Kommentar: Nächste China-Offensive – „Einmal Wärmepumpe mit Alles“

Peter Reinhardt, Technikredakteur (Abb. © cci Dialog)

Chinas Regierung hat einen Wärmepumpen-Aktionsplan vorgelegt. Die industriepolitische Initiative setzt auf Technologieentwicklung und Fertigungsmodernisierung sowie auf Binnenkonjunktur und internationale Marktausweitung. Das hat bereits in andere Branchen zum Erfolg geführt. Die deutsche Wärmepumpenbranche sollte also gewarnt sein.

Die deutsche Industrie kennt das Muster nur zu gut: Über viele Jahre dominiert sie den Weltmarkt mit ihren Produkten, doch dann holt China auf – und überholt sie mit atemberaubendem Tempo. Bei der Photovoltaik war es so, bei Elektroautos zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. Wie vergangene Woche in zahlreichen Medien zu lesen war, leidet die deutsche Autoindustrie bereits unter dem „China-Schock“. Und schon steht mit Wärmepumpen die nächste Technologie in den Startlöchern. Nicht erst seit heute, sondern seit fast schon einem Jahr. Die hiesige Wärmepumpenbranche hat trotzdem noch Spielraum gegenzusteuern. Aber: Pekings Aktionsplan zur Förderung der Wärmepumpenindustrie (siehe cci316915) liest sich wie ein klar strukturierter Fahrplan für die nächste globale Marktübernahme. Und er zeigt: Mit minderwertigen Plagiaten gibt sich das Reich der Mitte längst nicht mehr zufrieden.

Bis 2030 sollen in einem Rundumschlag die Energieeffizienz wichtiger Wärmepumpenprodukte um über 20 % steigen, Forschungs- und Fertigungskapazitäten kontinuierlich verbessert und Durchbrüche bei Kerntechnologien wie Verdichtern und neuartigen Kältemitteln geschaffen werden. Das alles mit dem Ziel, zunächst China selbst zum Wärmepumpenland zu machen, um aus den Erfahrungen des Binnenmarktes heraus internationale Wettbewerbsvorteile auf- und auszubauen. Was hier in aller Kürze beschrieben wird, ist kein improvisierter Mini-Boom, sondern eine staatlich gelenkte Industrialisierungsoffensive, die sämtliche Arten und Leistungsklassen von Wärmepumpen einschließt. Um es mit der Sprache der Straße zu sagen: „Einmal Wärmepumpe mit Alles“.

Chinesische Hersteller profitieren dabei von staatlichen Investitionen und subventionierten Krediten. Das wird ihnen erlauben, Produkte zu Preisen anzubieten, mit denen Hersteller hierzulande unter den aktuellen Bedingungen kaum konkurrieren können. Ähnlich wie bei der Solarmodulproduktion sind ferner erhebliche Skaleneffekte zu erwarten, die China ermöglichen dürften, die Produktion von Wärmepumpen massiv auszubauen – ein sich selbst verstärkender Effekt.

Noch besteht die Chance, zu handeln. Doch damit die nächsten Schlagzeilen nicht vom Kollaps der deutschen Wärmepumpenindustrie dominiert werden, muss auch die Politik ihren Beitrag leisten. Angesichts der inzwischen bekannten Eckpunkte des Gebäudemodernisierungsgesetzes (ehemals Gebäudeenergiegesetz), erscheint dies jedoch fraglich. Denn die bisherige 65%-Erneuerbare-Regelung soll gekippt werden (siehe cci318058). Wärmepumpenhersteller sind also gut beraten, sich selbst zu helfen. Was können sie aus den schmerzhaften Erfahrungen der Solar- und Automobilindustrie lernen? Das gilt es im branchenübergreifenden Dialog herauszufinden. Dafür muss man proaktiv das Gespräch suchen. Was sonst noch bleibt: Den Spieß umdrehen. Der chinesische Aktionsplan könnte als Blaupause für die Neuaufstellung der deutschen Wärmepumpenindustrie dienen. Ein Schelm, wer das als Plagiaterie bezeichnet.

Peter Reinhardt

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Ein Kommentar zu “Kommentar: Nächste China-Offensive – „Einmal Wärmepumpe mit Alles“

  1. Von der Politik dürfte die Wärmepumpenbranche leider weniger als nichts erwarten: Nicht nur, dass das Gebäudemodernisierungsgesetz auf das setzt, was gestern modern war. Noch schwieriger wird die Situation dadurch, dass sich China wenig um marktwirtschaftliche Prinzipien kümmert, während Deutschland bis zur Pleite an korrekter Ordnungspolitik festhält – siehe Solarindustrie.

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