VDI 4646 gibt Planern Struktur bei Großwärmepumpen-Projekten

Moderator und Mitorganisator Lars Keller bei der Begrüßung der Fachtagungsteilnehmer (Abb. © cci Dialog)

Auf einer Fachtagung wurde vergangene Woche die Rolle der im Mai erschienenen VDI-Richtlinie 4646 als Orientierungsrahmen für die Planung von Großwärmepumpen besprochen. Im Mittelpunkt standen die systematische Vorplanung mit Hilfe der Pinch-Analyse, erste Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und die intelligente Integration in das Gesamtsystem. cci Branchenticker war vor Ort.

Auf einer zweitägigen Fachtagung haben cci Dialog GmbH, Karlsruhe, und die Hitzköpfe-Academy, Poing, am 16. und 17. Juni 2026 in Bochum die neu erschienene VDI-Richtlinie 4646 „Anwendung von Großwärmepumpen“ genauer unter die Lupe genommen. Vor rund 30 Teilnehmern wurde deutlich gemacht, dass der seit Mai vorliegende Weißdruck vor allem eines leisten kann: einen Standard für die Vorplanung setzen, um Planern Orientierung und Sicherheit bei Projekten mit Großwärmepumpen zu geben.

Die gute Nachricht für alle, die schon mit dem Entwurf der Richtlinie aus dem Jahr 2024 gearbeitet haben: Dessen Grundstruktur ist im Weißdruck weitgehend erhalten geblieben, zugleich wurde die Richtlinie aber inhaltlich ausgebaut. Und dennoch ist die VDI 4646 nicht als Detailregelwerk für letzte Auslegungsfragen zu verstehen, sondern eher als Rahmenwerk für frühe Projektphasen. Im Zentrum steht eine systematische Grundlagenermittlung mit Datenerfassungsbögen für Wärmequellen, Wärmesenken und Temperaturniveaus sowie weitere Rahmenbedingungen, die eine Grobdimensionierung und eine erste wirtschaftliche Bewertung über Wärmeentstehungskosten nach VDI-Richtlinienreihe 2067 „Wirtschaftlichkeit gebäudetechnischer Anlagen“ zulassen. Gerade dieser ablauforientierte Ansatz wurde auf der Tagung in Bochum als besondere Stärke der neuen Richtlinie herausgestellt.

Mehrere Vorträge zeigten zudem, dass die VDI 4646 den Blick bewusst auf das Gesamtsystem lenkt. Bevor eine Großwärmepumpe eingeplant wird, geht es zunächst um die Frage, was die wirklichen Prozessanforderungen sind, wo sich Wärmequellen und -senken sinnvoll koppeln lassen und an welcher Stelle im Prozess die Integration einer Großwärmepumpe am meisten bringt. Als wichtiges Werkzeug dafür wurde die Pinch-Analyse hervorgehoben, mit der geeignete Integrationspunkte identifiziert werden können. Die Botschaft: Nicht die Technologie allein entscheidet über den Erfolg, sondern deren intelligente Einbindung in den Prozess.

Flankiert wurde die Tagung durch Beiträge zu natürlichen Kältemitteln, Sicherheitsfragen sowie zu den regulatorischen Folgen der 2024 novellierten F-Gase-Verordnung und der aktuellen Diskussion um ein PFAS-Verbot. Auch hier wurde deutlich, dass die praktische Umsetzung von Großwärmepumpen zunehmend im Spannungsfeld aus Effizienz, Verfügbarkeit, Sicherheit und Regulierung steht.

Zahlreiche Praxisbeispiele rundeten die Veranstaltung ab. Hinzu kam eine Exkursion zur Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien (IEG) in Bochum. Dort wurde eine Wärmepumpenkaskade mit Ammoniak (R717, GWP 0) und Isobutan (R600a, GWP 0) besichtigt. Außerdem wurde ein Verdichterprüfstand für Temperaturen über 200 °C gezeigt, der Wasser (R718, GWP 0) als Kältemittel nutzt. Auch das Sondensystem GeoStar zur Anlage großdimensionierter Erdwärmesonden wurde vorgestellt. Die nächste Großwärmepumpen-Fachtagung von cci Schulung ist bereits in Vorbereitung.

Weiterführende Beiträge:

  • Ein ausführlicher Veranstaltungsrückblick folgt in cci Zeitung 9/2026 mit Themenschwerpunkt Großwärmepumpen, die am 5. August erscheint.
  • Eine von der Redaktion erstellte Zusammenfassung der Richtlinie „Die VDI 4646 Anwendung von Großwärmepumpen“ findet sich in cci Wissensportal unter der Artikelnummer cci324952.
  • Ausführliche Erläuterungen zur Pinch-Analyse finden sich inklusive Fallstudie unter cci324787 in cci Wissensportal.

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