
Chinas Regierung hat mit einem Aktionsplan einen industriepolitischen Ansatz gestartet, der auf Marktausweitung, Technologieentwicklung, Fertigungsmodernisierung und Internationalisierung von Wärmepumpen setzt. Der BWP hat das Dokument analysiert und kommt zu dem Schluss, dass der Aktionsplan den internationalen Wettbewerbsdruck auf europäische Hersteller deutlich erhöhen dürfte.
Noch im November vergangenen Jahres hat sich die Allianz „Energiewende in Europa für Europa“ beim Thema Wärmepumpen für die Stärkung der europäischen Produktion und Wertschöpfung ausgesprochen (siehe cci311024) und damit die Forderungen von Viessmann-Chef Thomas Heim (siehe cci308323) unterstützt, nur noch Wärmepumpen aus europäischer Produktion zu fördern. Nun hat die chinesische Zentralregierung einen „Aktionsplan zur Förderung einer hochwertigen Entwicklung in der Wärmepumpenindustrie“ vorgelegt, der als Top-down-Programm konzipiert ist. Er umfasst Marktausweitung, Technologieentwicklung, Fertigungsmodernisierung, Standards, Finanzierung, Netzintegration und Internationalisierung von Wärmepumpen. Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP), Berlin, hat in seinem Wärmepumpen-Blog das sechsseitige Dokument in deutscher Fassung veröffentlicht (zu finden unter „Anhänge“) und in einem ersten Step analysiert, inwiefern und warum aufgrund des chinesischen Vorhabens steigender Wettbewerbsdruck für die europäische Wärmepumpenindustrie erwartet werden kann (Anm. d. Red.: Teil 2 der BWP-Analyse soll am 23. Februar im Blog erscheinen).
Laut BWP positioniert China Wärmepumpen klar als zentrale Technologie für Energiesouveränität, CO₂-Reduktion und grünes Wachstum. Im Plan werden konkrete Zielvorgaben bis 2030 genannt. So sollen kontinuierlich bessere Fertigungs- und F&E-Fähigkeiten (Forschung und Entwicklung) erreicht werden. Ein weiteres Ziel gibt mehr als 20 % Effizienzverbesserung bei Wärmepumpenprodukten vor. Zudem fordern die Verfasser des Plans Durchbrüche bei Hochleistungs-/Hochtemperatur-Wärmepumpen, hocheffiziente Verdichter und neuartige Kältemittel. Aber auch deutlich höhere Standards für eine „hochwertige Entwicklung“ werden gefordert. „Damit geht einher, dass China sich durch diese Maßnahmen einen ausgebauten internationalen Wettbewerbsvorteil erhofft“, so der BWP.
Nach Angaben des Bundesverbands ist strategische Industriepolitik auch in der EU-Kommission mittlerweile zu einem Kernpunkt geworden. So fordert der EU-Kommissar Stéphane Séjourné: „Wir müssen ein für alle Mal eine echte europäische Präferenz in unseren strategisch wichtigsten Sektoren etablieren. Ohne eine ehrgeizige, wirksame und pragmatische Industriepolitik ist die europäische Wirtschaft dazu verdammt, nur ein Spielplatz für ihre Konkurrenten zu sein.“ Genau diese pragmatische Industriepolitik gibt es laut BWP bereits in China.
Der chinesische Aktionsplan setze auf die Ausweitung der Wärmepumpenanwendung in möglichst viele Märkte, etwa Gebäude, Industrie, Landwirtschaft und Verkehr, und strebe eine intensive Integration in moderne Energiesysteme an, so der Bundesverband. Alte ineffiziente Systeme sollen schrittweise stillgelegt und recycelt werden. Zudem wird betont, einen Fokus auf Qualität, Modernisierung und Schlüsselkomponenten zu legen. Im Vordergrund stünden verbesserte Produktgestaltung, Miniaturisierung, einfachere Installationsprozesse, smarte Fertigungstechnologien, neue Kältemittelstrategien – der Ausstieg aus FCKWs soll beschleunigt und die Forschung in natürlichen Kältemittel gestärkt werden – und digitale Modernisierung der Produktion. „Wie es scheint, plant China auch die komplexeren Teile der Wertschöpfung bei Wärmepumpen anzugehen und diese zu beherrschen. Damit zeigt sich ein Wechsel im Fokus weg von der skalierbaren Massenproduktion“, heißt es seitens BWP. „Dass chinesische Hersteller in der Lage sind, sich europäische Märkte zu erschließen, sieht man auch daran, dass mittlerweile fast jeder von ihnen auch Propan-Wärmepumpen im Angebot hat. Sie wurden innerhalb weniger Jahre eigens für den europäischen Markt entwickelt“, zitiert t-online Björn Schreinermacher, Leiter Politik des BWP.
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