Meinung: Hände weg von diesen neuen „Wunder-Raumklimageräten“

Dr.-Ing. Manfred Stahl (Abb. © cci Dialog)

EpiCooler, Vita Cooler, Solyball Coolzy. Zu diesen Produkten lese ich seit einigen Wochen Werbeanzeigen für preisgünstige Klimageräte, die wahre klimatechnische Wunder zur Kühlung von Wohnungen versprechen. Was aber steckt tatsächlich hinter diesen Geräten – Fake, Abzocke oder doch ein empfehlenswertes Kühlprodukt? Meine Recherchen dazu ergaben ein eindeutiges Ergebnis.

Seit einiger Zeit begegnen mir Werbeanzeigen für Monoblock-Klimageräte, die für Preise unter 100 € eine angenehme Wohnungskühlung versprechen. Die Geräte sehen aus wie Innengeräte von Split-Klimaanlagen, sind laut Werbung einfach zu installieren, arbeiten ohne Verdichter und Kältemittel bei geringen Energiekosten. Auf ihren Websites versprechen die Hersteller beispielsweise, dass die Geräte jeden Raum in Minutenschnelle in eine Eiskammer verwandeln und problemlos 80 bis 120 m² kühlen. Das klingt für Personen, die sich bei hohen Außentemperaturen eine effiziente und günstige Raumkühlung wünschen, nach einer attraktiven Lösung. Neugierig geworden recherchierte ich und stieß auf den Websites der Anbieter bei den Funktionsbeschreibungen der Geräte auf abenteuerliche Aussagen, beispielsweise:

– Nach Einschalten des Geräts sinkt die Temperatur in zwei Minuten von 34 auf 17 °C.

– Das Gerät nutzt eine thermische Absorptionstechnologie. Die heiße Raumluft wird durch eine intern versiegelte Kühlkammer geleitet. Ein Nano-Wabenfilter entzieht der Luft die Wärmeenergie auf molekularer Ebene.

Eine Erklärung, wie und wohin die dem Raum entzogene Wärme abgeführt wird, gibt es nicht. Ebenso keine Infos zu Kühlleistungen oder Luftvolumenströmen. Bei weiteren Recherchen fand ich heraus, dass zumindest eines der Geräte nach dem Prinzip der Verdunstungskühlung arbeitet. Dabei wird der Effekt genutzt, dass ein Luftstrom, wenn er befeuchtet wird, abkühlt. Welche Beiträge können durch dieses Prinzip zur Raumkühlung aber erreicht werden? Dies hat cci Wissensportal im Beitrag „Was kann ein Luftkühler zur Raumkühlung tatsächlich leisten?“ anhand von Simulationen für ein 32 m² großes Wohnzimmer berechnet (cci132540). Ein Ergebnis dieser Simulationen zeigt: Bei anfangs 28 °C Raumtemperatur, 40 % Luftfeuchte und 1,5-fachem Luftwechsel hat die Zuluft nach Anschalten des Geräts eine Temperatur von etwa 21 °C. Bereits nach drei Stunden Gerätebetrieb steigt die Zulufttemperatur auf 25,4 °C, die Raumluftfeuchte auf 78 % und die Kühlleistung sinkt unter 5 W pro m². Somit dürfte spätestens dann das anfangs angenehme Kühlgefühl vorbei sein und es schwül werden. Die Herstelleraussage „Eine einzige (Wasser)Füllung reicht aus, um das Gerät 8 bis 10 Stunden lang ununterbrochen zu betreiben“ mag stimmen – aber dann gibt es nur noch minimale Kühlung und eine erhebliche Schwüle. Ergebnis der Simulationsrechnungen: die Geräte können die zuvor genannten Versprechen der Hersteller im Hinblick auf die erreichbaren Temperaturen und bezüglich des Kühlens größerer Flächen niemals einhalten – höchstens für eine überschaubare Zeit und nicht dauerhaft.

Bei weiteren Recherchen zu diesen „Wundergeräten“ stieß ich auf eindeutige Warnungen, dass es sich bei den Werbungen für diese Geräte um gut gestaltete, KI-generierte Informationen und Videos handelt, die aber alle Fake, Betrug und Abzocke seien, siehe

Verbraucherzentrale: Warnung vor epicooler.com

SWR3: Klimaanlage „Epicooler“? Betrug mit Klimageräten

NDR: Fake-Klimaanlagen zu Wucherpreisen – die große Abzocke bei Hitze.

Besonders interssant fand ich den Beitrag „epicooler – Der eiskalte Betrug mit der Wunder-Klimaanlage“ auf youtube, zu dem es insgesamt 787 Kommentare gibt. Einhellige Meinung: Das ist völliger Humbug, Finger weg von diesen Geräten, und diese Form der Werbung müsste verboten werden.

Diesen Aussagen kann ich mich gänzlich anschließen. Wenn schon Klimatisieren, dann richtig – und das geht am besten mit einer Split-Klimaanlage vom Fachbetrieb.

