Kommentar: Die deutsche LüKK-Branche als global begehrtes Asset

Thomas Reuter (Abb. © cci Dialog)

Wer die Lage der deutschen Kälte-, Klima- und Wärmepumpenbranche am Konjunkturbarometer der Bundesrepublik ablesen will, liegt falsch. Die Zahlen der VDKF-Konjunkturumfrage 2026 sind eindeutig: 68 % der Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als gut oder sehr gut. In einer Volkswirtschaft, die seit Monaten kaum Wachstumsimpulse liefert, ist das ein bemerkenswerter Befund.

Der Auftragsbestand der Fachunternehmen ist laut der aktuellen Konjunkturumfrage (siehe cci328423) des Verbands Deutscher Kälte-Klima-Fachbetriebe (VDKF) von 11 auf 13 Wochen gestiegen, die Auslastung liegt bei 93 %. Die Erklärung ist fachlich so simpel wie zwingend: Kälte und Klimatisierung sind keine zyklischen Luxusgüter, sondern kritische Infrastruktur – in Rechenzentren, in der Prozessindustrie, im Gesundheitswesen und in der Gebäudetechnik. Die Nachfrage wird nicht durch konjunkturelle Stimmungen, sondern durch strukturelle Trends angetrieben: Digitalisierung, Dekarbonisierung, Urbanisierung.

Genau diese strukturelle Verankerung macht die Branche für internationale Investoren so attraktiv. Die Marktbewertungen bei jüngsten Transaktionen untermauern das eindrucksvoll. ebm-papst, der Mulfinger Ventilatoren- und Motorenhersteller, wird mit einem Enterprise Value von 5,1 Mrd. € bewertet – eine Bewertung, die die technologische Tiefe und Marktdurchdringung des Unternehmens widerspiegelt. Dass mit Madison Air ein US-Konzern zuschlägt, der in Europa bis dato ein unbeschriebenes Blatt war, zeigt, wie stark der Drang in diesen Markt ist und, dass deutsche Ingenieurkompetenz global als Schlüsselressource verstanden wird (siehe cci328015). Die strategische Neuausrichtung von ebm-papst – Rückzug aus dem Automobil- und Hausgerätegeschäft, Fokussierung auf Ventilation und Motorentechnik – hat das Unternehmen für diesen Schritt präzise vorbereitet. Amerika wurde bereits als der Markt mit der größten Wachstumsdynamik ausgewiesen.

Bereits Anfang 2024 hatte Viessmann seine Klimasparte für rund 12 Mrd. € an Carrier Global verkauft (siehe cci202195). Binnen gut zweieinhalb Jahren also zwei milliardenschwere Verkäufe deutscher LüKK-Unternehmen an US-Konzerne. Wer darin ausschließlich einen Verlust lokalen Kapitals sieht, verkennt die Realität. Mulfingen bleibt für ebm-papst Hauptsitz, Forschungs- und Produktionsstandort; Tarif- und Betriebsvereinbarungen bleiben unangetastet. Die Investoren wollen nicht kapern, sondern skalieren. Für die Branche ist das ein Qualitätsnachweis: Ihre Technologie rechtfertigt internationale Bewertungen in Milliardenhöhe.

Zugleich bauen deutsche Unternehmen ihre eigenen globalen Standorte massiv aus. FläktGroup, mittlerweile im Besitz von Samsung, hat Mitte August ein neues Werk im indischen Pune eingeweiht – 12.000 m2 Produktionsfläche, bis zu 6.500 Einheiten pro Jahr, errichtet in nur sechs Monaten (siehe cci328246). Ziehl-Abegg investiert 25 Mio. € in ein neues Werk im Großraum Shanghai, vergrößert die Produktionsfläche auf 63.000 m2 und will die chinesische Belegschaft auf über 1.000 Mitarbeiter ausbauen (siehe cci328097). Angetrieben wird dies vor allem vom Rechenzentrumsboom und der Notwendigkeit energieeffizienter Kühlkonzepte.

So spannt sich der Bogen von der aktuellen Kälte-Klima-Konjunkturumfrage des VDKF bis nach Pune und Shanghai: Die deutsche Branche ist technologisch führend, wirtschaftlich robust und weltweit gefragt – als Lieferant, als Partner und als Asset. Dass Probleme ungelöst bleiben, versteht sich von selbst: Der Fachkräftemangel drosselt bei 39 % der Befragten  den Geschäftsbetrieb; die Kältemittelversorgung wird durch F-Gas-Verknappung und verschärfte Quoten zum managementkritischen Thema, bei dem Propan- und CO2-Anlagen noch zu selten beherrscht werden; und bei 28 % der Betriebe steht binnen fünf Jahren vor eine Unternehmensnachfolge an.

