ebm-papst geht an US-Konzern Madison Air

Mit dem Verkauf an Madison Air will ebm-papst die Präsenz auf dem US-amerikanischen Markt stärken. (Abb. © 2026 OpenAI/KI-generiert für cci Dialog)

Die drei Gesellschafterfamilien von ebm-papst wollen ihre Anteile an den US-Konzern Madison Air übertragen. Der künftige Eigentümer will die Gruppe langfristig stärken und in Mitarbeiter, Technologie und Wachstum investieren. Mulfingen bleibt Hauptsitz des Ventilatorenherstellers sowie Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsstandort. Aktuelle Hintergründe und Perspektiven.

Die ebm-papst Gruppe, Mulfingen, und der US-Konzern Madison Air haben die Übernahme von ebm-papst durch Madison bekannt gegeben. Die drei Gesellschafterfamilien McCracken, Philippiak und Sturm haben eine entsprechende Vereinbarung zur Übertragung ihrer Anteile unterzeichnet. Das hat der Hersteller von Ventilatoren und Motoren gestern (17. August) mitgeteilt.

Der Nettoverkaufspreis wird mit 4,8 Mrd. € beziffert. Im Rahmen des Verkaufs wird das Familienunternehmen mit 5,1 Mrd. € bewertet (Enterprise Value). Laut Handelsblatt verlief die Transaktion schnell: „Zwischen den ersten Gesprächen und der Unterschrift hätten keine zehn Wochen gelegen. Am Samstag sei dann die Unterschrift erfolgt.“ Der Verkauf steht noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Freigaben. Der Vollzug wird gegen Jahresende 2026 erwartet.

„Nach sorgfältiger Prüfung sind wir gemeinsam zu der Überzeugung gelangt, dass Madison Air der ideale Partner für ebm-papst ist, um den eingeschlagenen Wachstumskurs langfristig fortzusetzen“, erläutern Chloë McCracken, Jan Philippiak und Ralf Sturm im Namen der Gesellschafterfamilien von ebm-papst. Die Familie Sturm geht auf ebm-papst-Gründer Gerhard Sturm zurück (siehe cci288145 und cci54652). Die Familien Philippiak und McCracken gehen auf die Brüder Heinz und Günther Ziehl und das Umfeld des Marktbegleiters Ziehl-Abegg zurück.

Madison Air ist Anbieter von Luftqualitätslösungen für geschäftskritische Anwendungen und bedient unter anderem das Gesundheitswesen, industrielle Hochleistungsfertigung, Reinräume, Rechenzentren und Wohngebäude. ebm-papst soll das Portfolio um Ventilations- und Motorentechnologie sowie Ingenieurskompetenz ergänzen. In Deutschland war Madison Air bis zur aktuellen Übernahmeankündigung ein unbeschriebenes Blatt. Zumindest finden sich in unseren Medien von cci Dialog keine Berichte über den US-Konzern. Auch gibt es keine belastbaren öffentlichen Quellen wie Ausstellerlisten, Messeankündigungen oder Ähnliches, die belegen, dass Madison Air schon einmal auf einer der relevanten Messen in Europa ausgestellt hat. Von der Übernahme verspricht sich Madison Air also neue Marktzugänge in Europa. Umgekehrt soll ebm-papst von der operativen Expertise, Innovationskraft und Präsenz von Madison Air in den USA profitieren.

„Das große Potenzial für die Weiterentwicklung der Gruppe ist (…) nicht ausgeschöpft und mit Madison haben wir einen Partner gefunden, der genau versteht, was ebm-papst ausmacht und was wir brauchen, um unsere Marktführerschaft weiter auszubauen“, sagt Dr. Klaus Geißdörfer, CEO von ebm-papst. Wer genau hingeschaut hat, mag derweil schon Anzeichen für eine Fokussierung von ebm-papst auf den US-amerikanischen Markt gesehen haben. Immer wieder war davon die Rede, dass der Wachstumsmarkt Amerika neben dem in Asien besonders im Blick sei und man die globale Präsenz in diesen Schlüsselmärkten stärken wolle. So hat ebm-papst zuletzt auf der Pressekonferenz zum Geschäftsjahr 2025/26 mitgeteilt, nach dem planmäßigen Rückzug aus den Geschäftsfeldern Automobiltechnik, Hausgeräte sowie dem Übergang der Antriebstechnik an Siemens im Juli 2025 entscheidende Fortschritte bei der strategischen Neuausrichtung erzielt zu haben. Dabei wurde Amerika explizit als Markt mit der größten Wachstumsdynamik hervorgehoben (Umsatzanteil 424,6 Mio. €, +25,7 %, siehe cci326107).

Daher mag es nur eine Randnotiz gewesen sein, aber man kann es rückwirkend auch als einen kleinen Schritt auf dem Weg zum Verkauf sehen: 2025 hat die Air Movement and Control Association (AMCA) einen Kombiprüfstand des Ventilatoren- und Motorenherstellers zertifiziert. Zeitgleich hat eine Ventilatorenserie von ebm-Papst die AMCA-Zertifizierung erhalten (siehe cci298519). Die Air Movement and Control Association (AMCA), Illinois/USA, ist die größte internationale nicht-kommerzielle Organisation von Ventilatorherstellern.

Madison will ebm-papst mit seinen weltweit mehr als 13.000 Mitarbeitern, davon rund 5.800 in Deutschland, langfristig stärken und steht nach eigenen Angaben für zusätzliche Investitionen bereit. Mulfingen bleibt Hauptsitz der Unternehmensgruppe sowie Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsstandort. Die Transaktion hat laut ebm-papst keine Auswirkungen auf bestehende arbeitsrechtliche Verpflichtungen sowie tarifliche Regelungen und Betriebsvereinbarungen.

ebm-papst ist damit binnen gut zweieinhalb Jahren der zweite milliardenschwere deutsche Mittelständler der LüKK, der an einen US-Konzern verkauft wird. Dies liefert sicher auch Gesprächsthema für die Chillventa Mitte Oktober in Nürnberg, auf der ebm-papst wieder ausstellen wird. Bereits Anfang 2024 verkaufte das hessische Familienunternehmen Viessmann seine Klimasparte einschließlich des Wärmepumpengeschäfts für rund 12 Mrd. € an den US-Konzern Carrier Global (siehe cci202195).

Die ebm-papst Gruppe ist an knapp 30 Produktionsstandorten aktiv, unter anderem in Deutschland, China und den USA sowie in etwa 50 Vertriebsniederlassungen. Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2025/26 bei 2,236 Mrd. €.

cci328015

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