Brandschutz ist mehr als Technik: Symposium betont Zusammenspiel aller Beteiligten

„Trox Belimo Symposium Brandschutz und Entrauchung“ mit rund 50 Teilnehmern im Casino der Zeche Zollverein, Essen (Abb. © cci Dialog)

Technik allein reicht nicht. Auf dem „Trox Belimo Symposium Brandschutz und Entrauchung“ vergangene Woche in Essen wurde deutlich, dass wirksamer Brandschutz nur im Zusammenspiel von Planung, Betrieb, Regelwerk und Feuerwehr funktioniert. Im Fokus standen ferner aktuelle regulatorische Veränderungen. cci Branchenticker war vor Ort.

Funktionierende und gut gewartete Anlagen sind eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für wirksamen Brandschutz. So der Tenor auf dem „Trox Belimo Symposium Brandschutz und Entrauchung“ am Donnerstag vergangener Woche (11. Juni) in Essen. Die Veranstaltung mit rund 50 Teilnehmern bildete den Abschluss einer Tour mit sieben Stationen quer durch Deutschland. Insgesamt konnten die Veranstalter Trox SE, Neukirchen-Vluyn, und Belimo Stellantriebe Vertriebs GmbH, Filderstadt, mehr als 400 Teilnehmer begrüßen.

Brandschutz ist kein Selbstzweck

Im Jahr des 75-jährigen Jubiläums von Trox und des 50-jährigen Jubiläums von Belimo Deutschland betonte Torsten Dittrich, Trox-Vertriebsleiter für Deutschland, schon bei der Begrüßung: „Brandschutz ist nur im Zusammenspiel aus Technik, Betrieb und Feuerwehr wirksam.“ Inhaltlich prägte in der Folge immer wieder der Blick auf reale Brandereignisse den Tag. Rainer Will, Vertriebs- und Beratungsingenieur bei Belimo, spannte zusammen mit André Emme, Business Development Manager und ehemaliger Planerberater bei Belimo, den Bogen von Bauordnungsrecht und Anlagentechnik bis zum Feuerwehreinsatz. Dabei konnte Emme als ehrenamtlicher Feuerwehr-Inspektor des Landkreises Harburg, Brandereignisse die Vergangenheit aus Perspektive der Rettungskräfte analysieren – von der Katastrophe am Flughafen Düsseldorf vor 30 Jahren bis zum verheerenden Ereignis in der Silvesternacht 2025/2026 in Crans-Montana.

Die Retrospektive auf viele Tote und Schwerstverletzte erzeugte Betroffenheit. Betroffenheit, aus der Überzeugung entstehen sollte, sich ernsthaft mit den im weiteren Verlauf des Symposiums bis in Details sezierten normativen und gesetzlichen Vorgaben an den Brandschutz und die Entrauchung auseinanderzusetzen. Schon seit mehr als 25 Jahren wird auf dem Symposium alle zwei Jahre gezeigt, was Planern, Errichtern und Betreibern regulatorisch und organisatorisch abverlangt wird – und was technisch möglich ist. Heute und in Zukunft.

Die neue Europäische Bauprodukteverordnung

Wie sich Regelwerke und Nachweiseverfahren verändern, zeigte Thomas Krause-Czeranka, Dozent, Autor und Inhaber eines Ingenieurbüros in Unna. Seine Kernbotschaft: Planer müssen die „europäische Sprache“ bauaufsichtlicher Nachweise für Bauprodukte verstehen. „Die Ablösung der vertrauten nationalen ,Ü’-Welt durch die europäische ,CE’-Systematik der Europäischen Bauprodukteverordnung 2024/3110 im vergangenen Jahr ist insbesondere bei Isolierungen von TGA relevant“, betonte Krause-Czeranka. Entsprechende Zuordnungstabellen sowie Planungs- und Ausführungsbestimmungen finden sich in den Anhängen 4 (Bauaufsichtliche Anforderungen) und 14 (Technische Regel der TGA) der Musterverwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB), gab Krause-Czeranka den Symposiumsteilnehmern als Empfehlung mit auf den Weg. Ziel dieser beiden Anhänge sei es, Planern und Anlagenbauern mehr Sicherheit im Umgang mit den geltenden Regelwerken und deren Anwendung im Projektalltag zu vermitteln.

In den Startlöchern: Maschinenverordnung (EU) 2023/1230

Einen weiteren Umbruch beschrieb Martin Mosters, Head of Product Area Safety Components bei Trox, mit Blick auf die neue Maschinenverordnung (EU) 2023/1230. Diese gilt ab 20. Januar 2027 unmittelbar in allen EU-Staaten und ersetzt die bisherige Maschinenrichtlinie 2006/42/EG. Die Anforderungen an die Maschinen- und Anlagensicherheit sollen damit an den aktuellen Stand der Technik angepasst werden. „Auch nach der neuen Maschinenverordnung wird es weiterhin ein Konformitätsverfahren (CE-Kennzeichnung) für TGA-Produkte geben“, erklärte Mosters. Allerdings rücken neben der bisher üblichen Risikobeurteilung (zum Beispiel Finger einklemmen oder elektrischer Schlag), dem Erstellen der erforderlichen Unterlagen und dem Akt der eigentlichen Konformitätserklärung (CE-Kennzeichnung) zusätzlich die Themen Digitalisierung und Cybersicherheit in den Fokus.

