
Warum ist Radon in Innenräumen von Gebäuden ein Risiko? Das radioaktive chemische Element ist deswegen so tückisch, weil es unsichtbar und geruchslos ist. Medizinisch gesehen ist eine dauerhafte Radonexposition die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Radon ist zudem weitgehend unbekannt – dabei ist es mit einfachen Maßnahmen beherrschbar.
Eigentlich ist Radon im Regelwerk schon längst Raumluftthema. Dies wird beim Blick in das neue Blatt 3 der VDI 6022 („Raumlufttechnik, Raumluftqualität. Blatt 3: Beurteilung der Raumluftqualität“, 2025) schnell deutlich. Klare Werte für verschiedene Raumluftkategorien. Doch in der Praxis, in Raumluftschulungen, zeichnet sich ein anderes Bild. Radon – wer weiß, wo das herkommt? Kopfschütteln. Warum ist es ein Risiko? Schweigen. Radon ist tückisch, weil es unsichtbar und geruchslos ist. Medizinisch gesehen ist eine dauerhafte Radonexposition die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Unsere Sinne können eine Radonbelastung, so wie auch andere Innenraumbelastungen (Kohlenstoffdioxid und chemische Belastungen, VOCs) nicht wahrnehmen. Genau das führt in der Praxis zu unzureichenden Reaktionen: Durch Unkenntnis wird ignoriert, bis dann Messwerte das böse Erwachen bringen.
Spätestens seit der Einordnung von Radon als Parameter der Raumluftqualität ist klar, dass das Thema eigentlich in das Bewusstsein von Betreibern, Planern und Instandhaltern gehört. Nicht als Paniksignal, sondern als Routine. Wer Gebäude errichtet und betreibt, braucht belastbare Jahresmittelwerte, insbesondere in den ausgewiesenen Vorsorgegebieten mit hoher Radonbelastung im Boden. Der entscheidende Unterschied zu CO₂ oder VOCs: Bei Radon bringen baulich-technische Maßnahmen oft den größten Hebel. Es müssen Eintrittswege des Edelgases in das Gebäude reduziert werden, das heißt, Fugen, Risse, Durchdringungen und Schächte. Zweitens, wo nötig, muss Radon unter der Bodenplatte gezielt abgeführt werden. Und drittens muss die Lüftung so betrieben werden, dass Radon zuverlässig verdünnt wird, auch im Winter, wenn eine Fensterlüftung energetisch weh tut.
Saisonal schwanken gemessene Radonwerte. Im Winter sind sie durch Bodenverdichtung (Frost und Schnee) höher, da dann die Bodenplatte der perfekte Entweichpunkt für das Bodengas in den Innenraum ist. Darum lohnt sich die Reihenfolge: erst Langzeitmessung, dann gezielte Maßnahmen, dann wieder messen. Für Planer, Bauherren, Betreiber und Arbeitgeber bedeutet das: Radonbewertung ist Risikosteuerung und Arbeitsschutz für Arbeitnehmer. Für die Branche ist es eine Chance. Unternehmen können Baukonzepte, Messdienstleistungen, Sanierungskompetenz und Lüftungsoptimierung anbieten.
Radon ist also kein Randthema mehr. Wir sollten es genauso behandeln wie andere Raumluftparameter und es messen, bewerten und wirksam handeln. Ohne Drama, aber mit System.
Dr. Nicole Raiss
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In Ausgabe 4/2026 von cci Zeitung ist von Dr. Nicole Raiss der Beitrag „Gefahr aus der Tiefe – Radon: Herkunft, Belastung, Risiko und Gegenmaßnahmen“ erschienen. Die Ausgabe steht als E-Paper im Webkiosk von cci Dialog zum Abruf bereit. Mehr über Radon und andere Innenraumparameter gibt es außerdem in der Veranstaltung von cci Schulung „Hygieneanforderungen an raumlufttechnische Anlagen (nach VDI 6022)“ in Kooperation mit der Deutschen Hygiene Akademie.
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Frage: Gibt es Empfehlungen für Messgeräte? Im Internet wird viel angeboten. Wir messen die Lufterneuerung und den Gehalt an CO, CO2 und VOC. Gegen Radon haben wir in einem gefährdeten Gebiet vor 40 Jahren unter einer dichten und abgedichteten Bodenplatte einen Luftraum geschaffen, der durchlüftet wurde. Gemessen haben wir Radon nicht.
Freundliche Grüße Reinhard Siegismund