Erste Informationen zu Regierungsplänen für nachhaltige Rechenzentren

BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser: „Energieeffizienz und Abwärmenutzung sollen zentrale Bausteine der Strategie sein, wenn es um die Planung neuer Standorte geht.“ (Abb. © BEE/Rolf Schulten)

Der Koalitionsvertrag für die 21. Legislaturperiode sieht vor, Deutschland als Rechenzentrumsstandort zu stärken. Dazu ist geplant, im ersten Quartal 2026 ein erstes Strategiedokument inklusive Sofortmaßnahmen zu veröffentlichen. Über den BEE wurden nun vorab Ziele und Maßnahmen bekannt.

Das Bundesdigitalministerium (BMDS) plant eine ambitionierte nationale Rechenzentrumsstrategie. Das teilt der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE), Berlin, mit und beruft sich dabei auf einen Entwurf des Strategiepapiers, dass dem Verband vorliegen soll. Demzufolge sollen die Rechenkapazitäten bis 2030 gegenüber 2025 mindestens verdoppelt und dann vollständig über regenerative Energien versorgt werden. Zugleich solle die Abgabe von Abwärme durch eine Lockerung der gesetzlichen Vorgaben erleichtert werden. Wie genau eine solche Lockerung aussehen könnte, konnte eine Sprecherin des BEE nicht benennen

BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser sagt zu den Plänen, Energieeffizienz und Abwärmenutzung zu zentralen Bausteinen der Strategie zu machen: „Der BEE sieht hier einen wichtigen Impuls zu einem Systemwandel in der wirtschaftlichen Energieinfrastruktur.“ Es werde eine ganzheitliche Strategie entwickelt, die Investitionen in digitale Souveränität mit einer nachhaltigen und resilienten Stromversorgung koppele. „Die anvisierte Einspeisung der produzierten Abwärme in die lokalen Wärmenetze hat gleichzeitig das Potenzial, die Wärmewende deutlich zu beschleunigen”, so Heinen-Esser.

Im Rahmen eines offenen Konsultationsprozesses zur nationalen Rechenzentrumsstrategie hatte der Bundesindustrieverband Technische Gebäudeausrüstung (BTGA), Bonn, im September 2025 erklärt: „Betreiber von Rechenzentren, Wärmenetzbetreiber, Stromversorger, Standortbetreiber von Industrieparks und Kommunen sollten sich frühzeitig zu möglichen Rechenzentrumsstandorten abstimmen, die Potenziale ermitteln und gemeinsam Projekte entwickeln. Dabei sollten öffentliche Stellen wie die Bundesstelle für Energieeffizienz, das BSI, das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, die Länder und die Kommunen helfen, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, Best Practice-Lösungen zu identifizieren und baurechtliche Anforderungen zu vereinheitlichen und zu vereinfachen.“

Zentrale Ergebnisse der Konsultation vom 21. August bis 21. September 2025 hat das BMDS hier veröffentlicht. Insgesamt sind beim BMDS 152 Stellungnahmen eingegangen.

Zu den Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland hat der Rechenzentrumsexperte Dr. Ralph Hintemann, Partner and Senior Researcher der Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit gemeinnützige GmbH, Berlin, diese Woche auf LinkedIn gepostet, dass er mehr als 70 neue Großprojekte für Rechenzentren in Deutschland identifiziert hat. „Wenn diese realisiert werden, haben wir 5.500 MW an zusätzlicher IT-Leistung in Deutschland. Damit würden sich die Kapazitäten fast verdreifachen“, so Dr. Hintemann. Allerdings würden bis dahin sicher einige Jahre ins Land gehen. Aktuell geht er davon aus, dass bis 2030 in Deutschland etwa 2.000 MW an neuer IT-Leistung installiert werden können.

Wie Künstliche Intelligenz, digitale Zwillinge und adaptive Flüssigkeitskühlung den Aufbau und den Betrieb von Rechenzentren künftig prägen werden, lesen Sie unter cci314229.

cci315118

Schreibe einen Kommentar

E-Paper
E-Books