben Sie andererseits Beispiele für technische Regeln, die aus Ihrer Sicht für Ihre Arbeit „rundum gelungen“ sind?
  • Woher erhalten Sie Informationen über neue technische Regeln, die für Ihre Arbeit wichtig sind?

Wir möchten Sie herzlich bitten, an dieser Umfrage teilzunehmen und sind sehr gespannt auf Ihre Antworten und Erläuterungen. Gern können Sie auch eine allgemeine Einschätzung zu Normen und Richtlinien abgeben. Diese senden Sie bitte an manfred.stahl@cci-dialog.de. Die Redaktion wird voraussichtlich bis Mitte Januar eine Zusammenfassung der hoffentlich vielen Antworten erstellen und diese dann in cci Branchenticker veröffentlichen.

Vielen Dank vorab für Ihre Teilnahme und eine besinnliche Weihnachtszeit sowie einen „guten Rutsch“ ins neue Jahr wünscht

Dr.-Ing. Manfred Stahl

cci312946

Ein Kommentar zu “Branchenticker-Umfrage zum Jahresende: Gute Normen, schlechte Normen?

  1. Zum Thema Normen habe ich mich schon mehrmals gemeldet und wiederhole:
    Wenn man etwas zu dimensionieren hat sind diese Regeln sehr hilfreich für den Planer und später sind sie ein Hilfe, wenn die geplanten Werte kritisch auf ihre Richtigkeit zu beurteilen sind. Bei vielen Regeln sollte beachtet werden, dass vorgegeben Werte oft nur den mindestens zu erreichenden Wert oder den maximal zulässigen Wert vorgeben und nicht den Wert, nach dem man planen soll. Da in der Praxis bei der Montage oft irgendeine Kleinigkeit unzureichender ist, als angenommen, sind dann oft vorgegebene Mindest- oder Maximalwerte zum schlechteren hin unzureichend und dürfen dann bean-standet werden. Ich bin froh dass wir Grundlagen für die Berechnung der Heiz- und Kühllast, Reibungswiderstand in Leitungen aller Art, Akustik und Statik haben. Auch die vorgegebenen Luftmengen für die Küchenlüftung sind wichtig. Diese Normen sind gelungen, natürlich ist sicher etwas noch zu verbessern. Als Gutachter verwende ich oft Normen, die ich über eine Auslegestelle kopiert (gescannt) erhalte. Vor vielen Jahren habe ich einmal für die Gewerke der TGA neue Normen im Jahr mit 16.000 €/a addiert (ohne Elektro), das könnte ich mir mit meinem kleinen Büro nicht jährlich leisten. Es gibt auch Firmen und Rechtsvertreter, die bei einem Rechtsstreit dem Sachverständigen die bestrittene Norm dem Sachverständigen zusenden. Auch SV-Kollegen helfen manchmal so weiter. Normen aus den USA konnte ich einfach im Internet finden und herunterladen, denn manchmal sind auch diese in unserem Land anzuwenden. Für mich ist wichtig, wenn die Regeln einfach von Hand ohne Rechenprogramme nachvollzogen werden können, auch wenn ich dann selber ein Programm nutze.
    Allerdings die Verteilung dieser ganzen Regelwerke ist zu beklagen, weil bei der Flut von ständig nachzubessernden Regelwerken nicht nur der Zeitaufwand die zu lesen und zu merken, sondern auch die Kosten nicht zu tragen sind. Ich wiederhole aus einem älteren Kommentar: Wenn hier jede Seite mit mehr als 4 € zu bezahlen ist und wenn man gar annimmt, die englische Sprache erfordert den halben Platz, sodass jede Seite mit über 8 € zu bezahlen ist, meine ich: Hier etwas stimmt etwas nicht. Meines Wissens haben die Mitglieder des Ausschusses der die Regeln erarbeitet, ehrenamtlich zu arbeiten.
    Dass die Mitarbeit an Normen nicht bezahlt wird, führt dazu, dass vor allem die durch die Norm betroffenen Hersteller intensiv mitarbeiten und Freiberufler kaum vertreten sind. Die Mitarbeit der Hersteller ist gut und wichtig – ohne diese geht es nicht – aber die weite-ren durch die Norm betroffenen Berufe sollten mitwirken und sich das leisten können. Wir brauchen eine Lösung, wie die Erstellung einer Norm finanziert wird und wer diese Normen zu geringen Kosten erhält.“
    Der einzelne, planende Techniker, hat Mühe, diese Kosten zu erbringen. Wie wollen wir erreichen, dass diese Regeln jeder Planer beachtet, wenn er diese sich nicht einmal sich leisten kann? Wir sollten ein berufsständische Regelung schaffen, wie die Regelwerke anders finanziert werden können und die Regeln dann den dafür zertifizierten Personen und Betrieben als Mitglied der Handwerkerinnung, Ingenieur- und Architektenkammer, Industrieverband, Sachverständige, Hochschulen als Dateien zur Verfügung gestellt werden. Schon das Lesen und Verstehen aller Einzelheiten, erfordert viel Zeit und damit Geld.“
    Es gibt Fehler in Normen und zu diese muss der die erkennende Fachmann dem Normen-ausschuss und der Fachwelt über unsere Fachzeitungen melden. Eine Norm ist nicht deshalb auszusondern weil sie alt ist. Hydraulische Vorgaben vor über 100 Jahren von Hermann Rietschel oder Werte für die Luftreinhaltung von Max von Pettenkofer sind heute noch zu beachten. Und die Rechenregeln von Pythagoras überdauern alle Zeiten.
    Sicher habe ich zu viel geschrieben, für mich sind manche Regelwerke verzichtbar, aber irgendjemand hat diese für wichtig gehalten und dann gibt es manche Menschen, für dies doch geregelt sein sollte. Zu umfangreich sind einige Regelwerke, aber was entfallen könnte wage ich nicht zu entscheiden, denn vielleicht braucht dies ein anderer Mensch. Regelwerke sollten von einem Praktiker vorher dem Weißdruck gelesen werden, der wissenschaftliche Aussagen, auch für den Nicht-Akademiker, verständlicher formulieren kann. Die Regelwerke für die Kühllastberechnung sollten vereinfacht werden, oder es sollte ein sicherer Weg mit einer einfacheren Rechenweise parallel angeboten werden.
    Alles vorstehende wurde schon einmal gesagt, dann muss mein Kommentar eben gekürzt werden: Eine Norm muss nicht erneuert werden weil sie alt ist, sondern erst wenn neuere Erkenntnisse dies verlangen. Manchmal muss nur die Sprache dem neuen Sprachgebrauch angepasst werden.
    Reinhard Siegismund.

Schreibe einen Kommentar

E-Paper
E-Books