EU-Analyse empfiehlt, F-Gase von PFAS-Verboten auszuschließen

Eine neue Studie zeigt, wie PFAS die industrielle Wettbewerbsfähigkeit der EU unterstützen und welche Auswirkungen ein vollständiges Verbot oder teilweise Beschränkungen dieser Substanzen haben könnten. (Abb. © DBA/stock.adobe.com)

Kann eine neue EU-Studie eine Wende beim vieldiskutierten Ausstieg aus PFAS einleiten? Insbesondere aufgrund von Initialkosten für Wirtschaft und Industrie in Höhe von 560 Mrd. € bei einem PFAS-Verbot wird in der Untersuchung unter anderem vorgeschlagen, F-Gase von künftig möglichen PFAS-Beschränkungen auszuschließen.

Ein Verbot von PFAS und F-Gasen würde die europäische Industrie und Wirtschaft sowie deren internationale Wettbewerbsfähigkeit massiv schwächen und allein im ersten Jahr eines möglichen Inkrafttretens mehr als 560 Mrd. € kosten. Dies ist ein zentrales Ergebnis der Studie „The Per- and polyfluoroalkyl substances (PFAS) and their role as enablers in the competitiveness of European industry“ (deutsch: „Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) und ihre Rolle als Wegbereiter für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie“). Die Untersuchung hat die Fachabteilung für Transformation, Innovation und Gesundheit des Europäischen Parlaments, Brüssel, auf Anfrage des EU-Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) erstellt und im Dezember 2025 veröffentlicht.

Die Studie zeigt auf 198 Seiten, wie PFAS die industrielle Wettbewerbsfähigkeit der EU unterstützen und welche Auswirkungen ein vollständiges Verbot oder Beschränkungen von PFAS und F-Gasen haben könnten. Dabei konzentrieren sich die Analysen auf sechs wichtige Fluorpolymere und F-Gase, die in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, grüne Energie und Technologien (inklusive Kälte-/Klimatechnik sowie Wärmepumpen) und Halbleiter eingesetzt werden.

Wichtig für die Bereiche Kälte-/Klimatechnik und Wärmepumpen ist die Empfehlung der Studie, F-Gase gänzlich aus dem Geltungsbereich möglicher PFAS-Beschränkungen auszunehmen und stattdessen alle regulatorischen Kontrollen von F-Gasen in der bestehenden F-Gase-Verordnung zu bündeln: „Die derzeitige F-Gase-Verordnung deckt viele F-Gase und viele ihrer Verwendungszwecke auf individueller Regulierungsbasis ab. Zudem enthält die Verordnung bereits Mechanismen, die Aktualisierungen und Überarbeitungen gewährleisten, um den aktuellen Technologien und Alternativen in Europa Rechnung zu tragen.“ Somit enthalte die F-Gase-Verordnung bereits differenzierte Vorgaben zur Regulierung und zum Ausstieg aus der Verwendung von F-Gasen, die gleichzeitig die Entwicklung von Alternativen schrittweise fördern. Von einem PFAS-Verbot wären unter anderem die F-Gase R125, R134a, R143a und die HFO R1234yf und R1234ze(E) betroffen, die in nahezu allen aktuellen HFKW/HFO-Kältemittelgemischen mit niedrigen Treibhauspotenzialen enthalten sind.

Ein weiteres Ergebnis der Studie zeigt, dass ein Ersatz von PFAS in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Halbleiterindustrie aufgrund fehlender Alternativen derzeit nicht möglich sei. Es sollten dafür unbefristete Ausnahmeregelungen eingeführt werden, um dadurch genügend Zeit für Entwicklungen zu haben.

Darüber hinaus haben die Studienersteller berechnet, dass ein Ausstieg aus der Verwendung von PFAS der Industrie und Wirtschaft Kosten allein im ersten Jahr von etwa 560 Mrd. € verursachen würde, mit Folgekosten von weiteren rund 70 Mrd. € pro Jahr. Direkt von einem PFAS-Verbot betroffen wären in der EU etwa 39.000 Unternehmen und über 2,9 Mio. Arbeitnehmer.

Mitglieder von cci Wissensportal finden eine übersetzte Zusammenfassung der Studie unter „Anhänge“. Dort ist auch das Original der Studie zu finden. Zum Thema „PFAS“ befinden sich in cci Wissensportal mehr als 100 Meldungen und Beiträge.

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