Das TGA-Wirtschaftsforum hat am 3. und 4. November ganz im Zeichen von Innovationen und Potenzialen von Rechenzentren als Wirtschaftsfaktor mit enormen Wachstumsaussichten gestanden. Doch Künstliche Intelligenz (KI) und neue Nachhaltigkeitsanforderungen verändern auch die Zusammenarbeit zwischen Investoren, Planern und Betreibern. cci Branchenticker war vor Ort.
Während Anfang der Woche auf dem Digital-Gipfel der Bundesregierung in Berlin Schlüsselaspekte der Künstlichen Intelligenz (KI) behandelt wurden, hat nur wenige Kilometer entfernt parallel dazu das TGA-Wirtschaftsforum von fünf Branchenverbänden* stattgefunden. Hier wie da war der Tenor: Die Rechenzentrumsbranche wächst rasant. Weltweit steigen die Investitionen, Hyperscaler treiben immer größere Projekte voran, gleichzeitig gewinnen kleinere Edge-Rechenzentren an Bedeutung. Für die TGA-Branche ist das ein attraktiver Markt. Doch auf dem TGA-Wirtschaftsforum wurde auch deutlich: Die Herausforderungen lassen sich mitnichten allein an technischen Kennzahlen wie der Power Usage Effectiveness (PUE) festmachen.
Einen wichtigen Impuls dazu lieferte die Keynote von Stephanie Hackenholt, verantwortlich für Sustainability Reporting & Governance bei der Beratungsgesellschaft KPMG, unter dem Titel „From Label to Trust: Wenn Nachhaltigkeitsdaten im Rechenzentrum entscheidungsrelevant werden“. Der Hintergrund: Die EU hat im September 2026 ein gemeinsames Bewertungssystem für Rechenzentren vorgeschlagen. Ab 2027 sollen Nachhaltigkeitslabels der Klassen A bis G die Energie- und Wassereffizienz von Rechenzentren transparent und vergleichbar machen.
„Doch ein Label allein schafft noch kein Vertrauen“, sagte Hackenholt und machte deutlich, dass Investoren und weitere Stakeholder zunehmend verlässliche Nachhaltigkeitsdaten erwarten. Das Label sei ein guter Anfang, greife aber zu kurz. Insbesondere CO₂-Emissionen und die Bewertung der Nutzung von Abwärme sollten stärker berücksichtigt werden. Entscheidend sei dabei nicht nur, was Unternehmen berichten, sondern wie belastbar die Informationen dahinter sind.
Dass der Wandel nicht bei Regulierung und Kennzahlen endet, zeigte Tobias Czarnecki von der ZWP AG, einem Ingenieurdienstleister für Gebäudetechnik. „Ich erlaube mir, mal über Kultur zu sprechen“, leitete er seinen Vortrag zur Rechenzentrumsplanung ein. Denn KI beschleunige die Entwicklung hochkomplexer, interdisziplinärer Rechenzentrumsprojekte enorm. Das Tempo des Wandels überfordere aber zunehmend die Anpassungsfähigkeit von Menschen und Organisationen. Czarneckis Antwort darauf ist eine ausgeprägte Vertrauenskultur. Eine gemeinsam von allen Beteiligten vereinbarte Projektcharta könne helfen, Erwartungen und Zusammenarbeit zu klären. Wie wirksam das sein kann, zeigte seine zugespitzte Beschreibung des Projektalltags: „Wir haben schon Projekte ohne ein einziges VOB-Schreiben abgewickelt.“
Was auf dem Wirtschaftsforum ebenfalls deutlich wurde: Planung, Bau und Betrieb müssen eng zusammenarbeiten. Auch für Planer der Rechenzentrumskühlung ist das eine wichtige Botschaft: Wenn Stromversorgung und IT-Architektur sowie Kühlung und Abwärmenutzung immer stärker zusammenwachsen, reiche es nicht mehr, einzelne Gewerke technisch zu optimieren. Gefragt sind interdisziplinäres Denken, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, Verantwortung auch über die eigenen Zuständigkeitsgrenzen hinaus zu übernehmen. Dabei dürfte KI nicht nur Treiber für Marktwachstum sein, sondern zugleich die Planung signifikant verändern. Agenten für generatives Design, bei dem KI selbstständig Planungsvarianten vorschlägt, seien keine Vision, sondern in greifbarer Nähe.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse des diesjährigen TGA-Wirtschaftsforums ist vielleicht, dass neben der TGA auch die Arbeitskultur mit der rasanten technischen Entwicklung der IT mithalten muss. Denn die Zukunft der Rechenzentren entscheidet sich nicht allein an der Effizienzklasse oder einem besseren PUE-Wert. Sie entscheidet sich ebenso daran, ob die Branche lernt, schneller, vernetzter und verantwortungsvoller zusammenzuarbeiten.
Das fünfte TGA-Wirtschaftsforum fand am 3. und 4. November 2026 in Berlin statt. Veranstalter ist die TGA-Repräsentanz unter Beteiligung ihrer fünf Trägerverbände (siehe unten) und mit Unterstützung des Verbands Innovatives Rechenzentrum (VIRZ). Ziel der Veranstaltung mit fast 30 Programmpunkten war es, aktuelle wirtschaftliche, technische und regulatorische Entwicklungen der Technischen Gebäudeausrüstung zu beleuchten und den Austausch zwischen Branchenakteuren zu fördern. Der erste Veranstaltungstag widmete sich schwerpunktmäßig der TGA in Rechenzentren, der Folgetag den IT- und Rechenzentrumstechnologien. Zum TGA-Wirtschaftsforum 2026 sind rund 180 Teilnehmer nach Berlin gekommen.
*Trägerverbände der TGA-Repräsentanz, Berlin, sind:
- BTGA – Bundesindustrieverband Technische Gebäudeausrüstung
- FGK – Fachverband Gebäude-Klima
- RLT-Herstellerverband – Herstellerverband Raumlufttechnische Geräte
- VDKF – Verband Deutscher Kälte-Klima-Fachbetriebe
- VDMA – Fachverband Allgemeine Lufttechnik (ALT)
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