Genau diese Gemengelage – technologische Stärke bei klaren Herausforderungen – dürfte die Chillventa im Oktober in Nürnberg zu einer der spannendsten Ausgaben ihrer bisherigen Geschichte machen. Die Messe reagiert mit zusätzlichen Ausstellungsflächen auf eine Nachfrage, die das eigene Branchenbarometer widerspiegelt. Für Investoren, Fachbetriebe und Technologiescouts gleichermaßen lohnt sich der Weg nach Nürnberg – nicht, weil die Branche ohne Sorgen ist, sondern weil sie trotz aller Sorgen weltweit zu den attraktivsten Wachstumsmärkten der industriellen Technik zählt.

Mit optimistischen Grüßen

Thomas Reuter

thomas.reuter@cci-dialog.de

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2 Kommentare zu “Kommentar: Die deutsche LüKK-Branche als global begehrtes Asset

  1. Hallo Herr Reuter,

    mit großem Interesse habe ich Ihren Kommentar gelesen und freue mich natürlich über die guten Prognosen und auch über die menge an Aufträgen für unsere Branche. Leider scheint aber die Politik unser Potenzial nicht wirklich zu erkennen, als Beispiel möchte ich hierzu die Probleme bei der Ausbildung unserer neuen Facharbeiter anführen.
    Die Betriebe der Kammerbezirke Düsseldorf und Köln deren Lehrlinge zu den Berufsschulen Berthold-Brecht-Berufskolleg in Duisburg und zum Heinrich Herz Berufskolleg in Bonn entsandt werden haben in den letzten Tagen ein Schreiben vom BBBK Duisburg erhalten, das die Schule keine weiteren Auszubildenden aufnehmen kann, da die Anmeldezahlen von 239 Schülern in der Kälteabteilung erreicht seien. Das ist nun das zweite Mal in den letzten vier Jahren das diese Situation eintritt.
    Schon beim ersten Mal wurde ein Gespräch mit der Bezirksregierung Düsseldorf gesucht, um zu prüfen, wie man mit einer solchen Problematik umgehen kann. Leider ist dabei nicht viel herumgekommen, wie man jetzt wieder feststellen kann.
    Es kann und darf ja nicht sein, dass die Kältebetriebe in der Region Nordrhein Ihre Azubis nicht Ausbilden kann, weil Kapazitäten an den Berufsschulen fehlen. Das BBBK hat Wartelisten für die Betriebe eingerichtet, um Nachzügler den Berufsschulunterricht zu ermöglichen. Ich möchte betonen, dass dieser Sachverhalt nicht von der Schule zu verantworten ist, sondern vom Kultus- und vor allem vom Finanzministerium zu verantworten ist da keine zusätzlichen Stellen und Finanzmittel für die Schulen zur Verfügung gestellt werden.
    Wie Sie richtig in Ihrem Artikel feststellen, sind wir eine Branche, die in sensibler Infrastruktur tätig ist und seit Jahren ein Wachstum von ca. 5% in den Ausbildungszahlen generiert. Anscheinend wird das in der Politik nicht wahrgenommen und die Reaktion bleibt anscheinend aus.
    Wenn wir also weiter wachsen wollen in dieser Branche ist es dringend notwendig hier mehr die Nähe zur Politik zu suchen, um solche Missstände zu beheben.

    Stefan Plücker
    Plücker GmbH

    1. Hallo Herr Plücker,
      vielen Dank für Ihre Zuschrift. Sie sprechen da einen wunden Punkt und, ehrlich gesagt, auch ein ziemliches Unding an. Das mangelnde Interesse und Vorstellungsvermögen einiger Köpfe in Verwaltung und Politik gegenüber der LüKK/TGA wird in Ihrem Beispiel überdeutlich: Man (in diesem Fall Kultus- und Finanzministerium) ist noch nicht mal in der Lage, die Grundlagen dafür zu schaffen, dass sich eine für das tägliche Leben und für die Infrastruktur unverzichtbare Branche gut personell aufstellen kann. Wir kennen diese verwaltungstechnische Schwerfälligkeit aus vielen anderen Bereichen, auch in der LüKK – denken Sie nur an das Thema „Schullüftung/Schulklimatisierung“.

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