
Ein Bericht der britischen Environmental Investigation Agency (EIA) zeigt, dass illegale Kältemittel über kriminelle Netzwerke in italienische Lieferketten gelangen. Unternehmen verstoßen dabei bewusst gegen F-Gas-Vorgaben – mit Folgen für Klimaziele und Wettbewerb.
Am 9. April wurde der neue englischsprachige Bericht „Fakes, Fraud and F-gases“ (auf Deutsch: „Fälschungen, Betrug und F-Gase“) von der in London ansässigen Organisation Environmental Investigation Agency (EIA) veröffentlicht. Demnach verursachen illegale, klimaschädliche Kältemittelgase jährlich Verluste in Höhe von Hunderten Millionen Euro für legale Anbieter und gelangen über organisierte kriminelle Netzwerke nach Italien. Sie dringen in große Lieferketten ein, darunter Fertigungsindustrie, Supermärkte und die staatliche Eisenbahn. Der Bericht basiert auf Ermittlungen zum illegalen Handel mit teilfluorierten Kohlenwasserstoffen (HFKW), die als besonders starke Treibhausgase gelten und in der EU streng reguliert sind. Laut EIA ist durch Angebotskürzungen ein lukrativer Schwarzmarkt entstanden, in dem entlang der Lieferkette bewusst gegen Vorschriften verstoßen wird – etwa durch Quotenüberschreitungen, gefälschte Rechnungen, falsche Deklarationen und Steuervermeidung. Zudem nehmen gefälschte F-Gase zu, bei denen stark klimaschädliche Stoffe als weniger schädliche Produkte ausgegeben werden.
Fin Walravens, leitender Klimakampagnen-Experte der EIA, betont, dass die tatsächliche Größe des Marktes schwer zu bestimmen sei. Branchenverbände hätten jedoch angegeben, „dass fast die Hälfte der auf dem italienischen Markt vorhandenen Kältemittelmengen illegal ist“, so Walravens. Ermittlungen in Italien zeigen nach Angaben der EIA, dass organisierte Kriminalität eine zentrale Rolle spielt. Drei Importeure und Händler stehen im Verdacht, illegale Kältemittel an Industrie, Handel und Betreiber zu liefern. Ein Anbieter soll ohne Quote tätig gewesen sein, während ein anderer angab, HFKW über Rumänien und Bulgarien zu beziehen und Quoten zu überschreiten.
Walravens warnt zudem vor der strukturellen Nachfrage: „Unternehmen wissen seit Langem, dass schnelle Reduktionen von HFKW bevorstehen, und dennoch sind viele Einzelhändler und andere Sektoren in ganz Europa weiterhin stark von diesen das Klima zerstörenden Kältemitteln abhängig – trotz der breiten Verfügbarkeit von Alternativen. Letztlich treibt diese Nachfrage den illegalen Handel an.“
Zur Marktdynamik erklärt Walravens außerdem: „Die hohe Nachfrage der Verbraucher treibt die Preise in Europa in die Höhe und veranlasst organisierte Kriminelle, die Preisunterschiede auszunutzen, indem sie HFKW außerhalb der EU kaufen und entweder direkt nach Italien schmuggeln oder über Länder mit schwächerer Grenzkontrolle wie Bulgarien und Rumänien einschleusen.“ Trotz verstärkter Kontrollen und steigender Beschlagnahmungen verdeutlichen die Ergebnisse der EIA die starke Vernetzung des illegalen HFKW-Handels über die Grenzen der Mitgliedstaaten hinweg.
Der englischsprachige Bericht „Fakes, Fraud and F-gases“ steht hier zum Download bereit.
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