
Eine neue Fachtagung von cci Dialog hat Ende September in Frankfurt den gegenwärtigen Status quo bei Rechenzentren hinsichtlich energieeffizienter Kühltechnologien sowie gesetzlichen Vorgaben beleuchtet. Ein Highlight der zweitägigen Veranstaltung war der Einblick in das Rechenzentrum von Telehouse.
Die Anforderungen an den Betrieb von Rechenzentren steigen rasant: Künstliche Intelligenz und High-Performance-Computing treiben Leistungsdichten auf neue Höchstwerte, gleichzeitig verschärfen sich Energieeffizienz- und Nachhaltigkeitsvorgaben sowie gesetzliche Pflichten. Diese Themen hat die neue Fachtagung „Rechenzentrumsbetrieb 360°“ von cci Dialog aufgegriffen und damit am 29. September 70 Teilnehmer in die Veranstaltungslocation Soaltee Hotel in Frankfurt gezogen.
Warum Rechenzentren für TGA und LüKK ein wichtiges Thema für Planer, Anlagenerrichter und die Industrie sind, erläuterte Moderator und Co-Referent Andreas Graf-Matzner (CloudHQ Germany) gleich zu Beginn: „LüKK und TGA verbinden Stromversorgung, Kühlung, Wärmeabfuhr, Gebäudeautomation, Monitoring und Sicherheit zu einem integrierten Gesamtsystem. Eine leistungsfähige, skalierbare und normenkonforme TGA ist heute der entscheidende Erfolgsfaktor für einen wirtschaftlichen und zukunftssicheren Rechenzentrumsbetrieb.“ Klar sei aber auch, dass die IT der Taktgeber in einem Rechenzentrum ist. Um sie geht es: „Alles dreht sich um die IT und die ‚Diva‘, das Serverrack. Beides muss laufen. Der Wasserkühlsatz ist dabei nicht so wichtig. Der kann mal kaputtgehen und muss ersetzt werden. Die IT nicht.“ Das klingt erst einmal paradox, aber Graf-Matzner, der seit einigen Jahren für einen amerikanischen Rechenzentrumsanbieter arbeitet, weiß, dass eine nicht laufende IT einen immensen finanziellen Schaden auslösen kann.
Dennoch geht es nicht darum, ein Rechenzentrum um jeden Preis und irgendwie zu betreiben: Neben der Betriebssicherheit steht vor allem die Energieeffizienz im Fokus, die auch gesetzlich und regulatorisch eingefordert wird. Und diese wird durch die passende Auswahl der Kühltechnik beeinflusst.
Bevor die Tagung in den Vorträgen von Milena Sanita Merkel (Daikin Applied Germany) und Heiko Ebermann (Vertiv Group) Luft- und Wasserkühlung sowie im Vortrag von Paul Tucholke (BerlinerLuft.Technik) adiabate Kühlung voneinander unterschied und Frank Krause (Carrier Klimatechnik) die Abwärmenutzung anhand einiger Praxisbeispiele erläuterte, vermittelte René Habers (Prior1) zunächst wichtige Grundlagen. Hierbei ging er auf die unterschiedlichen Arten und Größen von Rechenzentren und die unzähligen Abkürzungen, Fachbegriffe, „Fachchinesisch“ sowie verschiedene Leistungsklassen ein. Dabei wurde schnell klar, dass ein rasantes Wachstum von Rechenzentren in Bezug auf Größe, Leistung und Anzahl die Entwicklung der Branche bestimmt: hierzulande, aber vor allem in den USA.

„Die Branche ist noch relativ jung“, ergänzte Graf-Matzner als Vortrags-Sparringspartner von Habers. Es gebe daher auch keine spezielle Ausbildung zum Rechenzentrums-Planer. „Man wird nicht Rechenzentrums-Planer oder -Bauer. Im Grunde kommen wir alle aus anderen TGA-Berufen. Das Wissen ist aus der Zusammenarbeit mit der Industrie gewachsen.“ Was sich aber in den letzten Jahren verändert habe, sei die öffentliche Wahrnehmung. „Durch die oftmals negative Darstellung in der Presse musste unsere kleine Branche schnell erwachsen werden, und wir sind ja sogar noch kleiner als die LüKK“, ergänzt Graf-Matzner. Früher habe man mehr unter dem Radar arbeiten können, so Habers. Heute führt die negative Darstellung zum Scheitern von Projekten, da die Planungshoheit bei den Kommunen liegt und deren Vertreter von den Darstellungen in den Medien beeinflusst werden (Lesetipp dazu: Kommentar „Das Rechenzentrums-Dilemma“, cci323708). Aber was ist nun eigentlich ein Rechenzentrum? Unabhängig, ob es sich um einen kleinen IT-Raum oder ein Hyperscaler-Rechenzentrum handelt, gilt: „Rechenzentren sind das Rückgrat der digitalen Zukunft. Ohne sie keine Innovation, keine KI, keine Wettbewerbsfähigkeit“, brachte es Habers in seinem Vortrag auf den Punkt.
