Heizen und Kühlen zusammen denken

Fachtagung in Frankfurt: Links im Bild Bastian Sauermann, Geschäftsleiter Sales & Services bei Trane Deutschland, der als Moderator durch das Programm geführt hat. (Abb. © cci Dialog)

Vier Partner, ein Ziel – und der ganzheitliche Blick auf Kälte- und Wärmelösungen, Lüftungs- und Regelungstechnik. Das ist das Motto einer Reihe von gemeinsamen Kundenfachtagungen der Unternehmen Al-Ko Airtech, AuRü, Kieback&Peter und Trane Deutschland. cci Branchenticker war bei der Auftaktveranstaltung in Frankfurt dabei. Vier weitere Termine folgen.

Auf ihrer gemeinsamen Kundenfachtagung am Mittwoch, 27. Mai, in Frankfurt haben die Schwesterunternehmen Trane Deutschland, Al-Ko Airtech und Kieback&Peter zusammen mit AuRü gezeigt, wie eng Kälte, Wärme, Lüftung und Regelung heutzutage zusammenhängen – technisch wie regulatorisch. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Gebäude unter den verschärften Anforderungen aus Taxonomie, Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und Gebäudeenergiegesetz (künftig Gebäudemodernisierungsgesetz) klimaneutraler und zugleich wirtschaftlicher betrieben werden können.

Lage, Daten, Effizienz

Der übergeordnete Tenor: Nicht mehr Einzelgewerke, sondern das Zusammenspiel der Systeme entscheidet über Effizienz und Zukunftsfähigkeit. Björn Brecht, Business Development beim Gebäudeautomatisierer Kieback&Peter GmbH, Berlin, brachte diesen Ansatz auf den Punkt: „Für Portfoliooptimierungen müssen Daten verstanden werden, nicht nur gesammelt.“ In der Immobilienwirtschaft laute der Slogan daher nicht mehr „Lage, Lage, Lage!“, sondern „Lage, Daten, Effizienz!“. Daraus leitete er für die rund 75 Teilnehmer drei konkrete Handlungsempfehlungen ab: digitales Energiemonitoring etablieren, Lüftung bedarfsabhängig regeln und das Zusammenspiel der Erzeuger optimieren. Gerade Letzteres gewinne angesichts komplexerer Wärme- und Kältesysteme an Bedeutung.

Mit einer Anlage Heizen und Kühlen

Dass sich der Markt für Wärme- und Kältesysteme bereits verändert hat, verdeutlichte Jörg Taube, Key-Accounter für Wärmepumpen bei der Trane Deutschland GmbH, Oberhausen: „Im Sommer kühlen und im Winter heizen, das geht mit einer Anlage – und verursacht weniger Kosten und weniger CO2-Emissionen als mit separaten Anlagen für die Kälte- und Wärmeerzeugung.“ Exemplarisch betrachtet steige der Gesamtwirkungsgrad dadurch von 1,3 auf 3,4. Taubes Appell lautete daher: Heizen und Kühlen zusammen denken. Das gelte umso mehr für die Übergangszeiten im Frühling und Herbst, wenn mit 4-Leiter-Anlagen „maximale Energieeinsparungen“ durch das gleichzeitige Heizen und Kühlen mit nur einer Anlage erzielt werden könnten.

Retrofit von RLT-Anlagen

Energieeinsparungen waren auch das Thema von Martin Wessbecher, Produktmanager bei der Al-Ko Airtech, eine Marke der Al-Ko Therm GmbH, Jettingen-Scheppach. Er erklärte: „Bei RLT-Geräten führt gutes Retrofit in den Bereich der Leistung und Effizienz von Neugeräten.“ Um die Effizienzreserven bestehende Systeme zu erschließen, stehe an erster Stelle deren Dichtigkeit zu prüfen und gegebenenfalls wieder herzustellen. Weitere Maßnahmen: Tausch des Ventilators und die Vergrößerung der Wärmeübertragerflächen.

Gewässerschutz, Schallschutz und Standsicherheit

Mit gleich drei Themen richtete Thomas Schumski, Planerberater bei der AuRü GS Gesellschaft für Umweltschutz mbH, Schüttdorf, den Blick auf sicherheits- und umweltschutzrelevante Belange. „Wir sind die mit den Wannen, machen aber viel, viel mehr“, leitete er seinen Vortrag über Gewässerschutz, Schallschutz und Standsicherheit ein. Planern und gewerblichen Betreibern von Kälte-, Klimaanlagen und Wärmepumpen empfahl er, von Beginn an einzukalkulieren, dass die einschlägigen Gesetze und Verordnungen beim Einsatz von Anlagen mit Öl oder Glykol in der Regel eine Auffangmöglichkeit fordern.“ Für den Fall einer Undichtigkeit soll so sichergestellt werden, dass keine Betriebsstoffe ins Grundwasser gelangen . Beim Thema Schallschutz seien indes insbesondere die schärferen Nachtanforderungen häufig ein Problem für Anlagenbetreiber, so der Planerberater . Um die diesbezüglichen Anforderungen der TA Lärm zu erfüllen, brauche es immer eine individuelle Auslegung – idealerweise in enger Abstimmung mit einem Schallschutzbeauftragten seitens des Betreibers. „Denn Schallschutz gibt es nie 08/15 von der Stange.“

Standardprodukte konnte Schumski dagegen in Sachen Standsicherheit präsentieren. Für die Aufstellung von HVAC-Anlagen hat er den Tagungsteilnehmern verstellbare Stützsysteme anstelle von Stahlkonstruktionen empfohlen: „Diese sind flexibel, erfordern bei Dachaufstellungen keine Durchdringung der Dachabdichtung und können über eine Auslegungssoftware individuell entsprechend der Gewichtsverteilung sowie der zu erwartenden Wind- und Kipplasten ausgelegt werden.“

Abschluss und Ausblick

Abgerundet wurde die Fachtagung durch einen Rundumschlag von Harald Conrad. Als Fachmann für Kältetechnik und Kältemittel war der Technische Berater bei der Bertuleit & Bökenkröger GmbH, Hameln, von den Veranstaltern eingeladen, um über Hersteller- und Betreiberpflichten in Sachen F-Gase-Verordnung, drohendem PFAS-Verbot, Normen und Maschinenrichtlinien zu berichten. Er beendete seinen Vortrag angesichts der Fülle an Themen und Informationen selbstironisch mit: „Sie haben es geschafft.“

Letztlich hat die Fachtagung vor allem eines deutlich gemacht: Der Weg zum klimaneutralen Gebäude führt nicht über Einzelprodukte, sondern über integrierte Systeme, klare Verantwortlichkeiten und ein intelligentes Verständnis von Schnittstellen, Daten, und Regelung. Die nächsten Termine:

  • 11. Juni, Leipzig
  • 16. Juni, Oberhausen
  • 9. Juli, Hamburg
  • 14. Juli, Stuttgart

Die Tagungen sind anerkannt als Förderveranstaltung der Ingenieurkammer. Weitere Informationen und Anmeldung

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