„Die neue Maschinenverordnung gilt auch für Lüftungsanlagen“, betonte Mosters unter Bezug auf deren Artikel 3. Nach diesem gilt auch eine „Gesamtheit von miteinander verbundenen Maschinen oder unvollständigen Maschinen, die so angeordnet sind, dass sie als Gesamtheit funktionieren“, als Maschine. Bei RLT-Anlagen sei das unter anderem gegeben, weil sie gemeinsam eine Funktion erfüllen (Luft fördern, konditionieren, verteilen) und über eine gemeinsame Steuerung oder sicherheitstechnische Abhängigkeiten verfügen.

RWA nach VDMA-Einheitsblatt 24001

Dass sich auch die Entrauchung von der Einzelkomponente zum System entwickelt, machte Oliver Holstein, Vertriebsleiter Ventilatoren bei der Trox X-Fans GmbH, Bad Hersfeld, deutlich. Im Mittelpunkt stand das VDMA-Einheitsblatt 24001 „Anwendung von maschinellen Rauch- und Wärmeabzugsgeräten in maschinellen Rauchabzugsanlagen“ vom September 2025, das mehr Systemsicherheit, klarere Verantwortlichkeiten und eine einheitlichere Anwendung ermöglichen soll (siehe cci305328). Holsteins Botschaft: „Nicht mehr der einzelne Ventilator steht im Zentrum, sondern das Zusammenspiel des gesamten Entrauchungssystems.“ Allerdings sei das VDMA-Einheitsblatt trotz zunehmender Anwendungszahlen noch keine allgemein anerkannte Regel der Technik. Sollte das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt), Berlin, das VDMA 24001 als solche anerkennen und künftig auf die Forderung nach einer Bauartgenehmigung der betroffenen Produkte verzichten, müsse eine entsprechende Änderung der MVV TB erfolgen.

Digitaler Produktpass kommt

In einem zweiten Vortrag richtete Martin Mosters den Blick noch einmal auf die seit Januar 2026 geltende Europäische Bauprodukteverordnung und die darin erstmals zusätzlich aufgeführten Anforderungen an Nachhaltigkeit, Marktüberwachung und Digitalisierung. Folge dieser Erweiterung ist, dass der Umfang der Verordnung von 39 auf 106 Seiten angewachsen ist. Mosters hob insbesondere den digitalen Produktpass hervor, der ab 2030 gefordert wird: „Dieser soll weit mehr leisten als eine Produktnummer und über den gesamten Lebenszyklus die Nachverfolgbarkeit bis in Chargen hinein ermöglichen.“ Dafür sind auch die Anlagenbetreiber gefordert, die den digitalen Produktpass beispielsweise im Falle eines Komponententauschs pflegen müssen.

Prüfung von RWA durch bauaufsichtlich anerkannte Sachverständige

Zum Abschluss des Symposiums unterstrich Georg Tale, bauaufsichtlich anerkannter Prüfsachverständiger für Lüftungsanlagen, Rauch- und Wärmeabzugsanlagen, Druckbelüftungsanlagen und CO2-Warnanlangen aus Bad Vilbel, wie wichtig es sei, Sachverständige frühzeitig einzubinden. Denn aufgrund des altersbedingten Ausscheidens von Kollegen sinke deren Zahl, sodass Termine nur selten kurzfristig zu bekommen seien. Zumal auch in diesem Berufsfeld Nachwuchsmangel herrsche. „Ungeachtet dessen ist die Prüfung von RWA durch bauaufsichtlich anerkannte Sachverständige ein wichtiger Baustein zur Sicherstellung der ordnungsgemäßen Nutzung solcher Anlagen“, betonte Tale. Dabei komme es auf Details an – von Sichtprüfung und Abständen bis zu Volumenstrom, Stromaufnahme, Funktionserhalt und störenden Randeinflüssen. Tale lasse sich im Zweifel auch die verwendeten Dübel und deren Bohrlöcher zur Befestigung von Rauchleitungen zeigen.

Fazit

Das Symposium machte einmal mehr deutlich: Brandschutz und Entrauchung sind keine rein technischen Gewerke, sondern eine Gemeinschaftsaufgabe mit vielen Schnittstellen. Wer Anlagen sicher planen, errichten, betreiben und prüfen will, muss nicht nur Normen und Vorschriften im Blick behalten, sondern auch Verantwortlichkeiten, Prozesse und das Zusammenwirken aller Beteiligten. Genau darin lag die zentrale Botschaft der Veranstaltungsreihe.

cci325800

Schreibe einen Kommentar

E-Paper
E-Books