Am zweiten Tag berichtete zunächst Cedric Brunke, Datacenter Specialist bei Belimo, über die Anwendung von hybriden Kühlungssystemen. Auch hier spielt die schnelle Weiterentwicklung eine Rolle. Aus Brunkes Erfahrung weiß man in der Planungsphase noch nicht, wie das Rechenzentrums-Endprodukt aussehen wird. „Rechenzentren sind besonders anspruchsvoll durch den rasanten technologischen Fortschritt der IT-Technik und die sich dadurch ändernden Anforderungen an Hydraulik und Kühlung. Das Projekt verändert sich stetig.“ Dennoch gibt es Leitplanken, in denen sich Rechenzentrumsbetreiber bewegen müssen, berichtete Martin Kohoutek von der German Datacenter Association. Die Branche muss heute mit Regularien wie dem Energieeffizienzgesetz (EnEfG) umgehen, für das die Bundesregierung jetzt am 16. September ein „Gesetz zur Beschleunigung der Umsetzung der Energieeffizienzrichtlinie“ vorgelegt hat. Die Mindesteffizienzanforderungen an Rechenzentren werden gelockert – das ist die gute Nachricht. Siehe hierzu auch die heutige Meldung in cci Branchenticker: „Bundesregierung will Energieeffizienzgesetz neu ausrichten.“ Dennoch kritisiert Kohoutek: „Die fehlenden Planungs- und Regulierungssicherheiten in Deutschland gefährden Investitionen in die digitale Infrastruktur.“
Eine richtungsweisende Norm stellte Stevo Bilbija von der Salvia Gebäudetechnik vor. Die DIN EN 50600 „Informationstechnik – Einrichtungen und Infrastrukturen von Rechenzentren“ ist als europäische Leitnorm für Planung und Betrieb von Rechenzentren heute unverzichtbar. Von der Spezifikation über Auslegung, Genehmigung, Ausführung und Inbetriebnahme umfasst die DIN EN 50600 den kompletten Prozess des Rechenzentrumsbaus in insgesamt elf Phasen.
Den krönenden Abschluss der Fachtagung bildete ein Besuch in einem Hyperscale-/Colocation-Rechenzentrum in Frankfurt. Die Teilnehmer besichtigten in drei Gruppen das Rechenzentrum von Telehouse im Frankfurter Gallusviertel. Hierzu muss man wissen, dass Rechenzentren normalerweise nicht für Besucher ihre Türen öffnen, da Sicherheit an erster Stelle steht. Telehouse wurde 1989 gegründet und gilt als erster neutraler Colocation-Anbieter Europas. Heute betreibt das Unternehmen weltweit mehr als 40 Rechenzentren in Wirtschaftsmetropolen und betreut über 3.000 Kunden. Telehouse ist eine hundertprozentige Tochter des internationalen ICT-Konzerns KDDI mit Hauptsitz in Tokio.
Die Teilnehmer erhielten Einblicke in sämtliche Bereiche des Colocation-Rechenzentrums, das über eine Fläche von 50.000 m² verfügt, insbesondere in den Serverraum mit seinen zahlreichen Serverracks. Ein Telehouse-Mitarbeiter erklärte die technischen Abläufe und Sicherheitskonzepte sehr anschaulich und informierte detailliert über die Kühlung der IT-Infrastruktur. Besonders beeindruckend waren die umfangreichen Vorkehrungen für einen Stromausfall: Zunächst sichert eine USV die unterbrechungsfreie Stromversorgung. Anschließend übernehmen innerhalb von nur 9 Sekunden mehrere leistungsstarke Dieselgeneratoren mit jeweils zehn Zylindern die Stromversorgung. Alle Teilnehmer waren begeistert von dieser spannenden Exkursion.
Weitere Inhalte der Fachtagung folgen in cci Zeitung 1/2027 im Schwerpunkt „Rechenzentren“. Mehr zu cci Schulung und den geplanten Veranstaltungen gibt es hier.
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