Dr.-Ing. Manfred Stahl

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6 Kommentare zu “Meinung: Hände weg von diesen neuen „Wunder-Raumklimageräten“

  1. Ich kann mich allen vorstehenden Kommentaren nur anschließen. Wir können uns als Sachverständige vor Aufträgen über solche fragwürdigen Kühlanlagen gar nicht mehr retten. Manchmal schreibe ich nur, wenn ich in der Akte die Einzelheiten sehe, nur einen Brief, dass dieses Gerät nichts taugt aber der Lieferant besteht dann auf einem Ortstermin. Leider gibt es auch mit echten Splitanlage Rechtsstreitigkeite, da die Kühllast zu niedrig geschätzt wurde. – Leider ist der Aufwand eine chte Kühllastberechnung durchzuführen groß und kleinere Betriebe haben nicht das Geld solche Programme zu kaufen. Wir sollten daher einfache Lösungen anbieten, z.B. die Formblätter der Bundesfachschule. Neuerdings sehe ich Anzeigen einer Firma Autarg Energy, für eine schnelle einfache Berechnung der Kühllast. Ob dieses etwas taugt, wäre zu prüfen, da habe ich noch keine Unterlagen.

    Und zur korrekten Kühllastberechnung ist zu überlegen, dass der maximale Luftzustand mit 32°C/40%rF oder 33°C nicht mehr stimmt. Wir rechnen seit Jahren für Frankfurt mit 35°C und unveränderter Sonneneinstrahlung, ob dies wirkilch richtig ist, sollten Wissenschaftler klären. Bei wichtigen Anlagen, bei denen eine unzureichende Kühlung große Schäden erzeugen, rechneten wir mit 40°C/25%rF, aber ob das so zutrifft sollte untersucht werden. Wir haben allerdings bis heute keine Reklamationen.

  2. Sehr geehrter Herr Stahl,
    vielen Dank für den Artikel. Schon allein, dass von Ihnen die Notwendigkeit gesehen wird auf diesen Unsinn zu reagieren, und auch noch sehr moderat, erscheint mir bedenklich.
    Diese Industrie hat keine technischen Ansprüche sondern ist wohl nur auf den Verkauf von sinnlosen Bedürfnissen aus, die mit der Verdunstung nicht erfüllt werden können.

    Was mir bei Ihrem viel zu seriösen Artikel fehlt ist der Hinweis, dass eine direkte Befeuchtung der Haut mit Besprühung über einen Wassernebel mit Verdunstung schon eine Abkühlung des Körpers bewirken kann, aber die Feuchte Luft, so wie das mit den Außensprühduschen erfolgt, in die Umwelt entweicht und nicht die Raumluft feuchter macht.
    In Ihren Beispiel sehe ich auch oftmals wie ein eisiger Windstrom auf die Schlafenden herabströmt, so möchte ich auch nicht schlafen oder?

    Meine Schlussfrage ist, ob diese Geräte der europäischen Produkteverordnung widersprechen also verbotener Weise in Umlauf gebracht werden, da ja die versprochen Effekte überhaupt nicht erzielt werden können?
    Ist das ein Thema für die Marktaufsicht?
    Ist da nicht die Verbraucherzentrale gefordert?

    Mit freundlichen Grüßen

    SVfS
    Dipl.-Ing.(FH) Hans Christian Sieber
    Laird of Glencairn

  3. Sehr geehrter Herr Stahl,
    ich habe Ihren Artikel zu den Billig-Coolern gelesen und auch schon die vielen Werbungen im Internet verfolgt. Sie haben vollkommen recht. Dies ist in meinen Augen ein brutaler Betrug und sollte angezeigt werden. Ich warte auf eine Flut Gerichtsgutachten, die auf uns zukommen. Danke für Ihren Artikel und bleiben Sie dran.
    Mit freundlichen Grüßen
    Roland Bodmer

  4. „Stimmt genau. Die Physik lässt sich nicht austricksen“

    Ohne einen Abluftschlauch nach draußen oder einen externen Kompressor (wie bei echten Split-Geräten) kann physikalisch keine Wärme aus dem Raum transportiert werden. Leider hatte ich mich dabei erwischt, hier mal einen Testkauf durchzuführen, bin aber in meiner Entscheidung rational geblieben.
    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag,
    der uns sicherlich allen weiterhelfen wird 😊

    Freundliche Grüße aus Wuppertal

    Sascha Wittenstein
    (Geschäftsführer)
    Hans Kaut GmbH & Co.
    Klimatechnik und Wärmepumpen

  5. Es ist halt Sommer. Und die Grundlagen der Physik oder Expertenmeinungen sind spätestens seit Corona nicht mehr weiter gefragt.
    Im Winter werden dann übrigens analog Wunder-Heizgeräte angeboten: Kleine, völlig überteuerte Steckdosenheizlüfter mit wenigen 100 W Spitzenleistung, die sie dann wegen Überhitzung auch nur kurzzeitig abrufen können, mit denen aber für fast kein Geld in Sekundenschnelle große Räume wunderbar warm werden sollen. Wozu dann noch große teure Heizungen betreiben, wenn das doch auch so billig und schnell geht?

  6. Ich habe mich schon lange über diese Werbung geärgert. Auf manchen Fotos ist das angebliche Innenleben der Geräte dargestellt. Man würde dafür einen ganzen Raum benötigen, um die dargestellte Technik in Originalgröße unterzubringen. Es ärgert auch, dass diese Werbungen in sehr vielen Medien ungeprüft übernommen werden. Dies gilt auch für Werbung zu andere Produkte, die ausschließlich Fake sind. Leichtes Abnehmen, guter Haarwuchs etc.etc. Ich hatte eine Berliner Tageszeitung angefragt, warum ich mehr solcher Werbung auf einer Internetseite sehe als Fachbeigträge. Eine Antwort habe ich nicht bekommen. Wahrscheinlich kann man auf beiden Seiten gut damit verdienen. Danke Herr Stahl für die Erklärungen.

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