Energetische Wohngebäudeertüchtigung durch Wärmepumpen, PV und partielle Lüftung mit WRG

Der Erfolg der so genannten Wärmewende hängt maßgeblich vom Einsparpotential im Gebäudebestand ab. Um dieses zu erschließen, braucht es neben der Sanierung der Gebäudehülle auch eine möglichst CO2-neutrale Wärmebereitstellung durch erneuerbare Energieträger anstelle von fossiler Anlagentechnik. Zu Recht gilt die Wärmepumpe in diesem Zusammenhang als Schlüsseltechnologie für das Gelingen der Wärmewende.

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Die damit einhergehende Elektrifizierung bewirkt aber auch einen signifikanten Anstieg des Gesamtbedarfes an elektrischer Energie, der das Stromnetz zu kritischen Zeiten – also in der Heizzeit – überlasten könnte. Um diese Gefahr teilweise zu verringern, kann der benötigte Strom dezentral durch Photovoltaikanlagen (PV) direkt am Gebäude erzeugt werden. Jedoch deckt sich das Stromerzeugungsprofil einer Photovoltaikanlage nicht gut mit dem typischen Verbrauchsprofil einer Wärmepumpe. Eine Außenluft-Wärmepumpe zur Raumheizung benötigt hauptsächlich in den kalten Jahreszeiten viel Strom, während die Solarerträge einer PV-Anlage in dieser Zeit eher gering sind.

Von fossilen zu regenerativen Energien

Im Rahmen einer Masterarbeit wurde ein 1997 in massiver Bauweise errichtetes Einfamilienhaus in der Nähe von Hannover untersucht, das nach einem Teilumbau im Jahr 2016 mit dreifach verglaste Fenster und Fußbodenheizung im Erdgeschoss (circa 80 % der Grundfläche) und Fußbodenheizung im Obergeschoss gelegenen Bad ausgestattet ist. Die übrigen Räume (Flure und Obergeschoss) werden über Konvektions-Heizkörper beheizt. Im Oktober 2022 wurde der bis dahin genutzte Gas-Brennwertkessel wie folgt ersetzt:

  • 300-l-Trinkwasserwärmepumpe Dimplex DHW 300 (thermische Leistung ca.1,7 kW, Kältemittel R134A, GWP 1.430), die innerhalb des beheizten Hauswirtschaftsraums aufgestellt ist (Abbildung 1, links)
  • Luft-Wasser-Wärmepumpe Dimplex LA 12S-TU in Außenaufstellung zur Raumbeheizung (Abbildung 1, rechts) (thermische Leistung 12 kW (A10/W35), Kältemittel R410A, GWP 2.088)
Abbildung 1: links Trinkwasserwärmepumpe (Innenaufstellung, 300 l, rechts: außen aufgestellte Luft-Wasser-Wärmepumpe zur Raumheizung (Abb. © Torsten Richter)
Tabelle 1: Geometrische Angaben (Quelle: Torsten Richter)
Tabelle 1: Geometrische Angaben (Quelle: Torsten Richter)
Tabelle 2: Bauteilübersicht einschließlich der jeweiligen Flächen und U-Werte (Quelle: Torsten Richter)
Abbildung 2: Ergebnisse zum Nutz-, End- und Primärenergiebedarf mit Beheizung des Ge-bäudes durch elektrische Wärmepumpe ohne PV-Anlage. Der Primärenergiebedarf ergibt sich durch die Multiplikation des Endenergiebedarfs mit dem Primärenergiefaktor. Dieser liegt für Strom aus dem Netz nach GEG 2024 bei 1,8. (Abb. © Torsten Richter)
Abbildung 3: Ablesung der aufgenommenen Umweltenergie (links) und Wärmemenge zum Heizen (rechts) am Bedienpanel der Heizungs-Wärmepumpe (Abb. © Torsten Richter)
Tabelle 3: Übersicht der berechneten und gemessenen Endenergiebedarfs- und Verbrauchswerte (Quelle: Torsten Richter)
Abbildung 4: Bandtacho und Effizienzklasse für das betrachtete Gebäude mit Gasheizung sowie mit Wärmepumpe nach GEG 2024, Energiebedarfsausweis (Abb. © Torsten Richter)
Abbildung 5: Ansicht des Obergeschosses mit transparenter Deckenlage. Die blauen Pfeile veranschaulichen den Luftführungsweg. Für den Fall, dass die Tür im Bereich der Luftführung geschlossen ist, wurden Überströmdichtungen installiert. (Abb. © Torsten Richter)
Tabelle 4: Für das in der Praxis sinnvollste Nutzungsszenario (grau hinterlegt) mit nächtlichem Betrieb in eine Richtung und Pendellüftung am Tag beträgt die realistische Energieeinsparung durch die Lüftungsanlage etwa 6,2% pro Jahr. (Quelle: Torsten Richter)
Abbildung 6: links PV-Anlage (6,9 kWp) auf dem Carport, rechts Batteriespeicher (11 kWh) (Abb. © Torsten Richter)
Abbildung 7: Verbrauchsprofil des Gebäudes in monatlicher Darstellung (Abb. © Torsten Richter)
Abbildung 8: Spezifische PV-Erträge, Carport (Vergleich Simulation und reale PV-Erträge, Messwerte bis Mai 2025 in blau) (Abb. © Torsten Richter)
Tabelle 5: Einsparungen im Jahresprimärenergiebedarf durch PV-Unterstützung der Wärmepumpen für Heizung und Warmwasser (Quelle: Torsten Richter)
Abbildung 9: Auswirkungen einer PV-Anlage (Ausbaustufe 3, Carport vollständig mit PV-Modulen belegt) auf End-, Nutz- und Primärenergiebedarf für Heizung und Warmwasser (Abb. © Torsten Richter)

*Dr.-Ing. Torsten Richter, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bauphysik der Leibniz Universität Hannover (Abb. © Torsten Richter)

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