Verbände fordern IAQ-Standards bei Gebäudetyp E

Verbände fordern bei Neubauten des Gebäudetyps E verbindliche Standards bei der Innenraumluftqualität. (Abb. © Ployker/stock.adobe.com)

Mehrere Branchenverbände fordern von der Bundesregierung klare Standards für die Innenraumluftqualität beim geplanten Gebäudetyp E. Vereinfachtes Planen und Bauen dürfe nicht zu Lasten von Gesundheit, Gebrauchstauglichkeit oder Energieeffizienz gehen. Zudem müsse die Umsetzung europäischer Vorgaben zur Innenraumluftqualität berücksichtigt werden, so der Verbände-Appell.

Bei der weiteren Ausgestaltung des Gebäudetyps E sollen nach Ansicht mehrere Branchenverbände klare und verlässliche Standards für die Innenraumluftqualität (IAQ = Indoor Air Quality) verankert werden. Zu den beteiligten Organisationen, die sich mit einem Positionspapier an die Bundesregierung gewandt haben, zählen der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), Köln, der Fachverband Gebäude-Klima (FGK), Ludwigsburg, der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), Bonn, der Verband für Wärmelieferung (VfW), Hannover, der Zentralinnungsverband des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV), Sankt Augustin, die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DEN), Berlin, sowie der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB), Berlin. Erst im Januar hatte sich die TGA-Repräsentanz Berlin und die sie tragenden Verbände mit einer „Stellungnahme zum Gebäudetyp E“ an das Bundesbau- und Bundesjustizministerium gewandt und darin die Notwendigkeit der Gebäudetechnik bekräftigt (siehe cci314741).

Ziel des neuen Gebäudetyps E ist es, Planen und Bauen zu vereinfachen und damit den Wohnungsbau zu beschleunigen. Aus Sicht der Verbände darf diese Vereinfachung jedoch nicht mit einer Absenkung funktionaler, gesundheitlicher und energetischer Mindeststandards einhergehen. Der Gebäudetyp E soll neue Wege im Wohnungsbau ermöglichen. In der bisherigen öffentlichen Diskussion liege der Schwerpunkt jedoch stark auf dem Aspekt der Vereinfachung, teilweise verbunden mit dem Verzicht auf technische Anforderungen. Die beteiligten Verbände warnen davor, dass eine solche Interpretation zu Fehlentwicklungen führen könnte.

Moderne Neubauten und sanierte Gebäude zeichneten sich durch eine hohe Luftdichtheit der Gebäudehülle aus. Dadurch werde der natürliche Luftaustausch zunehmend reduziert, während gleichzeitig die Anforderungen an eine zuverlässige Abfuhr von Feuchte, CO2 und Schadstoffen steigen. Die Verbände merken an, dass kontrollierte Wohnungslüftungssysteme hier einen nutzerunabhängigen Mindestluftwechsel sicherstellen, Feuchte- und Schimmelrisiken reduzieren und gleichzeitig Energieverluste senken könnten. Systeme mit Wärmerückgewinnung würden zudem einen Beitrag zur Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz leisten.

Nach branchenüblichen Erfahrungswerten liegen die Kosten für Schimmelsanierungen infolge unzureichender oder fehlerhafter Lüftung durchschnittlich bei etwa 120 bis 170 €/m2, so die Verbände. Demgegenüber betragen die Investitionskosten für eine kontrollierte Wohnungslüftung, auch mit Wärmerückgewinnung, etwa 40 bis 70 €/m2 Wohnfläche. Aus Sicht der Verbände zeigt sich damit deutlich, dass der präventive Einsatz geeigneter Lüftungstechnik nicht nur bauphysikalisch und gesundheitlich sinnvoll ist, sondern auch aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive.

Vor diesem Hintergrund fordern die Verbände die Bundesregierung auf, bei der weiteren Ausgestaltung des Gebäudetyps E zentrale Grundsätze zu berücksichtigen. Dazu gehören vor allem eine klare Abgrenzung zwischen Vereinfachung und dem Verzicht auf notwendige technische Systeme, das Vermeiden einer Absenkung von Gesundheits- und Effizienzstandards sowie die Berücksichtigung effizienter Gebäudetechnik wie kontrollierter Wohnungslüftung beim Erreichen dieser Standards. Darüber hinaus müsse die Umsetzung der europäischen Vorgaben zur Innenraumluftqualität aus der europäischen Gebäudeeffizienzrichtlinie EPBD in den weiteren Gesetzgebungs- und Verordnungsprozess einbezogen werden. Innenraumluftqualität sollte dabei, als funktionales Ziel verankert werden, ohne zusätzliche bürokratische Detailnormierungen zu schaffen. „Die Diskussion um den Gebäudetyp E bietet die Chance, Planen und Bauen in Deutschland spürbar zu vereinfachen und neue Impulse für den Wohnungsbau zu setzen. Diese Chance kann jedoch nur genutzt werden, wenn die Vereinfachung funktional gedacht wird und nicht zulasten von Gesundheit, Gebrauchstauglichkeit oder Energieeffizienz geht“, so die beteiligten Verbände.

Der gemeinsame Verbände-Appell steht unter „Anhänge“.

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