Empa und Eawag wollen mit dem neu lancierten „Climate Solutions Hub“ die Umsetzung vielversprechender Klimalösungen beschleunigen. Die Forschungsplattform untersucht Skalierungsbarrieren und entwickelt gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und öffentlicher Hand Wege zur breiten Anwendung.
Viele Klimatechnologien bleiben trotz erfolgreicher Pilot- und Demonstrationsprojekte in der Erprobungsphase stecken. Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) und die Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag), beide Dübendorf/Schweiz, haben daher den „Climate Solutions Hub“ (CSH) lanciert. Dieser untersucht, warum transformative Lösungen nicht breit umgesetzt werden, und entwickelt mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und öffentlicher Hand Wege zur Überwindung dieser Hindernisse.
Pilotprojekte mit CO₂-negativen Baustoffen, Technologien zur Wiederverwendung von Wasser oder blau-grünen Infrastrukturen zeigen, dass immer mehr Lösungen für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel existieren, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung von Empa. Zwischen einer funktionierenden Technologie und ihrer breiten Umsetzung in Gebäuden, Städten oder Versorgungssystemen liege jedoch die Skalierung. „Diese Umsetzungslücke entsteht selten durch unüberwindbare technische Barrieren“, sagt Christian Binz, Co-Leiter des CSH und Gruppenleiter an der Eawag. „Viel häufiger sind nichttechnologische Barrieren der Grund dafür: regulatorische Hürden, ausbleibende Investitionen, mangelndes Wissen oder fehlende Akzeptanz.“
Wie diese Faktoren zusammenspielen, zeigt das Projekt „Water Reuse Lab“ zur dezentralen Wasserwiederverwendung im indischen Bengaluru. Neben der Technologie standen Nutzerakzeptanz, rechtliche Rahmenbedingungen und Geschäftsmodelle im Fokus. Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen wurden ein neues Gesetz eingeführt und Geschäftsmodelle entwickelt. Dadurch entstand laut Empa ein lokaler Markt für aufbereitetes Abwasser.
„Skalierung ist kein linearer Schritt von ‚klein‘ zu ‚gross‘, sondern ein komplexer Transformationsprozess“, erklärt Peter Richner, Empa-Forscher und ebenfalls Co-Leiter des CSH. „Eine Technologie muss in bestehende Infrastrukturen, Märkte, Institutionen und gesellschaftliche Praktiken integriert werden können. Welche Faktoren dabei entscheidend sind, hängt von der jeweiligen Lösung und ihrem Kontext ab.“
Der CSH verbindet Technologieentwicklung, Demonstratoren und „Living Labs“ (Anm. d. Red.: Orte, an denen Innovationen unter realen Bedingungen getestet und weiterentwickelt werden) sowie Sozialwissenschaften. Herzstück ist die „Innovation Scaling Platform“. Sie untersucht Skalierungsbarrieren aus sozio-technischer Perspektive und entwickelt mit Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis Projekte zu deren Überwindung. Aus den Erkenntnissen entstehen „Scaling Templates“. Das sind praxisorientierte Leitfäden, die Strategien und konkrete Werkzeuge für die Verbreitung einer Lösung enthalten. In einer ersten Phase geht es um CO₂-optimiertes Bauen, zirkuläre Wasser- und Sanitärlösungen sowie blau-grüne Infrastrukturen. Genannt werden unter anderem CO₂-negativer Beton, Net-Zero-Straßen, klimaverträgliche Brücken und die Anpassung von Städten an Hitze, Trockenheit und Starkregen.
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