Kommentar: Nix Neues auf der Chillventa?

Peter Reinhardt, Technikredakteur (Abb. © cci Dialog)

Mehr Fläche, aber weniger große Namen. Und kaum Ankündigungen echter Innovationen. Ist die Chillventa (noch) eine Neuheitenmesse – oder eher „Place to be“ der Branche? Wer in Nürnberg genau hinschaut, könnte dennoch zufrieden sein und neue Systemlösungen, effizientere Technologien, clevere KI-Angebote, interessante Start-ups und Nützliches abseits der großen Schlagzeilen finden.

Mit der Halle 1 bekommt die Chillventa in diesem Jahr mehr Fläche. Das weckt Erwartungen. Aber entscheidend ist nicht, wie viele Hallen belegt sind, sondern was die Aussteller zu zeigen haben. Und da sind knapp zwei Wochen vor Messebeginn keine echten Neuheiten zu registrieren. Zumindest halten sich die Firmen mit entsprechenden Pressemitteilungen zurück. Eher sieht es so aus, als würden die etablierten Aussteller ihre Portfolios erweitern. Hier wird eine Serie an Wasserkühlsätzen nach oben erweitert, da die Produktreihe an Wärmepumpen nach unten ergänzt, zur Erfüllung der F-Gase-Verordnung gibt es Anpassungen bezüglich der Kältemittel. Aber vielleicht überrascht uns das ein oder andere Unternehmen auch erst auf der Messe mit einem Paukenschlag.

Was auffällt: Einige große Namen werden die Besucher vergeblich suchen. Unternehmen wie Daikin, Trane oder Engie stellen in diesem Jahr nicht auf der Chillventa aus. Doch sollte deren Abstinenz nicht überbewertet werden. Na klar, damit fehlen einige Stände, auf denen – wie man sagt – etwas los ist. Aber vielleicht liegt darin auch die Chance für kleinere Aussteller, sich in den Vordergrund zu spielen.

Was mich interessiert, ist, welche wirklich neuen Optionen und Innovationen auf der Chillventa gezeigt werden. Zum Beispiel künstliche Intelligenz (KI) – von der Entwicklung bis zur Instandhaltung. Aber gehen die Aussteller hier bei aller Euphorie über die neuen Möglichkeiten auch mit der gebotenen Skepsis gegenüber mit KI verbundenen Abhängigkeiten und Gefahren um? Und gibt es über KI hinaus Innovationen? Ich bin sehr gespannt, was es beispielsweise in Sachen Festkörperkühlung als Alternative zur Kompressionskälte, Gleichstromtechnik oder mikrostrukturierter Wärmeübertrageroberflächen auf Basis neuer Fertigungsverfahren wie der additiven Fertigung zu sehen geben wird.

Vielleicht bringen ja Start-ups Schwung in die Bude. Wie viele davon sich auf der Messe zeigen werden, ist schwer zu sagen. Denn für diese Art von Ausstellern gibt es keine trennscharfen Abgrenzungskriterien. Aber die NürnbergMesse hat erklärt, dass die Beteiligung junger Unternehmen bewusst Teil des Messekonzepts der Chillventa sei. Da werden wir uns also überraschen lassen müssen. Ungeachtet dessen muss die Frage erlaubt sein, ob die Chillventa eigentlich überhaupt (noch) eine Neuheitenmesse ist oder eher ein „Place to be“ für die Branche? Die Antwort darauf kann nicht der Veranstalter geben, sondern muss von den Ausstellern kommen.

Ich denke jedenfalls: Wer wirklich Neues sehen will, wird genau hinschauen müssen. Denn die Chillventa dürfte kaum von spektakulären Produktpremieren geprägt sein. Wer aber Interessantes nicht nur an großen Messeinnovationen misst, sondern auch in Weiterentwicklungen und neuen Systemlösungen sowie energieeffizienz- oder sicherheitsoptimierten Angeboten sucht, sollte fündig werden. Der Messebesuch lohnt sich deshalb gerade für diejenigen, die wissen wollen, was neben den schlagzeilenträchtigen Reizworten heute schon verfügbar ist. Und wo sonst hat man eine bessere Chance Solches live in Augenschein zu nehmen als auf einer Messe?

Auf bald in Nürnberg
Peter Reinhardt

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