Bauphysiktage 2026 befassen sich auch mit Behaglichkeit, TGA und LüKK

Runa Tabea Hellwig, TU Berlin: „Passive Maßnahmen sind der aktiven Klimatisierung vorzuziehen.“ (Abb. © cci Dialog)

Am 18. und 19. März haben die Bauphysiktage 2026 an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau stattgefunden. Neben typischen bauphysikalischen Themen wurden auch aktuelle Forschungsthemen der Behaglichkeit in Gebäuden und der TGA besprochen. cci Branchenticker war vor Ort.

Zu den Bauphysiktagen 2026 haben sich vergangene Woche (18. und 19. März) gut 110 Teilnehmer an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau eingefunden. Doch wo Bauphysik draufstand, war durchaus auch Technische Gebäudeausstattung (TGA) drin. Dazu erläuterte Prof. Dr. Svenja Carrigan als Mitglied der Kongressleitung gegenüber cci Branchenticker: „Bauphysik und TGA beeinflussen sich wechselseitig.“ Ziel der Bauphysiktage sei daher, Akteure aus Wissenschaft und Praxis dieser beiden Disziplinen zusammenbringen. Wobei der Blick ins Programm und auf die Teilnehmerliste zeigt: Der thematische Schwerpunkt der Bauphysiktage liegt – nomen est omen – auf Bauphysik, die Teilnehmer kamen größtenteils aus der Wissenschaft und zu weniger als einem Drittel aus Ingenieurbüros und von Herstellern.

Wer sich dennoch als TGA-Planer auf den Bauphysiktagen 2026 eingefunden hat, der dürfte mit Interesse die Ausführungen von Runa Tabea Hellwig, Fachgebiet Bauphysik an der Technischen Universität Berlin, zu planungsrelevanten Behaglichkeitsaspekten jenseits normativer Vorgaben verfolgt haben. Hellwig hat vorgestellt, wie eine gute bauphysikalische Gebäudeplanung in Zeiten steigender Außentemperaturen Adaptionsmechanismen des Menschen adressieren und unterstützen kann. Grundlage dessen ist laut Hellwig der Ansatz, dass der Mensch auf die hinlänglich bekannten negativen gesundheitlichen Auswirkungen hoher Temperaturen mit drei Anpassungsmechanismen reagieren kann:

  • Verhaltensadaptation, zum Beispiel Kleidung und Aktivität anpassen, Fenster öffnen, Sonnenschutz aktivieren
  • Physiologische Adaptation, zum Beispiel Thermoregulation (Schwitzen) und Akklimatisation (zeitverzögert)
  • Psychologische Adaptation, zum Beispiel Gewöhnungseffekt, veränderte Erwartungen, wahrgenommene Kontrolle (vor allem durch Verhaltensadaption)

„Die mit der Verschiebung der Klimazonen einhergehende Veränderung der Temperaturen sollten wir grundsätzlich akzeptieren und lernen, wie wir damit umgehen können“, sagte Hellwig. Die Gebäudeplanung für vulnerable Menschen ausgeschlossen, nannte sie als Handlungsoptionen insbesondere veränderte passive Konzepte und andere Bauelemente als bisher üblich sowie Kombinationen daraus. Technischerseits genüge, dann die Geschwindigkeit der Raumluft durch Ventilatoren zu erhöhen. Gefragt nach der Rolle der TGA sagte Hellwig: „Passive Maßnahmen sind der aktiven Klimatisierung vorzuziehen.“ Gebäude müssten so ausgelegt werden, dass sie den Nutzern einen Puffer für deren eigene Anpassung an thermische Belastungen bieten.

Wie vulnerable Personen geschützt werden können, stellte anschließend Mônica Martins Pinto, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der RPTU Kaiserslautern-Landau vor. Im Rahmen des Projekts ADAPT wird ein Monitoring- und Warnsystem für die sommerliche Überhitzung in Gebäuden mit vulnerablen Personen entwickelt, das Lufttemperatur, operative Temperatur, Feuchte, Luftgeschwindigkeit und CO₂-Gehalt in der Raumluft berücksichtigt. Bei einer Grenzwertüberschreitung des PMV-Werts (Predicted Mean Vote) gemäß DIN EN ISO 7730 „Ergonomie der thermischen Umgebung – Analytische Bestimmung und Interpretation der thermischen Behaglichkeit durch Berechnung des PMV- und des PPD-Indexes und Kriterien der lokalen thermischen Behaglichkeit“ (2025) erfolgt eine Warnung. „Am Beispiel einer Behinderteneinrichtung nahe Kaiserslautern zeigt das Projekt, wie hoch das Überhitzungspotenzial in sensiblen Nutzungen sein kann“, richtete Martins Pinto den Blick auf einen Feldversuch. Eine ausführliche Zusammenfassung der DIN EN ISO 7730 einschließlich Erläuterung des PMV-Wertes findet sich in cci Wissensportal unter der Artikelnummer cci313148.

Passive Maßnahmen allein genügen also doch nicht zur Sicherstellung von thermischer Behaglichkeit. Aber was geschieht, wenn beispielsweise ein Wohnraumlüftungssystem ausfällt? Markus Wirnsberger, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TH Rosenheim, hat den Teilnehmern der Bauphysiktage 2026 die Auswirkungen typischer Fehler in Wohnraumlüftungssystemen unter Berücksichtigung energetischer, feuchtebezogener und gesundheitlicher Kenngrößen präsentiert. Basis dessen ist das Forschungsprojekt AirFlow Excellence. „Den größten Einfluss auf die Zunahme der durch Krankheit oder vorzeitigen Tod verlorene gesunde Lebenszeit (DALY) treten bei fehlerhaft reduziertem Gesamtvolumenstrom sowie negativem CO₂-Sensoroffset auf, da der Luftwechsel verringert wird und die Schadstoffkonzentrationen steigen“, erklärte Wirnsberger. Auch die Rezirkulation – also die Durchmischung von Außenluft mit Zuluft – führe zu erhöhten Belastungen.

Die nächsten Bauphysiktage finden 2028 an der Bauhaus-Universität Weimar statt.

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