Der deutsche Rechenzentrumsmarkt wächst dynamisch

Beim DKV-Seminar zur Kühlung von Rechenzentren war zu erfahren, dass es bundesweit aktuell Rechenzentren mit einer Gesamtleistung von etwa 3 GW gibt. (Abb. © cybrain/stock.adobe.com)

Es wird erwartet, dass allein in Deutschland der Energieverbrauch für Rechenzentren auf 30 TWh im Jahre 2030 ansteigen wird. Mit diesem und anderen Themen hat sich das Seminar „Kühlung von Rechenzentren“ des Deutschen Kältetechnischen Vereins beschäftigt, das vom 18. bis 19. März in Karlsruhe stattgefunden hat. Für cci Branchenticker war am ersten Seminartag Andreas Graf-Matzner vor Ort.

Der erste Tag (18. März) des Seminars „Kühlung von Rechenzentren“ des Deutschen Kältetechnischen Vereins (DKV), Hannover, das im Hotel The Q – Quadro City Hotel Karlsruhe in Karlsruhe stattgefunden hat, hat einen kompakten Überblick zu Markttrends, Normen und modernen Kühltechnologien in diesem Anwendungsbereich geboten. Nach der Einführung durch den DKV-Vorsitzenden Dr. Holger Neumann zeigte Dr. Ralph Hintemann, Partner und Senior Researcher am Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit, Berlin, wie dynamisch der Rechenzentrumsmarkt wächst und welche Rolle Energiebedarf, Kühlbedarf und Wärmerückgewinnung künftig spielen werden. Hintemann beeindruckte mit großen Zahlen: So gibt es beispielsweise bundesweit aktuell Rechenzentren mit einer Gesamtleistung von etwa 3 GW, die meisten davon im Rhein-Main-Gebiet. Und der Ausblick in die Zukunft verheiße vor allem eins: Wachstum.

Anschließend gab Dr. Berthold Mengede, Geschäftsführer der INM Haustechnik und Medizinplanung GmbH, München, einen Überblick über die wichtigsten Technischen Regeln und Normen zu Rechenzentren – vom Ashrae-Standard Ashrae TC 9.9 „Mission Critical Facilities, Data Centers, Technology Spaces and Electronic Equipment“ bis zur DIN EN 50600 „Informationstechnik – Einrichtungen und Infrastrukturen von Rechenzentren“, die als europäische Leitnorm für Planung und Betrieb von Rechenzentren heute unverzichtbar sind. Von der Spezifikation, über Auslegung, Genehmigung bis zu Ausführung und Inbetriebnahme umfasst die DIN EN 50600 den kompletten Prozess des Rechenzentrumsbaus in insgesamt elf Phasen.

Am Nachmittag wurde es wissenschaftlich: Prof. Thorsten Urbaneck, Professor für technische Thermodynamik an der Technischen Universität (TU) Chemnitz, verglich die unterschiedlichen Technologien der Luft- und Wasserkühlung von Rechenzentren und zeigte anhand von Rechenbeispielen, wo die jeweiligen Stärken liegen. Danach schaute Thomas Fischer, Leiter Strategie und Produktmanagement bei der dc-ce RZ-Beratung GmbH, Frankfurt, auf die wirtschaftliche Seite der Kühlung und stellte verschiedene Methoden und TCO-Ansätze (Anm. d. Red: TCO steht für Total Cost of Ownership, also die Betrachtung der Gesamtkosten) gegenüber. Eine wichtige Erkenntnis für die Teilnehmer war die Tatsache, dass der Auslegungspunkt der Kühlanlagen nicht bei 100 %, sondern eher zwischen 60 und 70 % der Server-Nennleistung liegt. Nur so ist ein effizienter Rechenzentrumsbetrieb im Alltag möglich.

Zum Abschluss präsentierte Urbaneck Messergebnisse aus Tests mit flüssigkeitsgekühlten Servern und leitete daraus konkrete Hinweise für den praktischen Einsatz in Rechenzentren ab. Hierbei wurde deutlich, dass höhere Kühlwassertemperaturen zwar eine bessere Effizienz der Kühltechnik bedeuten und sich positiv auf die direkte Nutzbarkeit der Abwärme auswirken, gleichzeitig aber die Effizienz der Server sinkt.

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