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1. Juni 2012 Autor: Bjarne Olesen

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Raumlufthygiene: Gerüche in Räumen minimieren

Werden raumlufttechnische Anlagen ausgelegt und der zu fördernde Zu- und Abluftvolumenstrom bestimmt (erforderliche Lüftungsrate und Außenluftvolumenstrom), müssen alle Verunreinigungsquellen berücksichtigt werden, die die Raumluftqualität beeinträchtigen. Schad- und Geruchsstoffe in Bauwerken sollten bereits an der Quelle, also im Raum, vermieden werden. Um Emissionen beispielsweise aus Büroeinrichtungen zu minimieren, sollten nur Produkte mit geringen oder keinen Ausdünstungen eingesetzt werden. Die raumlufttechnischen Anlagen sind so zu gestalten, zu betreiben und zu warten, dass von ihnen möglichst keine zusätzlichen Belastungen ausgehen.

Mit dem Erscheinen des Weißdrucks der DIN EN 16798 Teil 3 als Nachfolgenorm der DIN EN 13779 "Lüftung von Nichtwohngebäuden" werden die in der DIN EN 13779 genannten Kategorien der Außenluftraten nicht übernommen. Außenluftraten sind künftig nur noch nach der DIN EN 16798 Teil 3 "Eingangsparameter für das Raumklima" auszulegen.

Die Redaktion belässt den Beitrag von Prof. Bjarne Olesen, der auf der DIN EN 13779 basiert, dennoch in cci Wissensportal, weil er auch grundsätzliche (von keiner Norm erfasste) Aussagen zur Luftqualität auf Basis von olf und decipol enthält. (Stand: Juni 2017)
 

Die Erkenntnisse über den Verunreinigungsbeitrag, der von Menschen an die Raumluft abgegeben wird, sind heutzutage recht gut. Dem gegenüber sind die Kenntnisse über die Beiträge anderer Verunreinigungsquellen, wie Baumaterialen, Einrichtungen (Möbel, Fußbodenbelag oder Gardinen), Geräte (PCs, Drucker oder Kopierer), RLT-Anlagen (Filter, Kanäle, Luftbefeuchter/- trockner), Farben und Reinigungsmittel sowie der Außenluft, oft mangelhaft. Auch über dynamische Vorgänge, wie die Aufnahme und die Anlagerung und Abgabe von Schad- und Geruchstoffen (Absorption und Desorption) in Räumen sowie über deren Auswirkung ist teilweise wenig bekannt. Trotzdem werden in Normen und Richtlinien die vorliegenden Erkenntnisse mit der Auslegung der Raumlufttechnik verknüpft, sodass eine möglichst hohe Raumluftqualität erreicht werden kann.

Behaglichkeit

Die empfundenen Raumluftqualität spielt für die Behaglichkeit eines Menschen in einem Raum eine große Rolle. In der DIN EN 13779 "Lüftung von Nichtwohngebäuden - Allgemeine Grundlagen und Anforderungen für Lüftungs- und Klimaanlagen und Raumkühlsysteme" sind verschiedene Kategorien für Raumluftqualitäten benannt und mit einer Mindestlüftungsrate verknüpft (siehe dazu auch cci2803 "In sechs Schritten von der Außenluft zur Zuluft"):

  • Kategorie 1 = 36 m³/h je Person (max. 15 % Unzufriedene)
  • Kategorie 2 = 25 m³/h je Person (max. 20 % Unzufriedene)
  • Kategorie 3 = 14 m³/h je Person (max. 30 % Unzufriedene)
  • Kategorie 4 = ohne Anforderungen (über 30 % Unzufriedene)

Zur Festlegung der Kategorien werden verschiedene Parameter, wie Decipol, der Anteil Unzufriedener in %, die CO2- Konzentration und die Lüftungsrate, verwendet. Wenn die Lüftungsraten auf Basis der Behaglichkeit festgelegt werden, ist in der Regel auch die Gesundheit gewährleistet. Das gilt jedoch nicht immer. Schadstoffe wie zum Beispiel Radon und Kohlenmonoxid (CO) werden von Menschen nicht direkt durch Geruch oder Irritation wahrgenommen, sie sind aber gesundheitsgefährdend.

Olf und Decipol
Beurteilt werden Gerüche durch zwei Einheiten: Die Geruchsemission, die von einem Gegenstand abgegeben wird, wird in olf angegeben, das Maß für die Geruchsimmission, bei der der Luftvolumenstrom der Lüftung mit einfließt, ist das Decipol.
Ein olf ist die Verunreinigungslast ausgehend von einer erwachsenen Standardperson (Nichtraucher) in sitzender Tätigkeit mit einem Hygienestandard von 0,7 Bädern pro Tag. Davon abgeleitet wird die Einheit „olf“ aber nicht nur für die von Personen ausgehenden Verunreinigungen verwendet. Für jede Verunreinigung der Raumluft, die der von einer Standard-Person hervorgerufenen Belastung entspricht oder das gleiche Ausmaß an Belästigung verursacht, wird 1 olf als Vergleichsmaßstab angesetzt. Nun ist aber zu berücksichtigen, dass jedes olf, das an den Raum abgegeben wird, in der Raumluft verdünnt wird. Um diesen Grad der Verdünnung zu erfassen und die daraus resultierende, vom Menschen tatsächlich wahrgenommene „empfundene Luftverunreinigung“ zu beurteilen, wurde als weitere Einheit das Decipol eingeführt.
Die Einheit Decipol (dp) ist ein Maß für die empfundene Luftqualität. Ein Decipol definiert die Verunreinigungslast in einem Raum mit einer Quelle von einem olf und einer Lüftungsrate von 10 Liter Außenluft pro Sekunde (36 m³/h)

1 dp = 1 olf / 10 l/s

Je besser die Luftqualität ist – je weniger eine Verunreinigung empfunden wird –, um so geringer ist der Decipol-Wert. Werte bis maximal 2,5 dp gelten als akzeptabel.

Typische Decipol-Werte
0,01 bis 0,04 dp = Außenluft in den Bergen
0,1 dp = Außenluft in der Stadt
1 dp = gesundes Gebäude
10 dp = ungesundes Gebäude

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Artikelnummer: cci14051

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