Meinung: Schul-(Lüftungs)-Alltag

Florian Fischer, Geschäftsführer der cci Dialog GmbH (Abb. © cci Dialog GmbH)
Florian Fischer, Geschäftsführer der cci Dialog GmbH (Abb. © cci Dialog GmbH)

Letzte Woche war ich beim Elternabend eines meiner Söhne, nachdem ich das Knobeln mit meiner Frau über die Teilnahme verloren hatte. Ich kann Ihnen sagen: Es war harte Kost, insbesondere, was das Thema Schullüftung betrifft.

Vor gut zwei Jahren hat die Schule mit circa 1.200 Schülerinnen und Schülern mobile Luftreiniger angeschafft. Dies ging auf eine Initiative in der Elternschaft zurück, bei der einige engagierte Eltern sich „schlau“ gemacht haben. Unterstützung vom städtischen Schulamt Frankfurt am Main gab es keine und es wurden letztendlich eine große Anzahl an mobilen Luftreinigern zum Stückpreis von rund € 200 gekauft und die Klassenräume damit zweifach bestückt. Finanziert wurde das Ganze über Spenden von uns Eltern, wobei einige davon sogar in Vorleistung bei der Bestellung getreten sind. Dass diese Geräte im Zweifel mehr schaden als nutzen, muss ich Ihnen nicht erklären. Seitdem erhalten wir Eltern regelmäßig E-Mails mit dem Aufruf, sich beim Filtertausch zu engagieren. Diese Bitte wurde beim Elternabend mangels bisheriger Resonanz eindringlich wiederholt.
Mit der Stadt Frankfurt ist man seit langem in der Diskussion, dass diese die Wartungskosten übernimmt und dafür auch die Kapazitäten über Dienstleistungsunternehmen stellt. Entschieden ist noch nichts. Seltsamerweise funktioniert das mit der Kostenübernahme an der Nachbarschule bestens.
Meinen Sie jetzt, dass es das war mit der Aufregung? Nein, es wird noch besser:
Es wurde von der letzten Sitzung des gesamten Schulelternbeirats berichtet. Es gab dabei eine sehr lange und kontroverse Diskussion über die Luftreiniger und die Frage, „ob sie nun bis zu den Sommerferien ausgeschaltet werden könnten, um Filter und Strom während der Sommermonate bei offenem Fenster zu sparen. Eine Entscheidung hierüber konnte nicht getroffen werden.“
Natürlich habe ich mich zu Wort gemeldet und darauf hingewiesen, dass die Luftreiniger bei geöffneten Fenstern vollkommen nutzlos sind und nichts als Lärm verursachen. Ich wurde gebeten, mich mit meiner Expertise direkt an die Schulleitung beziehungsweise die Vorsitzende des Schulelternbeirats zu wenden.
Mich macht das fassungslos: Wir sind jetzt im Jahr drei der Pandemie und die Schulen werden bei dem Thema vollkommen allein gelassen, jeder backt seine Brötchen wie er will. Ich bin sicher, dass meine Erlebnisse kein Einzelfall sind. Aber natürlich gibt es auch Beispiele, wo man dieses Thema professionell angeht. Alles in allem sind das keine guten Aussichten für den Herbst und Winter, die Variante BA.5 ist schon im Anmarsch.

Bleiben Sie trotzdem gut gelaunt und gesund!

Ihr
Florian Fischer

cci178058

Ein Kommentar zu “Meinung: Schul-(Lüftungs)-Alltag

  1. Sehr geehrter Herr Fischer,
    ich habe persönlich ähnliche Erlebnisse in der Schule gemacht.
    Wir haben praktische Erfahrung in der Beratung von Luftreinigern für Schulen, Kindergärten und Seniorenheimen. Unsere Aufgabe war am Anfang eine Recherche zum Thema Luftreiniger in allen Varianten (technischen Lösungen). Und ich kann Ihnen sagen, hier gibt es sehr viel Spreu aber wenig Weizen. Mittlerweile überprüfen wir messtechnisch Luftreiniger und sind über die meist falschen Herstellerangaben enttäuscht. Auch die Erfahrung aus der Lieferung, Platzierung und Wartung von Luftreinigern zeigt die Unterschiede in Theorie und Praxis. Wenn Sie dann noch das Thema der Förderungen abarbeiten dürfen, ist der Aufwand einer wirklich guten Gesamtlösung eine Planungsleistung nach HOAI.

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